Licht in vermeidlich größten Missbrauchs-Komplex bringen

Licht fällt durch ein Kirchenfenster
Nicolas Armer/dpa/Nicolas Armer
Ein ehemaliger Diakon steht im Fokus des Missbrauchs, den die Landeskirche erhellen will.
Landeskirche startet Studie
Licht in vermeidlich größten Missbrauchs-Komplex bringen
Wegen Missbrauch Schutzbefohlener in zwölf Fällen wurde ein Diakon der hannoverschen Landeskirche 2002 verurteilt. Das vermutete Ausmaß liegt weit darüber - und soll nun untersucht werden.

Mit einer wissenschaftlichen Studie will die hannoversche Landeskirche mehr als 20 Jahre zurückliegende Fälle sexualisierter Gewalt erhellen. Konkret gehe es um einen ehemaligen Diakon, der 2002 wegen sexualisierter Gewalt gegen Schutzbefohlene zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 11 Monaten verurteilt worden war, teilte die Landeskirche am Freitag mit.

Der Mann hatte im Zeitraum von 1989 bis 2002 in verschiedenen Gemeinden der Landeskirche in der Kinder- und Jugendarbeit gearbeitet und war nach Bekanntwerden der Taten fristlos entlassen worden. Das Landgericht Hannover hatte ihn nach epd-Informationen in zwölf Fällen, verübt an 13- bis 15-jährigen Jungen, schuldig gesprochen. Medienberichte jener Zeit hätten jedoch ein weit größeres Ausmaß des Missbrauchs nahegelegt und von "bis zu 50 Taten an verschiedenen betroffenen Personen" gesprochen, hieß es.

Entsprechend erhoffe sich die Landeskirche durch die Studie weitere Aufklärung, da bis heute nicht alle betroffenen Personen namentlich bekannt seien. Nach derzeitiger Kenntnis handele es sich um den Tatkomplex mit den bislang meisten betroffenen Personen in der hannoverschen Landeskirche.

Kirche hofft auf Rückmeldung weiterer Betroffener

Umgesetzt wird die Studie den Angaben zufolge von dem Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung. Im Zuge der Untersuchungen werde das Institut in den kommenden Monaten mindestens einen Aufruf veröffentlichen, der sich an Personen richte, die sich in Interviews unter Wahrung strenger Datenschutzrichtlinien zu dem Fallkomplex äußern möchten, hieß es.

Die Untersuchung ist den Angaben zufolge für 24 Monate angesetzt. Ziel sei es, die in mehreren Gemeinden verübten Taten des Diakons zu dokumentieren und Schlüsse für Aufarbeitung, Prävention und Intervention in der Landeskirche Hannovers zu ziehen. Zudem gehe es darum, weitere Formen der Anerkennung für das geschehene Unrecht zu entwickeln. Besonderes Augenmerk lege die Studie auf die Verantwortlichkeiten und Bedingungen, die die Taten ermöglicht, begünstigt oder nicht verhindert hätten.