Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Leipzig haben Vertreter der Kirchen mit großer Betroffenheit reagiert. Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz erklärte am Montagabend in Dresden: "Solche Taten treffen uns ins Mark, sie erschüttern unser Vertrauen in Sicherheit." Angst sei eine reale Erfahrung. Doch die Gesellschaft stehe zusammen. Bilz gab zudem seiner Zuversicht Ausdruck: "In Momenten größten Leids wächst oft eine besondere Kraft der Solidarität".
Der Leipziger Superintendent Sebastian Feydt sprach von "einer Welle des Mitgefühls und großen Mutes". Auch er appellierte, "gerade jetzt noch stärker zusammenzustehen, achtsam füreinander da zu sein, zu trösten und zu trauern".
Beide bekundeten tiefes Mitgefühl mit den Opfern, deren Familien und allen Betroffenen. In und an den beiden Innenstadtkirchen St. Nikolai und St. Thomas sollte laut Feydt die Möglichkeit gegeben werden, "zu trauen, Kerzen anzuzünden und die eigenen Gefühle auszudrücken". Für den frühen Dienstagabend ist eine ökumenische Gedenkandacht in der Leipziger Nikolaikirche geplant.
In der Leipziger Innenstadt war am Montagnachmittag ein Auto in eine belebte Fußgängerzone gerast und erfasste mehrere Passanten. Laut Polizei wurden zwei Menschen getötet. Es handelte sich nach Angaben um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann, hieß es. Eine abschließende Aussage zur Anzahl der Verletzten konnte zunächst nicht getroffen werden.
Kein politisches oder religiöses Motiv
Die Staatsanwaltschaft sowie die Polizeidirektion Leipzig ermitteln nach eigenen Angaben gegen einen 33-jährigen Mann unter anderem wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs. Die mutmaßlichen Hintergründe der Tat seien Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen werde nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters ausgegangen, hieß es.
Einsatzkräfte hatten den Fahrer des Tatfahrzeugs nach der Amokfahrt im Bereich des Thomaskirchhofs gestellt. Er wurde vorläufig festgenommen und sollte am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Dahingehend bestehe keine Gefahr mehr für die Bevölkerung, hieß es.
Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort
Der Bischof des katholischen Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmervers, erklärte: Der "schreckliche Vorfall in der Leipziger Innenstadt" mache ihn "tief betroffen und fassungslos". Er stehe mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern vor Ort im Kontakt. "In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken und im Gebet bei den Toten, den Verletzten und allen, die dieses Geschehen miterleben mussten", erklärte der katholische Bischof. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einer "schrecklichen Amokfahrt". Es herrsche "Entsetzen und Trauer zugleich". Schuster bezeichnete den Fahrer des Angriffs als "Amoktäter".




