Assistierter Suizid: So können Seelsorgende begleiten

Frau hält Tabletten
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An ehren- oder hauptamtlich Seelsorgende, die Menschen begleiten, für die assistierter Suizid eine Option darstellt, richtet sich die neue Handreichung der VELKD mit dem Titel "Seelsorge und assistierter Suizid".
Suizidwunsch nimmt zu
Assistierter Suizid: So können Seelsorgende begleiten
Der Wunsch nach assistiertem Suizid hat zugenommen: Die VELKD reagiert auf die wachsende Anfragen aus der Praxis und stellt Seelsorgenden eine neue Handreichung für schwierige Gespräche zur Seite. Sie soll helfen, eine eigene Haltung zu entwickeln und Gespräche sensibel zu führen.

Aufgrund des zunehmenden Wunsches nach assistiertem Suizid gibt die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), Seelsorgerinnen und Seelsorgern eine Hilfe bei der Begleitung von Menschen, die den Wunsch nach einem assistierten Suizid äußern.

"Fragen nach assistiertem Suizid stellen sich häufiger und unmittelbarer in der Praxis von Kirchengemeinden, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Hospizen", erklärt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Für Seelsorger entstünden dadurch neue Gesprächssituationen, "die von Ambivalenz, Unsicherheit und hoher emotionaler Intensität geprägt sind", so Meister, der auch Leitender Bischof ist.

Die Veröffentlichung mit dem Titel "Seelsorge und assistierter Suizid" stelle keine ethischen Positionen oder Handlungsvorgaben ins Zentrum und gebe keine festen Regeln vor, so Meister weiter. Stattdessen solle sie helfen, eine eigene Haltung zu entwickeln und Gespräche sensibel zu führen.

Beispiele aus der Praxis sowie rechtliche und psychologische Hinweise sollen dabei Orientierung bieten. Sie soll Seelsorgende ermutigen, ihre Rolle in diesen komplexen Situationen zu klären und Menschen sensibel, ergebnisoffen und verantwortungsvoll zu begleiten.

Respekt vor Selbstbestimmung

"Ein besonderes Merkmal der Handreichung ist ihr konsequent kollegialer Ansatz. Sie ist keine normative Anleitung, auch keine Richtlinie für diakonische Einrichtungen, sondern eine Unterstützung für die professionelle Selbstvergewisserung der Seelsorgerin oder des Seelsorgers", sagt Angela Grimm, Vorsitzende des Seelsorgeausschusses der VELKD, der die Veröffentlichung verfasst hat.

"Die Fähigkeit, Ambivalenzen auszuhalten, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und im Gespräch zu bleiben, wird als zentrale Kompetenz seelsorglichen Handelns hervorgehoben", so Grimm weiter. Die Broschüre richtet sich an haupt- und ehrenamtlich Tätige in Gemeinden, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Hospizen. Laut VELKD gehe es vor allem darum, unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten und im Gespräch zu bleiben. 

Die evangelischen Kirchen in Deutschland verbinden in ihrer Haltung zum assistierten Suizid zwei grundlegende Perspektiven: den Schutz des Lebens und die Achtung der Selbstbestimmung des Menschen. Unter der Leitformel "Gott ist ein Freund des Lebens" treten sie entschieden für den Schutz des menschlichen Lebens ein und setzen sich für rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen ein, die Suizidprävention sowie palliative Versorgung stärken.

Gleichzeitig betonen sie die Verantwortung und Freiheit des Individuums als Teil der von Gott gegebenen Würde. In Grenzsituationen kann dies auch bedeuten, eine Entscheidung für einen assistierten Suizid zu respektieren. In solchen Fällen verstehen sich die evangelischen Kirchen ausdrücklich als ansprechbar für eine seelsorgliche Begleitung, die dem einzelnen Menschen vorurteilsfrei begegnet.