TV-Tipp: "Das dunkle Vermächtnis"

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14. März, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Das dunkle Vermächtnis"
Seine Faszination verdankt das Drehbuch von Thomas Sieben der ältesten bekannten, konkreten Darstellung von Sonne, Mond und Sternen. Es bildet das Epizentrum sämtlicher Vorfälle, die sich ein Vierteljahrhundert nach dem Fund der Scheibe ereignen, darunter zwei Morde.

Unter anderen Umständen würde der Film mit dem Hinweis "Nach wahren Begebenheiten" beginnen, aber das wäre in diesem Fall nicht angebracht: Wahr ist nur die Himmelsscheibe von Nebra, der Rest ist frei erfunden. "Das dunkle Vermächtnis" ist eine fesselnde Mischung aus Krimi, Drama und Tragödie, die sich gegen Ende gar zum Psychothriller wandelt. Es geht um Abgründe im ganz konkreten wie auch im übertragenen Sinn. Seine Faszination verdankt das Drehbuch von Thomas Sieben jedoch dem rund viertausend Jahre alten Artefakt aus der Bronzezeit. Die älteste bekannte konkrete Darstellung von Sonne, Mond und Sternen bildet das Epizentrum sämtlicher Vorfälle, die sich ein Vierteljahrhundert nach dem Fund der Scheibe ereignen, darunter zwei Morde.

Die erste Tat setzt ein klassisches Muster in Gang: Die renommierte Fotografin Kim Wenrich kehrt unfreiwillig nach vielen Jahren in ihre alte Heimat zurück, wo sie sich einem düsteren Geheimnis stellen muss. Angeblich liegt ein Fluch auf dem Relikt, das vor 25 Jahren von zwei Freunden aufgespürt worden ist. Arko Haumann und Paul Wenrich waren passionierte Schatzsucher, bis sie mit Hilfe ihrer Metalldetektoren eines Tages die Beute ihres Lebens machten. Die Männer gelten als die Entdecker, doch geborgen wurde die Kostbarkeit von Wenrichs kleiner Tochter Kim, denn nur sie passte durch den schmalen Spalt zwischen zwei Felsblöcken.

Die Sensation brachte den Freunden jedoch kein Glück. In allen Bundesländern gilt das sogenannte Schatzregal. Die Vorschrift besagt, dass sämtliche Bodenfunde automatisch Eigentum des Landes sind. Wie ihre authentischen Vorbilder haben die beiden fiktiven Sondengänger die Scheibe verkauft und sich daher strafbar gemacht. Damals zerbrach auch ihre Freundschaft. Der Fluch scheint sich zu bestätigen, als Haumann mit zwölf Messerstichen erstochen wird; ein klarer Fall von "Übertötung", wie Kommissar Ritter (Torben Liebrecht) feststellt.

Der Hauptverdächtige drängt sich förmlich auf: Wenrich (Elmar Gutmann) hat auf dem Anrufbeantworter des Opfers eine unmissverständliche die Nachricht hinterlassen ("… und wenn ich dich totschlagen muss!"). Anlässlich des Jubiläums kehrt die sonst im Landesmuseum Halle beheimatete Himmelscheibe vorübergehend nach Nebra zurück. Haumann hatte angekündigt, zur Eröffnung der Ausstellung einen Vortrag zu halten, in dem er die Wahrheit über die Ereignisse rund um den Fund erzählen wollte.

Natürlich bezieht der Film seine Spannung auch und vor allem aus der Frage, was sich damals wirklich im Wald zugetragen hat. Haumann hatte offenbar vor, den Pakt zu brechen, den die beiden Männer geschlossen haben; das war sein Todesurteil. Ginge es nicht um die Himmelsscheibe, wäre "Das dunkle Vermächtnis" dennoch über weite Strecken ein ganz normaler Krimi. Sieben hat seine Drehbücher, darunter der Horrorthriller "Prey" (Netflix, 2021), überwiegend selbst verfilmt. Hier hat er die Regie Ziska Riemann überlassen, wohl auch, weil er zur gleichen Zeit einen sehenswerten "Tatort" aus Dresden gedreht hat ("Siebenschläfer", 2025).

Die Kollegin hat wie schon bei ihren meist ähnlich spannungsarmen Beiträgen zu Krimireihen wie "Stralsund", "Unter anderen Umständen" (beide ZDF) und "Dünentod" (RTL) weitgehend auf typische Thriller-Effekte verzichtet. Zu den wenigen Ausnahmen gehört ein Moment, der wie eine Reminiszenz an die Schlussszene von "Basic Instinct" wirkt. Ansonsten scheint die Regisseurin jedoch in erster Linie an einer schlüssigen Zeichnung der Charaktere interessiert zu sein.

Dass der Film trotzdem fesselt, liegt weniger an dem übertrieben vielen Dunst, mit dem Kameramann Aljoscha Hennig fast alle Innenaufnahmen schmückt, sondern an der Hauptfigur: Heimkehrerin Kim verliert zunehmend die Kontrolle über ihre Wahrnehmungen und hat immer wieder Visionen eines kleinen Mädchens. Eine ebenfalls in die Ereignisse verwickelte Blumenhändlerin (Barbara Philipp) versichert ihr, mit der Scheibe kehrten "Unglück und Tod" nach Nebra zurück; eine Prophezeiung ihres eigenen Schicksals.

Ansonsten lebt "Das dunkle Vermächtnis" jedoch vom authentischen Rahmen. Riemann durfte unter anderem im Museum Arche Nebra drehen; dessen Direktorin (Neda Rahmanian) will Kim überreden, für den toten Haumann als Rednerin einzuspringen. Ritter sähe es jedoch lieber, wenn sie wieder nach Hamburg führe. Er fürchtet um ihr Leben und übersieht dabei die Gefahr, in der er selber schwebt. Einzig Kim sträubt sich dagegen, an den Fluch zu glauben: "Das Böse steckt am Ende immer in uns"; eine düstere Vorahnung, die schließlich bittere Wirklichkeit wird.