Kinderärzte fordern striktes Social-Media-Verbot

Kind spielt mit Smartphone
Annette Riedl/dpa/Annette Riedl
Vielen Kinderärzten ein Dorn im Auge: Minderjährige verbringen zu viel Zeit mit Social Media.
Machen "krank und dumm"
Kinderärzte fordern striktes Social-Media-Verbot
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht ein massives Versagen der Eltern bei der Mediennutzung von Kindern. In der Konsequenz sollten Social Media für Nutzer unter 14-Jahren von den Betreibern der Plattformen gesperrt werden.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte verlangt von der Bundesregierung strengere gesetzliche Vorgaben für Onlinedienste wie TikTok und Facebook. "Dass Social Media gerade junge Menschen krank und dumm macht, ist längst erwiesen", sagte Verbandssprecher Jakob Maske der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Maske sprach sich unter anderem für strikte Auflagen gegen die Plattformbetreiber aus und zeigte sich offen für ein Social-Media-Verbot bis zum 14. Lebensjahr. Allerdings müsse dafür gesorgt werden, dass Alterssperren nicht durch Nutzerinnen und Nutzer umgangen werden könnten.

Zudem kritisierte Maske ein gravierendes Elternversagen bei der Mediennutzung. In den Praxen zeige sich täglich, dass sich Heranwachsende dem Einfluss von Social Media kaum noch entziehen könnten. "Wenn ich ins Wartezimmer schaue, kleben dort Eltern und Kinder an ihren Smartphones", sagte der Kinderarzt. Selbst Kleinkinder würden zur Beruhigung häufig schon mit digitalen Medien abgelenkt.

Zugleich appellierte der Kinderärzte-Sprecher an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), Sparmaßnahmen in der Psychotherapie zurückzunehmen. Mit Beginn kommenden Jahres drohten durch Kürzungen bei Kurzzeittherapien längere Wartezeiten für junge Patienten.

Schon jetzt müssten Heranwachsende mit psychischen Leiden rund ein Dreivierteljahr auf Termine warten. Eine Einschränkung der Versorgung gehe angesichts hoher Fallzahlen in die falsche Richtung, unterstrich Maske.