Theologe Thomas gibt Kritiker Rückendeckung

Symbolbild zum Thema Meinung und Kommentare
Lena Gerlach
Die evangelische Hochschule Nürnberg distanziert sich von einem Dozenten und löst damit Unverständnis aus.
Uni auf Distanz zu Ralf Frisch
Theologe Thomas gibt Kritiker Rückendeckung
Was darf ein Hochschulprofessor öffentlich sagen? Daran hat sich in der evangelischen Kirche und an den Universitäten eine hitzige Debatte entzündet. Anlass sind Aussagen des Nürnberger Theologie-Professors Ralf Frisch in einem Interview.

Der Bochumer Theologieprofessor Günter Thomas hat das Präsidium der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) für ihre Distanzierung von ihrem Theologieprofessor Ralf Frisch scharf kritisiert. In einem Offenen Brief, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, schreibt Thomas, er habe die Stellungnahme der Hochschule "mit Erstaunen und tiefem Befremden" wahrgenommen. Es wäre "irritierend", wenn die Äußerungen der EVHN-Leitung deren Verständnis von Wissenschaftsfreiheit sei.

Das EVHN-Präsidium hatte sich am Donnerstag zu Aussagen Ralf Frischs in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) über dessen Buch "Mehr Opium fürs Volk" geäußert. Bei Lesern könne durch Frischs Interview-Aussagen der Eindruck entstehen, er äußere sich im Auftrag der Hochschule.

"Dem ist nicht so", teilte die EVHN mit. Frisch lege in seinen Texten "seine persönliche Position" da und schreibe diese "nicht im Auftrag der EVHN". Dort sei er für "angewandte wissenschaftliche Lehre und Forschung beschäftigt".

Barth steht für "aktive Selbstkritik der Kirche"

Professor Thomas von der Ruhr-Universität-Bochum schreibt, dass Frisch in dem epd-Gespräch auf den Theologen Karl Barth und dessen Verständnis von Theologie verwiesen habe: "Aktive Selbstkritik der Kirche hinsichtlich ihrer Rede von Gott." Über viele Jahrzehnte hätten Pfarrerinnen und Pfarrer "so selbstkritisch Kirche gestaltet". Er frage sich, weshalb die EVHN meine, sich von jemandem distanzieren zu müssen, "der die kirchliche Rede von Gott zum Gegenstand seines kritischen Denkens mache", heißt es in dem Brief weiter.

Das Präsidium hatte in seiner Stellungnahme geschrieben, anders als Frisch in seinen Kolumnen verstehe die EVHN ihre theologische Aufgabe darin, "durch kreative Korrelationen zu einer menschenfreundlichen Kirche und Gesellschaft beizutragen". Eine offene, demokratische Gesellschaft und damit auch eine demokratisch verfasste Kirche lebe vom Diskurs: "Das bedeutet, andere Meinungen auszuhalten und die Vielfalt der Stimmen wertzuschätzen", anstatt pauschal zu diffamieren, heißt es in der EVHN-Stellungnahme.

Frisch: "Kritik gehört zu meinem Job"

Frisch hatte im epd-Gespräch gesagt, es gehöre zu seinem Jobprofil als Theologie-Professor, Kirchenkritik zu üben. Wörtlich sagte er: "Wenn Karl Barth recht hat, dass Dogmatik die Selbstprüfung der christlichen Kirche hinsichtlich der Frage ist, ob diese Kirche eigentlich noch ihrem Gegenstand - dem Evangelium - entspricht, dann gehört das schlicht zu meinem Job." Er setze sich kritisch mit Kirche auseinander, "nicht weil ich sie ablehne oder ihr gar schaden wollte", sondern weil sie ihm am Herzen liege. 

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