TV-Tipp: "Praxis mit Meerblick: Willkommen zuhause"

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10. April, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Praxis mit Meerblick: Willkommen zuhause"
Früher, als sich die Zahl der Fernsehsender an einer Hand abzählen ließ, hätte das Ereignis tagelang für Gesprächsstoff gesorgt, weil "Praxis mit Meerblick" regelmäßig viele Menschen Millionen fasziniert hätte: Fünf Minuten vor dem Ja-Wort gesteht der Bräutigam einen Seitensprung, die Hochzeit platzt und somit auch alle Träume der am Boden zerstörten Braut. Die erste von sechs neuen Folgen aus der Praxis, startet mit der Rückkehr von Nora.

Heutzutage bieten allein ARD und ZDF über ein Dutzend Programme an, von den Privatsendern und Streamingdiensten ganz zu schweigen; deshalb ist die 2017 gestartete Reihe mit Tanja Wedhorn als Ärztin auf Rügen nur eine von vielen. Allerdings gelingt es den Autorinnen und Autoren immer wieder sehr plausibel, die privaten Erlebnisse von Nora Kaminski mit medizinischen Herausforderungen zu verknüpfen. Natürlich haben sie dieses Erzählschema nicht erfunden, aber hier ist es auf fast schon protoypische Weise umgesetzt.

"Willkommen zuhause", Episode Nummer 27 und erster von gleich sechs neuen Filmen, beginnt mit Noras Heimkehr: Nach dem traumatischen Erlebnis hat sie sich mit ihrem Fahrrad (leider offenbar wie immer ohne Helm) eine mehrwöchige Auszeit in Norwegen genommen.

Begrüßt wird sie allerdings, als sei sie ein Jahr weg gewesen, was aus Sicht des Publikums ja auch stimmt; die ARD hat das Drama "Romeo & Julia" im Mai 2025 gezeigt. Nora hat einen leicht veränderten Look und kommt mit strahlendem Lächeln zurück. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern, weil Anja Flade-Kruse in ihrem insgesamt achten Drehbuch für die Reihe erst mal eine Weile vergehen lässt, bis sie die Ärztin mit ihrer großen Liebe konfrontiert.

Dies ist dann der vorerst letzte Auftritt von Bernhard Piesk. Architekt Max überlegt, zu seiner Tochter nach Neuseeland zu ziehen, was sich aus Sicht von Menschen, die keine "Medical" verpassen, als verblüffende Koinzidenz entpuppt: In der kürzlich gestarteten ZDF-Reihe "Die Maiwald" spielt Piesk einen Bauernsohn aus dem Salzburgerland, der vor Jahren als Schafzüchter nach Neuseeland ausgewandert ist.

Abgesehen von der schmerzlichen Begegnung mit dem Ex steht Nora vor einem Neubeginn, zumindest hinsichtlich ihrer Bleibe. Sie hatte zuletzt bei Max gewohnt, will nicht in das alte Zimmer im Haus ihrer mütterlichen Freundin Roswitha (Petra Kelling) zurück und richtet sich vorerst auf der Segelyacht von Ex-Mann Peer (Dirk Borchardt) ein. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihr ohnehin nicht, denn erneut erfordert ein spezieller Fall ihre ganze Aufmerksamkeit.

Auf dieser Ebene befasst sich Flade-Kruse wie gewohnt mit einem relevanten Thema, das viele Frauen umtreibt: Die Umgebung, hier repräsentiert von Uta (Kirsten Block), der ziemlich übergriffigen zukünftigen Schwiegermutter, bedrängt sie mit der Frage, wann sie endlich schwanger werde; sie selbst jedoch haben andere Pläne, was nicht nur bei Uta auf derart viel Unverständnis stößt, dass sich Pia fragt, ob sie womöglich "nicht normal" sei. Im Mittelpunkt der Handlung steht zunächst jedoch ein medizinischer Notfall: Gleich am ersten Tag des gemeinsamen Camping-Urlaubs mit ihrem Freund Johannes (Julius Forster) bricht sich Pia (Klara Deutschmann) bei einem harmlosen Sturz den Arm. Als sie später erst unter Übelkeit leidet und dann mit erheblichen Schmerzen kollabiert, ahnt Nora, dass Knochenbruch und Nierenversagen eine lebensgefährliche Ursache haben könnten.

Doch das ist nur die physische Ebene der Geschichte. Die psychische macht Pia nicht minder zu schaffen. Für Johannes besteht das vollkommene Glück nicht in Zwei-, sondern Dreisamkeit. Die beiden passen ansonsten perfekt zusammen, aber als Pia ihm gesteht, dass sie "in diese Welt keine Kinder setzen" will, ist das für ihn unwiederbringlich das Aus der Beziehung; jetzt ist Nora nicht nur als "beste Ärztin der Insel", sondern auch als kluge Lebensberaterin gefragt. Für heitere Momente sorgen ihre regelmäßigen Beinahezusammenstöße mir Tierarzt Mandel (Marco Girnth), der seit Episode Nummer 25 mitwirkt und als "Berufsjugendlicher" ständig recht riskant mit dem Skateboard unterwegs ist, sowie der Plan des ärztlichen Klinikleiters Heckmann (Patrick Heyn), ein Beachvolleyball-Turnier für einen "Charity"-Zweck zu veranstalten: Der Erlös soll der Kinderkrankenstation zu Gute kommen.

Regie führte Franziska Hörisch, sie gehört ebenso wie Flade-Kruse hinter der Kamera schon lange zur "Praxis"-Familie, weshalb die Filme immer wie aus einem Guss wirken. Ein weiteres Markenzeichen der Reihe ist die diesmal ausgesprochen muntere Musik von Jan Janssons. Darstellerisch bewegt sich die Reihe ohnehin auf hohem Niveau.