evangelisch.de: Ihre Geschichten sind unterhaltsam und zugleich theologisch tief. Würden Sie sagen, dass Ihre Romane eine seelsorgerliche Wirkung haben?
Maria Albers: Ich denke, man könnte schon sagen, dass meine Romane seelsorgerisch wirken können. Ich scheue mich nicht vor schwierigen Themen wie Tod, Trauer oder Krankheit. Leser, die gerade mit einer solchen Situation zu kämpfen haben, können aus meinen Büchern Trost erhalten, da meine Protagonisten erleben, wie Gott ihnen durch Zeiten der Trauer oder Krankheit hilft. Mein neuer Roman, der im September diesen Jahres erscheinen wird, beschäftigt sich ganz besonders mit Leid und Krankheit und wie wir als Christen damit umgehen können. Auch wenn die Geschichte an sich größtenteils fiktiv ist, ist Gottes Liebe und der Halt, den er gibt, eben keine Fiktion, sondern ganz real und auch für meine Leser erfahrbar.
Was können historische Romane, wenn es um moderne Sehnsüchte nach Sinn, Zugehörigkeit und Geborgenheit geht, vielleicht sogar besser als gegenwärtige Literatur?
Maria Albers: Durch meine Recherchen lese ich auch viele Zeitzeugenberichte und Briefe aus alter Zeit. Oft bin ich beeindruckt von dem Gottvertrauen und dem festen Glauben einiger Menschen damals. Meine "Aufbruch nach Afrika"-Reihe beschäftigt sich mit der Geschichte der Hermannsburger Mission, unter anderem den ersten Missionaren, die Ludwig Harms (Anm. d. Red.: Siehe Infokasten am Ende des Interviews) nach Afrika ausgesandt hat. Für diese Leute war das ein Aufbruch ins Ungewisse, doch selbst bei allen Schwierigkeiten haben sie immer auf Gott vertraut. Ohne wirtschaftliche Absicherung haben sie in Afrika einen Neuanfang gewagt und hatten dabei immer die Gewissheit, dass Gott sie versorgen wird. Ihre Glaubenszuversicht bewundere ich sehr.
Von diesen Missionaren und Auswanderern können wir so viel lernen und dieser reale Hintergrund, den viele historische Romane haben, bereichert die jeweilige Geschichte und gibt ihr auch eine Glaubwürdigkeit, die einigen Romanen mit einem gegenwärtigen Setting vielleicht fehlt.
Gibt es eine Rückmeldung, die Sie persönlich besonders berührt oder Ihre Sicht auf das Schreiben verändert hat?
Maria Albers: Jede Rückmeldung berührt mich, da der eigene Roman auch immer etwas ganz Persönliches ist. Die vielen positiven und teilweise überschwänglichen Rezensionen zu "Halt in der Brandung" haben mich sehr bewegt und mich in meinem Schreiben gestärkt. Selbst wenn man einen Roman geschrieben hat, bleibt doch immer auch eine gewisse Unsicherheit, ob dieser überhaupt gelungen ist und wie er ankommen wird.
Viele junge Menschen empfinden Kirche als weit weg von ihrem Alltag. Wie können Sie mit Ihren Romanen neue Zugänge zum Glauben schaffen?
Maria Albers: Die meisten meiner Leser sind bereits Christen, doch ich hoffe natürlich auch, dass meine Romane ebenso kirchenferne Menschen erreichen. Das Lesen eines christlichen Romans kann ihre Sicht auf den Glauben verändern und sie hoffentlich zu Christus hinziehen und zum Suchen einer Gemeinde bewegen.
"Christlicher Glaube und Kirche können fester Bestandteil des Alltags sein"
Mein Roman "Halt in der Brandung" zum Beispiel zeigt (bei den Missionaren auf dem Schiff), dass christlicher Glaube und Kirche fester Bestandteil des Alltags sein können und dass im Glauben verwurzelte Menschen mit Gottes Hilfe Krisen bewältigen können.
Was ist Ihrer Erfahrung nach leichter in Romanform zu vermitteln als in einer Predigt?
Maria Albers: Ich denke, dass man in einem Roman die gleichen Glaubensinhalte vermitteln kann wie in einer Predigt oder Andacht. Durch die andere Form aber kann man dies auf einer emotionalen Ebene tun. Die Leser fühlen mit, was meine Protagonisten empfinden, und können so mehr Anteil an ihren Glaubenskämpfen und -zweifeln nehmen.
Welche inneren Themen kehren in Ihren Figuren besonders oft wieder, und warum beschäftigen Sie diese Fragen so?
Maria Albers: Wiederkehrende Themen sind bei mir Schuld und Vergebung. Darum kreist auch der ganze christliche Glaube. Darum, dass wir immer wieder vor Gott sündigen und seine befreiende Vergebung brauchen. Von Gottes großer Liebe und seiner Vergebung in Christus sollte jeder Mensch erfahren und ich wünsche mir, dass ich diese Botschaft auch durch meine Bücher weitergeben kann.
"Ich würde auf solche Kommentare antworten, dass sie anfangen sollten, christliche Romane zu lesen und sich erst dann eine Meinung dazu bilden sollten"
Wie gelingt es Ihnen, diese Themen ehrlich darzustellen, ohne in fromme Floskeln oder "heile Welt"-Klischees abzurutschen?
Maria Albers: Meine Hauptthemen Schuld vor Gott und Vergebung durch Christus zeigen, dass die Welt gerade nicht "heil" ist. Ich versuche, meine Protagonisten und Geschichten so realistisch und realitätsnah wie möglich darzustellen, weshalb in meinen Romanen auch mal schlimme Dinge passieren oder meine Protagonisten Fehler machen. Doch am Ende geht es immer um den Weg hin zu Gott, weil uns der Glaube in dieser gefallenen Welt trägt.
Christliche Romane haben manchmal mit dem Vorurteil zu kämpfen, kitschig oder altbacken zu sein. Was antworten Sie Menschen, die so über das Genre denken?
Christliche Romane sind sehr vielfältig und natürlich gibt es auch Liebesromane, die viele als "kitschig" bezeichnen würden (aber auch diese Romane haben ihre Berechtigung auf dem Buchmarkt). Ich würde auf solche Kommentare antworten, dass sie anfangen sollten, christliche Romane zu lesen — und zwar von vielen verschiedenen Schriftstellern und aus verschiedenen Untergenres — und sich erst dann eine Meinung dazu bilden sollten.
Wie versuchen Sie konkret in Figuren, Sprache und Plot Glaubensthemen frisch, glaubwürdig und für heutige Leser:innen relevant zu machen?
Maria Albers: Ich denke, dass der christliche Glaube immer relevant ist — gerade in so unsicheren Zeiten wie den heutigen. Auch ältere Romane, die Glaubensthemen behandeln, bleiben daher weiterhin relevant.
"Genau so wichtig wie eine tiefere Botschaft in einem Roman ist auch eine spannende Geschichte und fesselnde Charaktere"
Heutzutage versucht man aber christliche Thematiken etwas subtiler einzubauen, als es früher vielleicht der Fall war. Genau so wichtig wie eine tiefere Botschaft in einem Roman ist auch eine spannende Geschichte und fesselnde Charaktere. Daher versuche ich, die Glaubensthemen immer eng mit dem Plot und somit auch der Charakterentwicklung meiner Hauptperson zu verweben. Christliche Romane, in denen der Glaube losgelöst von der Handlung wirkt, empfinde ich als nicht sehr gelungen. So haben zum Beispiel Ereignisse in der Handlung (bei "Halt in der Brandung" zum Beispiel ein Sturm in der Bucht vor Kapstadt) direkten Einfluss auf die Entwicklung meiner Protagonistin Emilie und ihren Glaubensweg.
Sie leben als deutsche Familie in Südafrika. Was hat Sie und Ihren Mann dazu bewogen, dorthin zu gehen und wie sah dieser Weg ganz praktisch aus?
Maria Albers: Mein Mann ist ein Nachfahre der deutschen Missionare, über die ich in meinen Romanen schreibe. Viele ihrer Nachkommen haben sich bis heute ihre deutsche Sprache und Kultur bewahrt. Mein Mann ist also in Südafrika in einem deutsch geprägten Kontext aufgewachsen. Zum Studium ging er nach Deutschland, wo er mich kennenlernte, doch er wollte immer zurück in seine Heimat ziehen. 2018 sind wir dann gemeinsam nach Südafrika gezogen.
"Lebensfreude wird hier größer geschrieben als Produktivität und Effizienz"
Was hat Sie in den ersten Monaten in Südafrika am meisten überrascht, im Alltag, in der Kultur, vielleicht auch im Blick auf den Glauben?
Maria Albers: Das Leben in Südafrika ist sehr verschieden zum Leben in Deutschland. Viele verschiedene Kulturen leben im gleichen Land und man muss akzeptieren, dass einige Dinge hier eben anders gemacht werden. Mein Mann hatte mir vor unserem Umzug natürlich schon viel von Südafrika erzählt und einmal hatten wir seine Familie hier auch gemeinsam besucht, sodass ich eine ungefähre Vorstellung davon hatte, worauf ich mich einließ.
Es gibt hier eine höhere Kriminalität, kaum öffentliche Verkehrsmittel und bürokratische Verhältnisse, über die man manchmal nur den Kopf schütteln kann. Aber gleichzeitig gibt es hier auch eine viel herzlichere und gastfreundlichere Kultur als in Deutschland. Lebensfreude wird hier größer geschrieben als Produktivität und Effizienz.
Aus welcher kirchlichen Tradition kommen Sie, und welcher Kirche oder Gemeinde gehören Sie heute in Südafrika an?
Maria Albers: Ich bin in einer konfessionell lutherischen Kirche aufgewachsen und bin nun auch in Südafrika Glied einer konfessionell-lutherischen Kirche, der FELSISA (Freie Evangelisch Lutherische Synode in Südafrika).
Was unterscheidet das kirchliche Leben in Südafrika, Gottesdienste und Gemeinschaft, am stärksten von dem, was Sie aus Deutschland kennen?
Maria Albers: Der größte Unterschied zu meinem kirchlichen Leben in Deutschland besteht in der Sprache, da wir zurzeit in einer englischsprachigen Gemeinde sind. Innerhalb der FELSISA gibt es aber auch noch viele deutschsprachige Gemeinden, da sie aus der Hermannsburger Mission hervorgegangen ist, über die ich in meinen Romanen schreibe. Der Ablauf des Gottesdienstes unterscheidet sich kaum zu Deutschland, da beide Kirchen der gleichen Konfession angehören.
"Der Alltag ist stark von Kirche und Glauben geprägt"
In dem Ort, in dem ich lebe, ist die Gemeinschaft innerhalb der Kirche auch sehr stark, was ich in Deutschland so nicht erlebt habe. Mehr als sonntags nur gemeinsam Gottesdienst zu feiern, ist Kirche hier auch ein Ort, wo Freundschaften und Beziehungen gepflegt werden. Der Alltag ist stark von Kirche und Glauben geprägt.
Inwiefern prägt diese südafrikanische Perspektive Ihren Glauben und damit auch Ihre Geschichten?
Maria Albers: Seitdem ich nach Südafrika ausgewandert bin, hat sich mein Glaube gefestigt und ich habe mehr und mehr erkannt, was im Leben wirklich wichtig ist. Deshalb ist es mir auch ein Anliegen, dass dieser Glaube sich in meinen Romanen wiederfindet.
In einem Entwicklungsland wird einem zudem tagtäglich vor Augen geführt, dass es weniger privilegierte Menschen gibt, die trotz ihrer Armut ein recht glückliches Leben führen. Das weckt Zufriedenheit und Dankbarkeit für das, womit Gott mich segnet.
Weitere Informationen über die bisher erschienenen Bücher von Maria Albers finden Sie auf der Website des Verlages Francke.
Georg Ludwig Detlef Theodor Harms (* 5. Mai 1808 in Walsrode; † 14. November 1865 in Hermannsburg) war ein deutscher evangelischer Theologe. Er gilt als der "Erwecker der Heide". Als einer der bedeutendsten christlichen Erweckungsprediger des 19. Jahrhunderts machte er Hermannsburg in der Lüneburger Heide, wo er 1849 ein Missionshaus (Hermannsburger Mission) gründete, zum bedeutendsten Zentrum der Erweckungsbewegung in Niedersachsen. Quelle: Wikipedia



