Ostermärsche: Worum geht es dieses Jahr?

Friedenstaube auf blauer Flagge
Frank Hammerschmidt/dpa
Die Friedenstaube darf bei den Ostermärschen nicht fehlen.
Proteste für den Frieden
Ostermärsche: Worum geht es dieses Jahr?
Seit fast 70 Jahren demonstrieren in der Bundesrepublik zu Ostern viele Menschen für den Frieden. Auch 2026 sind rund 100 Aktionen geplant. Im Mittelpunkt der Proteste stehen dieses Jahr ganz konkrete Anliegen.

Die Ostermärsche von Friedensaktivisten stehen in diesem Jahr unter dem Eindruck der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Zahlreiche Organisationen fordern von der Bundesregierung diplomatische Initiativen zur Beendigung dieser Kriege, eine Stärkung des Völkerrechts und mehr Einsatz für die Leidtragenden der Kriege. Bundesweit sind nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in Bonn am Osterwochenende in rund 100 Städten Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen angekündigt.

Scharfe Kritik üben Aktivisten in den Ostermarsch-Aufrufen an einer "selektiven Auslegung des Völkerrechts" durch die Bundesregierung. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sei ebenso ein Verstoß gegen das Völkerrecht wie die Angriffe der USA und Israels gegen Iran oder der Angriff der USA auf Venezuela zu Jahresbeginn. Auch die Aufrüstung Deutschlands wird von den Ostermarschierern angeprangert. Ein weiteres zentrales Thema ist den Angaben zufolge die Ablehnung der Wehrpflicht.

In der Bundesrepublik führte der erste Ostermarsch 1960 mit rund 1.500 Teilnehmern zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide. Dort hatte die Nato Raketen stationiert, die auch Atomsprengköpfe aufnehmen konnten. Beflügelt auch von den Protesten der Studierenden, hatten die Ostermarschierer in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre enormen Zulauf. 1967 beteiligten sich 150.000 Demonstranten an Oster-Aktionen in mehr als 200 Städten, ein Jahr später waren es doppelt so viele.

Eine Renaissance erfuhren die Ostermärsche um 1980 mit der Debatte über die Aufrüstung der Nato mit atomaren Mittelstreckenwaffen. Zehntausende versammelten sich damals an den geplanten Standorten für Cruise Missiles und Pershing-II-Raketen. Die Kriege in Jugoslawien und im Irak mobilisierten in den 1990er und 2000er Jahren noch einmal zahlreiche Menschen.