TV-Tipp: "Holy Days"

Fernseher vor gelbem Hintergrund
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5. April, ARD, 15.30 Uhr:
TV-Tipp: "Holy Days"
Auch ohne fundierte Bibelkenntnisse ahnen die meisten Menschen, dass der Osterhase in der Passionsgeschichte keine größere Rolle gespielt hat; von bunt bemalten Eiern, die versteckt werden, ganz zu schweigen. Heutzutage ist es genau andersrum.

Heutzutage ist das eigentliche Osterereignis ist in den Hintergrund getreten; nur noch Wenige gedenken beim Osterbraten der Auferstehung Christi. Grund genug für einen Herrn namens Gabriel Engel, der aber vielleicht auch Engel Gabriel heißen könnte, die Erinnerung aufzufrischen. Stellvertretend fürs Publikum nimmt er Oliver Mommsen auf eine Reise mit, die sowohl den Raum wie auch die Zeit durchquert. Der Schauspieler erzählt, als Kinder habe er Ostern geliebt, doch irgendwann habe das Fest für ihn seine Bedeutung verloren. Also bekommt er nun die passende Nachhilfe, die aber in keiner Weise didaktisch ausfällt, sondern im Gegenteil sehr vergnüglich ist; die Lerneffekte ergeben sich quasi nebenbei.

Mit Mommsen haben die Verantwortlichen eine ausgezeichnete Wahl getroffen, und das keineswegs nur aufgrund seiner Beliebtheit. Der frühere "Tatort"-Kommissar, derzeit unter anderem Hauptdarsteller der ARD-Freitagsreihen "Schule am Meer" und "Mord oder Watt?", hat eine sehr sympathische positive Ausstrahlung und erweckt den Eindruck, als sei er für jeden Spaß zu haben. Außerdem ist er ein kluger Kopf; beste Voraussetzungen also für ein Abenteuer, in dessen Verlauf er lauter Überraschungen erlebt, weil er keine Ahnung hat, womit Gabriel (Nicolai Tegeler) ihn konfrontieren wird.

Dass die bloß knapp dreißig Minuten kurze, aber nicht nur deshalb äußerst kurzweilige Reportage keine reine Bibelstunde wird, verdeutlicht bereits die erste Station der Ostertour, als der Transporter, mit dem das Duo durch Deutschland fährt, von einem mannsgroßen Osterhasen auf dem Motorroller überholt wird: Dieter Melzer aus Hirschfeld im brandenburgischen Elbe-Elster Kreis ist nach allgemeiner Lesart der dienstälteste Osterhase Deutschlands. Die Tradition gibt es bereits seit 75 Jahren, er selbst ist mit seinem Roller plus Anhänger bereits seit 1968 unterwegs. Mit Mommsen auf dem Sozius besucht er die geriatrische Abteilung sowie die Kinderstation eines Krankenhauses, wo sie Ostereier und kleine Hasen verteilen. Zwischendurch gibt’s die Information, dass die Eier für Fruchtbarkeit und Lebenskraft stehen; ein heidnischer Brauch, den das Christentum irgendwann kurzerhand in die österlichen Traditionen integriert hat.

Aber Ostern ist natürlich mehr, und deshalb setzt sich Mommsen während der Fahrt immer wieder mal eine Brille auf, die in ihn eine virtuelle Realität eintauchen lässt. Die täuschend echten Bilder sind mit Hilfe künstlicher Intelligenz und digital erzeugt worden; ohne einen entsprechenden Hinweis wäre das zumindest für ungeübte Augen nicht zu erkennen. Die Szenen basieren auf dem Markus-Evangelium. Am Anfang des ersten Exkurses steht der Judas-Kuss, am Ende die Kreuzigung. Ostern, erläutert Gabriel, "beginnt nicht mit einem Brunch, sondern mit einer Hinrichtung." Es sei eines der Geheimnisse des christlichen Glaubens, dass aus einer "Leidensgeschichte ein Fest des Lebens" geworden sei. Mommsen sagt, er habe zwar gewisse Probleme, sich die göttliche Dreifaltigkeit vorzustellen, aber diese Ereignisse berührten auch all’ jene, die nicht gläubig seien.

Lautstarker Kontrapunkt zum Film ist die nächste Station in Ostwestfalen. Hier geht es um eine über hundert Jahre alte Sitte, deren österlicher Bezug rein zeitlicher Natur ist: Mit großem Getöse verabschieden die Einheimischen den Winter, indem sie Milchkannen in kleine Kanonen verwandeln und den Deckel wegschießen; Mommsen darf mit geradezu kindlicher Freude ebenfalls aktiv werden.

Weil Gabriel neben allerlei Krimskrams in seinem Bus auch Ostereier mitführt, befolgen die beiden anschließend einen Brauch, den man im Rheinland "köppen" nennt: Die hartgekochten Eier werden gegeneinander gestoßen; das heilgebliebene Ei gewinnt. Mit viel Fantasie ließe sich darin ein Symbol für die Auferstehung sehen, und wie aufs Stichwort folgt die nächste Einspielung, als Maria Magdalena ein leeres Grab vorfindet und kurz drauf Jesus begegnet. "Wenn der Tod nicht das letzte Wort hat, sieht man das Leben mit anderen Augen", heißt es im Filmkommentar, und Gabriel will von seinem Beifahrer wissen, ob der an ein Leben nach dem Tod glaubt. Im Hier und Jetzt muss sich Mommsen jedoch erst mal als Schafhirte bewiesen. Das Schlusswort hat der Engel: "Feiertage sind wie Wegweiser. Man kann an ihnen vorbeifahren oder kurz anhalten und schauen, wohin sei einen führen könnten." Weitere Folgen mit dann anderen Prominenten gibt’s an Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Weihnachten.