Bis zu 400 Mal am Tag lachen Kleinkinder, Erwachsene nur etwa 15- bis 20-mal. "Lachen senkt den Blutdruck, baut Stresshormone ab und stärkt das Immunsystem", sagt Michael Titze aus Tuttlingen dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Titze ist Psychologe und Psychotherapeut. Und er ist Experte für therapeutischen Humor, hat unter anderem das Buch "Die heilende Kraft des Lachens" geschrieben.
Lachen ist vergleichbar mit Hochleistungssport. Wenn wir lachen, sind vom Gesicht bis zum Bauch fast 300 verschiedene Muskeln beteiligt. Darunter sind auch die des Tränensacks, was dazu führen kann, dass wir Tränen lachen. Bei einem richtigen Lachanfall pressen die Bauchmuskeln die Luft mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde hinaus.
Lach-Yoga startete in Indien
Seit 60 Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit den positiven Auswirkungen des Lachens. 1964 gründete der US-amerikanische Psychiater William F. Fry in Palo Alto sein Institut für Humorforschung und prägte den Begriff der Gelotologie (vom griechischen "gelos" - Gelächter). Ende der 1990er Jahre entstand in Indien die sogenannte Lach-Yoga-Bewegung.
Der Arzt Madan Kataria wollte damit etwas für die Volksgesundheit tun. Er verband einfache Yoga-Techniken mit Lachübungen und entwickelte daraus eine eigene Methode, die sich zu einer Massenbewegung entwickelt hat. 1998 rief Kataria zudem den Weltlachtag ins Leben, der seitdem jedes Jahr am ersten Sonntag im Mai begangen wird.
Drei Minuten lachen ist wie 15 Minuten joggen
Weltweit gibt es laut Michael Titze heute mehr als 10.000 Lach-Clubs, in denen um der Gesundheit und des Wohlbefindens willen gelacht wird. Hinzu kommen unzählige Anbieter des Lach-Yogas. Einer von ihnen ist Patrick Book aus Reutlingen. "Lachen aktiviert die Muskeln und hilft der Psyche, sich zu regulieren", sagt er. Hinzu kommt die Fitness-Komponente: "Wer drei Minuten von Herzen lacht, erzielt etwa den gleichen Trainingseffekt, wie wenn er 15 Minuten joggen würde."
Aber nicht nur auf das eigene physische Wohlbefinden wirke sich das Lachen aus, sagt Michael Titze, sondern auch auf das gesellschaftliche Miteinander. Wo Menschen lachten, gehe es entspannter zu: "Heitere Menschen sind in der Lage, Alltagsprobleme zu relativieren." Studien hätten zudem gezeigt, dass heitere Menschen häufiger befördert würden, höhere Gehälter bekämen und attraktiver wirkten als griesgrämige Zeitgenossen.
Eine Umfrage der Partnerbörse Parship unter 10.000 Männern und Frauen ergab im Jahr 2021, dass Humor bei der Partnersuche eines der wichtigsten Kriterien ist. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) gaben an, sich einen Partner zu wünschen, der lachen kann - auch über sich selbst. Ein fröhliches Herz ist also nicht nur eine gute Medizin, sondern auch ein Attraktivitätsbooster.




