Tom Hanks wird 70: America's Dad

Tom Hanks
Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
Er ist einfach Everybody's Darling: Tom Hanks.
Liebling des Publikums
Tom Hanks wird 70: America's Dad
Zwei Oscars hat er bekommen, für "Forrest Gump" und "Philadelphia", er ist Hollywoodstar, Regisseur und Produzent. Und doch hat Tom Hanks es geschafft, dass er noch immer wie der nette Kerl von nebenan wirkt.

Irgendwie scheint dieser Schauspieler mit seinen verschmitzten blauen Augen und der Knubbelnase schon immer dagewesen zu sein: Schauspieler Tom Hanks war der liebenswerte Narr "Forrest Gump", der schwule Anwalt in "Philadelphia" und Captain Miller auf der Suche nach Soldat James Ryan. Am 9. Juli wird er 70 Jahre alt und viele seiner Filme sind heute moderne Klassiker. Oft spielt er einen grundanständigen Mr. Jedermann, der sich in aussichtsloser Lage bewährt.

Als Kind war er nach seinen eigenen Worten extrem schüchtern. Geboren wurde Hanks 1956 in Concord in Kalifornien, er hat englische, portugiesische und deutsche Vorfahren. Nach der frühen Scheidung seiner Eltern zog er häufig um und wuchs mit wechselnden Stiefmüttern auf.

In den 1990ern machte ihn eine Handvoll Qualitätsfilme dann zum bis heute unangefochtenen Publikumsliebling. Nach der Liebesromanze "Schlaflos in Seattle", mit Meg Ryan, schrieb er mit "Philadelphia" Filmgeschichte und nahm auch politisch Einfluss. Hanks spielt einen homosexuellen, Aids-infizierten Anwalt, der sich gegen Diskriminierung zur Wehr setzt. Und als "Forrest Gump", ein körperlich und geistig eingeschränkter "Hans im Glück", schuf er einen ikonischen Simplicissimus: einen Mann, dem, beseelt vom unverbrüchlichen Glauben an den amerikanischen Traum, alles gelingt. In seinen putzigen Abenteuern werden von der Bürgerrechtsbewegung über den Vietnamkrieg bis zu Watergate die Stationen der jüngsten US-Geschichte neu beleuchtet.

Tom Hanks und seine Frau Rita Wilson bei den 15. Governors Awards im Ray Dolby Ballroom in Los Angeles 2024.

Für beide Meisterwerke bekam er einen Oscar verliehen. Allerdings wurde "Forrest Gump", dieser reine Tor, der exakt das tut, was ihm Mama und Vorgesetzte auftragen, damals auch als reaktionäre Fantasie kritisiert. Auch seinem nächsten Hit, dem Kriegsepos "Der Soldat James Ryan" von seinem Seelenverwandten Steven Spielberg, wurde ein Übermaß an Patriotismus vorgeworfen.

Tom Hanks, oft "der gute Mensch von Hollywood" genannt, entwickelte sich zur Idealbesetzung für Filme über die jüngste Zeitgeschichte: von "Apollo 13", und der Krieg des Charlie Wilson" über die Vorgeschichte des Afghanistan-Krieges bis hin zu "Captain Phillips", der sein Containerschiff gegen den Angriff somalischer Piraten verteidigt. In "Bridge of Spies" ist er ein Unterhändler im Kalten Krieg in Berlin, in "Sully" ein Flugzeugpilot, der vor New York eine Landung auf dem Hudson River meistert.

"Tom ist ein Star, in dem sich die Leute wiedererkennen", sagte sein Entdecker, Regisseur Ron Howard, über seinen Lieblingsschauspieler, mit dem er sechs Filme gedreht hat. Hanks selbst sagte einmal in einem Interview, sein Mantra laute "Amerika wird am Ende okay sein".

Oft hat man ihn, der so bodenständig, höflich und unheroisch daherkommt, mit dem Schauspieler James Stewart verglichen. Glaubt man Kollegen und Fans, wird er auch privat seinem Image eines netten Kerls gerecht. Hanks, bereits mit 21 Jahren Vater und mit 54 Jahren Großvater geworden, gilt als Familienmensch. Er hat vier Kinder - seine drei Söhne stehen inzwischen häufig mit ihm vor der Kamera - und ist in zweiter Ehe skandalfrei mit der Schauspielerin und Sängerin Rita Wilson verheiratet. Wilson, die griechische Vorfahren hat, ist griechisch-orthodoxen Glaubens, Hanks seit vielen Jahren auch. Er hat auch die griechische Staatsbürgerschaft.

Er sammelt Schreibmaschinen, sponsert seit langem Öko-Anliegen und ist begeisterter Amateurhistoriker. Mit preisgekrönten historischen Dokudramen, aber auch mit luftigen Romanzen wie "Larry Crowne" mit Julia Roberts hat sich der umtriebige Schauspieler auch einen Namen als Regisseur gemacht. Als Produzent verantwortete er zusammen mit seiner Frau den Komödien-Hit "Hochzeit auf Griechisch" und das Filmmusical "Mamma Mia!".

Langjähriger Unterstützer der Demokraten

Auch aktuell bleibt er als Schauspieler gefragt: 2022 war er in der "Elvis"-Filmbiografie von Baz Luhrmann zu sehen, und Wes Anderson besetzte ihn in höchst skurrilen Rollen in seinen vertrackten Komödien "Asteroid City" (2023) und "Der phönizische Meisterstreich" (2025). Demnächst wird Hanks US-Präsident Abraham Lincoln verkörpern, mit dem er, wie er entdeckte, weitläufig verwandt ist.

Als langjähriger Unterstützer der Demokraten ist Hanks auf Du und Du mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. 2016 verlieh dieser ihm die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten, die Presidential Medal of Freedom, und führte dabei offiziell den neuen Spitznamen für Tom Hanks ein: "America's Dad" - weil Hanks "uns dazu bringt, uns ein bisschen besser zu fühlen".