USA: Katholische Kirchen über Trump bestürzt

Papst Leo XIV. im Petersdom leitet eine Mahnwache für den Frieden.
Gregorio Borgia/AP/dpa
Nach Attacke auf Papst Leo
USA: Katholische Kirchen über Trump bestürzt
US-Präsident Trump attackiert Papst Leo für dessen klare Worte zum Frieden. Das Kirchenoberhaupt gibt sich unbeeindruckt. Die katholische Bischofskonferenz in den USA indes zeigt sich bestürzt.

Die verbale Attacke von Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. hat in der katholischen Kirche der USA Empörung ausgelöst. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Paul S. Coakley, erklärte am Montag, er sei bestürzt über die "herabwürdigenden Worte" des Präsidenten. Der Papst sei nicht ein Rivale Trumps und auch kein Politiker: "Er ist der Stellvertreter Christi, der aus der Wahrheit des Evangeliums heraus spricht."

Trump hatte Kritik von Papst Leo XIV. an seiner Politik harsch zurückgewiesen. Als Reaktion auf die klaren päpstlichen Friedensappelle auch in Richtung des US-Präsidenten schrieb Trump am Sonntagabend (Ortszeit) auf seinem Netzwerk Truth Social, Papst Leo solle sich darauf konzentrieren, ein guter Papst zu sein und nicht Politiker. Zudem solle er aufhören, die politische Linke zu hofieren. Papst Leo zeigte sich davon unbeeindruckt.

Kurz vor der vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA hatte das katholische Kirchenoberhaupt Trumps Drohungen gegen den Iran in einem überraschend starken Statement als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Während eines Friedensgebets im Petersdom hatte der Papst am Wochenende nachgelegt und vehement zum Frieden aufgerufen, ohne den US-Präsidenten namentlich zu erwähnen. "Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!", forderte Leo am Samstag in Rom.

Trump fühlt sich von Leos Kritik angesprochen

Offenbar fühlte sich der US-Präsident von den Äußerungen des Papstes dennoch angesprochen und attackierte ihn nun auf seiner Online-Plattform. Trump schrieb weiter, ohne ihn wäre Robert Francis Prevost im vergangenen Mai nicht zum Papst gewählt worden. "Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan", behauptete er.

Papst Leo XIV., der am Montag zu einer mehrtägigen Reise nach Nord- und Westafrika aufbrach, sagte laut der italienischen Zeitung "La Repubblica" während des Fluges von Rom nach Algier er zu den mitreisenden Journalisten: "Ich spreche vom Evangelium." Er werde daher "weiterhin lautstark gegen den Krieg sprechen". Der Papst fügte konkret zu Trump hinzu: "Ich habe nicht die Absicht, mich auf eine Debatte mit ihm einzulassen."

Der Vatikanbeamte Antonio Spadaro verteidigte Leo auf der Plattform X. "Wenn sich politische Macht gegen eine moralische Stimme wendet, dann oft deshalb, weil sie diese nicht bändigen kann", schrieb der Staatssekretär auf X. Trumps Angriff sei ein "Eingeständnis von Ohnmacht", schrieb Spadaro. Mit dem Versuch, die Stimme des Papstes zu delegitimieren, werde implizit deren Gewicht anerkannt. "Wäre Leo irrelevant, würde er kein Wort verdienen. Stattdessen wird er herangezogen, genannt, bekämpft - ein Zeichen dafür, dass seine Worte von Bedeutung sind." Spadaro ist seit 2024 Staatssekretär im vatikanischen Dikasterium für Kultur und Bildung.

Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri nannte den Angriff Trumps auf den Papst "inakzeptabel". Die Worte des US-Präsidenten verletzten die Gefühle und das Gewissen der Menschen, schrieb Gualtieri auf X. "Die Stadt Rom, die auf einzigartige Weise mit ihrem Bischof verbunden ist, bekräftigt nachdrücklich die Werte des Respekts, des Dialogs und des Friedens."