Pruin fordert glaubhaften Einsatz für nachhaltige Ernährung.

Dagmar Pruin
Hermann Bredehorst/ Diakonie Katastrophenhilfe
"Hunger ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und ungerechter Strukturen", sagte Dagmar Pruin bei der Vorstellung des Berichtes.
Bericht von Brot für die Welt
Pruin fordert glaubhaften Einsatz für nachhaltige Ernährung.
"Brot für die Welt" sieht die Bundesregierung beim Kampf gegen den Hunger in der Pflicht: Präsidentin Pruin ruft zu mehr statt weniger Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit auf und fordert einen glaubhaften Einsatz für nachhaltige Ernährung.

Verschärft durch geopolitische Krisen wie den Iran-Krieg drohe derzeit "die dritte Ernährungskrise innerhalb von sechs Jahren", sagte die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks, Dagmar Pruin, am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts ihrer Organisation in Berlin. Doch anstatt krisensichere Ernährungssysteme durch Lösungsansätze wie die Agrarökologie konsequent zu fördern, sei die deutsche Entwicklungspolitik von weiteren Kürzungen betroffen.

Wenn die Bundesregierung ernsthaft daran interessiert ist, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft den Hunger bis zum Jahr 2030 zu beseitigen, muss sie das Thema oben auf die Agenda setzen und darf nicht kurzsichtig kürzen", forderte Pruin. Der im Juli vom Bundeskabinett beschlossene Haushaltsentwurf für 2027 sieht lediglich knapp 9,5 Milliarden Euro für das Entwicklungsministerium vor, knapp 600 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr.

Pruin: Hunger ist Folge politischer Entscheidungen

Nach aktuellen Zahlen der UN-Ernährungsorganisation (FAO) leiden derzeit 645 Millionen Menschen an chronischem Hunger. "Hunger ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und ungerechter Strukturen", sagte Pruin. Damit liegen auch die Lösungen in menschlicher Hand: "Wir können es ändern. Wir müssen es ändern."

UN-Schätzungen zufolge könnten allein aufgrund der andauernden Blockade der Straße von Hormus rund 45 Millionen Menschen mehr von Hunger betroffen sein. "In solchen Krisensituationen zeigt sich: Wir brauchen langfristig eine Alternative", sagte der "Brot für die Welt"-Experte für Welternährung, Francisco Marí. Lieferengpässe und steigende Kosten für Dünger, Transport und Saatgut hätten direkte Auswirkungen auf die Ernten in Ländern wie Bangladesch, Pakistan und weiteren Staaten Südostasiens und verschärften damit den Hunger.

Agrarökologie sollte in den Koalitionsvertrag

Lösungen für nachhaltige Nahrungsmittelproduktion seien bereits bekannt, betonte Marí und verwies auf die Methoden der Agrarökologie: Durch vielfältige Anbauprodukte statt Monokulturen könne eine internationale Abhängigkeit vermindert werden. Zugleich seien diese Methoden an die klimatischen Bedingungen vor Ort angepasst, bauten auf lokalem Wissen auf und stärkten den Klimaschutz vor Ort.

Im neuen Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung werde die explizite Förderung der Agrarökologie nicht mehr erwähnt, obwohl das Entwicklungsministerium bislang entsprechende Projekte gefördert habe, kritisierte Pruin. "Die Bundesregierung muss jetzt eine Kehrtwende vollziehen!", forderte die "Brot für die Welt"-Präsidentin. Sie appellierte an die Regierung, die Kürzungen zurückzunehmen und agrarökologische Ansätze klar in der deutschen entwicklungspolitischen Agenda zu verankern.

 

"Brot für die Welt" hat dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 72,6 Millionen Euro Spenden und Kollekten gesammelt, 2024 waren es 73,9 Millionen Euro. Hinzu kämen kirchliche und Bundesmittel. Insgesamt standen den Angaben zufolge 341,7 Millionen Euro für die Entwicklungsarbeit zur Verfügung. 2024 waren es 332 Millionen Euro. Damit unterstützte das Hilfswerk weltweit 3.000 Projekte in 77 Ländern.