Janis und Christel wollen ihre überschaubare Rente aufbessern und das Jugendzimmer des längst ausgezogenen Sohnes an Wochenendgäste vermieten, aber dafür müssen erst mal die alten Möbel raus; kein Problem, dafür gibt’s ja den Sperrmüll. Die beiden Männer von der Stadtreinigung behaupten jedoch, dass die Matratze "hochgiftiges Gefahrengut" enthalte und daher als Sondermüll entsorgt werden muss. Das kostet natürlich extra, und zwar nicht zu knapp: Anstelle der üblichen 50 Euro werden 800 Euro fällig; zuzüglich Mehrwertsteuer.
Der Auftritt der angeblichen Mitarbeiter der Stadtreinigung ist ebenso täuschend echt wie ihre Website. Als sie Janis wegen dessen vermeintlich falscher Angaben mit Polizei und Umweltamt drohen, gibt er klein bei und besorgt das Geld beim nächsten Bankautomaten. Er kann ja nicht ahnen, dass die Ganoven ihre Fuhre anschließend kostenlos beim Recyclinghof abliefern.
Anders als zuletzt, als sich Müllmann Werner Träsch (Uwe Ochsenknecht) und seine Kollegen Tarik und Motte (Aram Arami, Marc Oliver Schulze) für ein autonomes Zentrum engagierten, ist die Inszenierung (hier wie dort Christiane Balthasar) diesmal deutlich betulicher, was vor allem an den Szenen mit dem alten Ehepaar liegt: Zu allem Überfluss kriegen Janis und Christel (Jürgen Haug, Eva Weißenborn) auch noch Krach mit ihrem schon vor Jahren nach Stuttgart gezogenen Sohn Martin (Patrick Güldenberg), der die Eltern zu sich in die schwäbische Landeshauptstadt holen will.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Er hat sogar schon über ihre Köpfe hinweg einen Platz in einer Seniorenresidenz reserviert. Die beiden sehen zwar ein, dass sie mit Mitte siebzig nicht mehr allen Herausforderungen des Alltags gewachsen sind, fühlen sich aber durch Martins Initiative entmündigt. Ihren Kiez wollen sie ohnehin auf keinen Fall verlassen. Wie die Autorin für dieses Dilemma eine Lösung findet, die gleich noch einen zweiten Handlungsstrang zu einem guten Ende führt, ist geradezu herzerwärmend: Dritte Gastfigur ist die junge Nichte von Werners Kollege Specki (Frank Kessler).
Lisa (Katharina Hirschberg) besucht ihren Onkel, weil sie in Berlin auf gute Geschichten und tolle Bilder für ihren Online-Kanal ("Mode, Party, Lifestyle") hofft. Sie träumt von einer Karriere als Influencerin, hat bislang allerdings erst wenige hundert Follower. Die Arbeit bei der Müllabfuhr ist jetzt nicht gerade das, was sich eine junge Frau unter einem aufregenden Alltag vorstellt, doch der Skandal mit der Sperrmüllabzocke hat immerhin "True Crime"-Potenzial. Wider Erwarten ergibt sich sogar ein Betätigungsfeld, das in der Tat mit Müll zu tun hat. 2003 prägte der damalige Bürgermeister Klaus Wowereit den pfiffigen Slogan "Arm, aber sexy".
Heute ist Berlin immer noch arm, aber vor allem dreckig. Jeden Tag, so heißt es zumindest im Film, werden tausend illegale "Ablagerungen" gemeldet, weil die Leute ihren Sperrmüll unangemeldet einfach auf die Straße stellen; die Müllabfuhr muss Sonderschichten fahren, um den Krempel einzusammeln. Lisa entpuppt sich als perfekte Ergänzung für den ebenso eifrigen wie peniblen Disponenten Gerald (Martin Glade).
Natürlich wollen die Müllmänner etwas dagegen unternehmen, dass die Ganoven unter falscher Flagge segeln. Gegen Ende kommt daher sogar ein bisschen Spannung auf, als sie den Betrügern mit Hilfe des längst in Rente gegangenen Ex-Kollegen Kowalski (Axel Werner) eine Falle stellen, die Gauner jedoch bereits deutlich vor dem vereinbarten Zeitpunkt auftauchen. Davon abgesehen sorgen vor allem die Szenen mit Katharina Hirschberg als unternehmungslustige Lisa für frischen Wind.
Im Gegensatz zu Gernot Gricksch, der die Mehrzahl der letzten Filme geschrieben hat, ist es Clemens und Balthasar allerdings nicht gelungen, die verschiedenen Stränge zu einem stringenten Handlungsfluss zu kombinieren. "Miese Abzocke" wirkt im Gegenteil sehr episodisch, weil zum Beispiel die Ebene mit Tarik und Werners Tochter, die wieder zueinander finden, losgelöst nebenher läuft. Interessant ist sie trotzdem, und das nicht nur wegen der neuerlichen Romanze: Zeitungsredakteurin Annika (Laura Luisa Garde) wird das Opfer von Sparmaßnahmen und muss bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber leidvoll erfahren, dass gerade der Online-Journalismus nach Kriterien funktioniert, die nicht mehr viel mit alter Schule zu tun haben.



