TV-Tipp: "Der Teufel in mir – Exorzismus heute"

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25. Mai, ZDF, 17.30 Uhr
TV-Tipp: "Der Teufel in mir – Exorzismus heute"
Max Damm und Emely Sporrer haben ihrem Film ein Zitat des französischen Lyrikers Charles Baudelaire vorangestellt: "Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt."

Die Schlussfolgerung klingt logisch: Wenn es das Gute gibt, muss es auch das Böse geben; wer an Gott glaubt, muss auch mit dem Teufel leben. Ein katholischer Theologie drückt es in dieser Dokumentation sinngemäß so aus: Es sei nicht recht nachzuvollziehen, dass Menschen die Existenz von Engel akzeptieren, nicht jedoch die von Dämonen. Oder, um es mit einem Vers aus dem 85er-Hit "Banküberfall" der österreichischen Band "Erste allgemeine Verunsicherung" zu formulieren: "Das Böse ist immer und überall". Nicht umsonst beschäftigen sich nicht erst seit "Der Exorzist" (1973) Dutzende Kinofilme und noch mehr Romane mit diesem Thema.

Max Damm und Emely Sporrer haben ihrem Film ein Zitat des französischen Lyrikers Charles Baudelaire vorangestellt: "Die schönste List des Teufels ist, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt." Dabei weilt er als Inbegriff des Bösen gewissermaßen schon immer unter uns, schließlich erschien er Eva bereits in der biblischen Schöpfungsgeschichte in Gestalt einer Schlange. Satan mag in Judentum, Christentum und Islam unterschiedliche Rollen spielen, aber als Gegenentwurf zu Gott ist er offenkundig unverzichtbar.

Für die Gläubigen gilt das ohnehin, schließlich muss der Leibhaftige seit Jahrhunderten für allerlei unerklärliche negative Phänomene herhalten. Das gilt mutmaßlich auch für psychische Erkrankungen: Was einst als Besessenheit durch einen Dämon deklariert wurde, würde heute vermutlich etwa als dissoziative Störung diagnostiziert.

Trotzdem gibt es nach wie vor viele Menschen, die überzeugt sind, der Höllenfürst oder ein Wesen aus seinem Gefolge habe sich ihrer bemächtigt. Auf der Suche nach Hilfe stoßen sie nicht selten auf Angebote, die oftmals fragwürdig sind; und darum geht es in dieser Sendung, wie schon der Titel "Der Teufel in mir" verdeutlicht. Der Film verzichtet jedoch auf eine Wertung. Das gilt sowohl für die Betroffenen wie auch für jene, die sich dem Exorzismus verschrieben haben: Ob Damm und Sporrer das alles für Humbug halten, bleibt offen; sie begegnen sämtlichen Beteiligten mit Respekt.

Zentrale Mitwirkende sind die Religionswissenschaftlerin Nicole Bauer, die sich seit vielen Jahren mit sämtlichen Spielarten der Teufelsaustreibung beschäftigt, sowie der katholische Exorzist Jörg Müller. Der Pater offenbart jedoch eine erfrischend aufgeklärte Haltung: Was die Menschen für Besessenheit hielten, habe seine Ursache oftmals in einer traumatischen Erfahrung. Den sogenannten großen Exorzismus wendet er nur noch äußerst selten an, meist genügen einfache Gebete und etwas Weihwasser, um ein Problem zu lösen und zum Beispiel einen vermeintlichen Fluch aufzulösen, der über einem Kuhstall liegt, oder ein Ehepaar vom spukenden Geist des verstorbenen Vaters zu erlösen. 

Anders als etwa in Italien stehen nur noch wenige deutsche Exorzisten im Dienst der katholischen Kirche. Die Regeln des Rituals sind seit 500 Jahren klar festgelegt. Das Gewerbe ist hierzulande allerdings schwer in Verruf geraten, als 1976 eine Studentin der Religionspädagogik nach 67 versuchten Teufelsaustreibungen an Unterernährung starb. In der evangelischen Kirche gibt es schon lange keinen institutionalisierten Exorzismus mehr. Deshalb tummeln sich auf diesem Gebiet auch diverse neue Formen des "Befreiungsdienstes".

Die Doku stellt ein junges Trio vor, das sich nach den jeweiligen Anfangsbuchstaben Lorosa nennt und seine Kundschaft über Instagram und TikTok anspricht. Das Filmteam ist dabei, als Lorenzo, Rose und Sandra einer jungen Frau beistehen. Die drei sehen sich in der direkten Nachfolge Jesu, auf den sie sich bei ihren Gebeten auch berufen. Am Ende wird ihre Kundin im Rahmen einer zweiten Taufe endgültig von allen Repressalien, die ihre vermeintliche Besessenheit ausgelöst hat, gereinigt. Sie fühlt sich in der Tat befreit, und das ist ja die Hauptsache, aber Müller und Becker weisen zu Recht auf die Risiken und Nebenwirkungen solcher Prozeduren hin: Die vermeintliche Teufelsaustreibung könnte bei den Betroffenen zu einem einem Trauma führen.

Die entsprechenden Bemerkungen der Wissenschaftlerin und des Psychotherapeuten wie auch die Botschaft der Dokumentation ließen sich so zusammenfassen: Wer unter psychischen Problemen leidet, sollte sich besser professionelle Hilfe suchen. Zu kurz kommt leider die theologisch-philosophische Frage, woher das Böse denn nun tatsächlich stammt: Ist es in der Welt oder resultiert es doch aus der Entscheidungsfreiheit des Menschen? Die Versuchung Evas durch die Schlange war schließlich keineswegs ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte.