Mit schöner und für viele Freunde des entschleunigten Fernsehens auch liebgewonnener Regelmäßigkeit hat Bernd Böhlich 15 Jahre lang immer wieder neue Geschichten über den ehemaligen Polizeihauptmeister Horst Krause erzählt. Die Inszenierungen folgten stets dem Motto von Balou, dem gutgelaunten Bären aus dem Dschungelbuch: "Probier’s mal mit Gemütlichkeit". Und warum auch nicht, schließlich befanden sich die Hauptfiguren der Reihe in einer Lebensphase, die sogar jenseits des Durchschnittsalters ihres Publikums lag.
Der Gasthof der Geschwister und das brandenburgische Dörfchen Schönhorst wirken ohnehin, als seien sie von der Moderne vergessen worden. "Krauses Umzug" (TV-Premiere war 2020), das siebte "Abenteuer" mit dem im September 2025 verstorbenen Schauspieler Horst Krause, mutet allerdings, vorsichtig formuliert, noch bodenständiger an als die früheren Produktionen.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Die Handlung beginnt mit einem Abschied. Im letzten Film ("Krauses Hoffnung", 2019), haben Hotti, Elsa (Carmen-Maja Antoni) und Meta (Angelika Böttiger) die alte Heimat der Familie in Pommern besucht. Elsa leidet zwar unter beginnender Demenz, aber an ihre Kindheit konnte sie sich noch gut erinnern; und an einen damaligen Verehrer, mit dem sie nun zu ihren Wurzeln zurückkehrt.
Da die zwischenzeitlich mit ihrem Rudi (Tilo Prückner) nach Köln gezogene Meta nur wegen Elsas Krankheit heimgekommen ist, könnte sie nun wieder ihrem Fernweh frönen, aber Rudi will seinen Schwager nicht allein lassen, denn der hat ein Problem: Die vergleichsweise junge Köchin Paula (Pauline Knof) fühlt sich samt kleinem Sohn im Schoß der Familie zwar sehr wohl, aber ihr fehlt ganz offenkundig ein Mann; ohne sie müsste Krause den Gasthof schließen. Er setzt zwar große Hoffnungen in Bürgermeister Stübner (Boris Aljinovic), der nach Kräften um Paula wirbt, aber selbst das sichere Einkommen des etwas steifen Beamten ist kein Argument für die Köchin. Zum Glück gibt es noch den Lehrer (Steffen Groth) ihres Sohnes; mit Wohlgefallen beobachtet die Familie, wie es zwischen den beiden knistert.
Böhlich hat die Hauptfigur einst für den "Polizeiruf" aus Potsdam erfunden. "Krauses Umzug" ist mit gewohnt viel Bedacht und großer Zuneigung zu den Figuren inszeniert. Selbst die herzerwärmende Natürlichkeit der Mitwirkenden kann jedoch nicht kaschieren, dass die Geschichte diesmal doch recht dünn ist.
Viele Dialoge klingen zudem, als hätte der Autor und Regisseur in letzter Zeit ständig Sonntagsfilme im ZDF gesehen: Es wimmelt nur so von Lebensweisheiten wie "Hör’ auf dein Herz", "Wenn du gehen willst, musst du gehen", "In der Liebe gibt’s keine Grenzen", "Liebe ist Schicksal"; die Figuren bestreiten ganze Gespräche mit solchen Schlagertiteln. Krause und seine Schwester Meta sind zwar einfache Leute, aber so schlicht nun auch wieder nicht. Gerade Angelika Böttiger, die die meisten dieser Sätze zu sagen hat, trägt die Banalitäten allerdings mit großer Würde vor.
"Krauses Umzug" ist ohnehin wie die anderen Brandenburger Geschichten ein Ensemble-Film, zumal die Umsetzung diesmal gerade in der ersten Hälfte recht sparsam wirkt und größtenteils aus Gesprächsszenen besteht; dank der vielen Innenaufnahmen trägt die Tragikomödie Züge eines klassischen Fernsehspiels.
Wie bei einem Fußballspiel mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten schien Böhlich die zunächst vermisste Dynamik dann in der zweiten Hälfte nachholen zu wollen. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, zumindest für die Verhältnisse der "Krause"-Saga, und weil Brandenburg im Herzen Europas liegt, fährt Krause mal eben nach Pommern und Meta, der die Decke auf den Kopf fällt, kurzerhand ohne Rudi nach Budapest, was dem Film einige schöne Nachtaufnahmen der Stadt an der Donau beschert.
Sehr sympathisch ist auch die Erinnerung an Andreas Schmidt, der bis zu seinem Tod 2017 den schrägen Schlunzke verkörpert und diese Rolle auf seine unverwechselbare Art geprägt hat. "Du fehlst", sagt Krause am Grab seines Freundes, und das gilt in jeder Hinsicht: Die Schrullen der Hauptfiguren sind nach sieben Filmen sattsam bekannt. Paula hat zwar den Altersschnitt gesenkt, aber der Gruppe fehlt ein Querdenker wie Schlunzke, und wenn Krause über das moderne Leben lamentiert – "Überall geht’s zu wie bei Hempels unterm Sofa" –, erinnert er allzu sehr an Paul Krüger, den anderen alten Grantler, aus der nach dem Auftakt mit "Krüger aus Almanya" (2015) ebenfalls eine eigene vierteilige ARD-Reihe geworden ist. Immerhin gibt es einen neuen Schlunzke: Krause adoptiert einen treuherzig dreinblickenden Rauhaardackel, der ihm am Grab Schlunzkes begegnet, und gibt ihm den Namen des Freundes.





