Im vergangenen Jahr war der humanitäre Hilfsplan für den Sudan nur zu 40 Prozent finanziert, knapp 2,2 Milliarden Euro fehlten. Millionen Menschen konnten keine Hilfe erhalten. Die Aussichten bleiben angesichts von Haushaltskürzungen in vielen Geberländern düster, berichtet die Evangelische Kirche in Deutschland in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Diakonie Katastrophenhilfe.
Auf der Sudan-Konferenz in Berlin, zu der die Bundesregierung anlässlich des 3. Jahrestags des Krieges geladen hat, wollen EKD und Diakonie nun ein wichtiges Zeichen setzen. Sie fordern, dass die Geberländer die Hilfsprogramme für den Sudan finanziell stärker unterstützen, um die enorme Finanzierungslücke zu schließen.
Auch Deutschland habe seit 2025 die Mittel für weltweite humanitäre Hilfe mehr als halbiert, bemängeln EKD und Diakonie. "Unsere Welt ist von Kriegen gezeichnet, während konkrete Solidarität in Form von humanitärer Hilfe politisch an Bedeutung verliert. Im Sudan sind mehr als 33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen", erklärt Dagmar Pruin, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe.
Nach ihrem Volontariat in der Pressestelle der Aktion Mensch arbeitete Alexandra Barone als freie Redakteurin für Radio- und Print-Medien und als Kreativautorin für die Unternehmensberatung Deloitte. Aus Rom berichtete sie als Auslandskorrespondentin für Associated Press und für verschiedene deutsche Radiosender. Seit Januar 2024 ist sie als Redakteurin vom Dienst für evangelisch.de tätig.
"Stärke zeigt sich darin, den Schwächsten beizustehen"
Es brauche nun eine internationale Kraftanstrengung, um der derzeit größten humanitären Katastrophe wirksam zu begegnen. Sonst würden viele Menschen, die schon heute akut hungern, ein viertes Kriegsjahr nicht überleben. Stärke zeige sich darin, den Schwächsten beizustehen. "Die Sudan-Konferenz muss zum Ausdruck dieser Stärke werden." Innerhalb des Sudans sind mehr als neun Millionen Menschen vertrieben worden. 4,5 Millionen Menschen haben vor allem in den Nachbarländern Schutz gesucht.
Zivile Infrastruktur, darunter Gesundheitseinrichtungen, gerät immer wieder unter Beschuss. Zehntausende Menschen wurden Schätzungen zufolge insgesamt seit Kriegsbeginn getötet. Vor allem aus Darfur dringen zudem immer wieder Berichte über ethnisch motivierte Massaker und Gräueltaten der RSF nach außen. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sieht in dem Vorgehen der Miliz sogar Anzeichen für einen Genozid.
"Tiefe Traumata und zerrissene Familien"
Bischof Christian Stäblein, EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen, weist auf die tiefen Traumata der Menschen hin: "Fast 90 Prozent der Menschen, die vor den Gräueln des Kriegs im Sudan fliehen und den Tschad erreicht haben, sind Frauen und Kinder. Väter und junge Männer wurden auf dem Weg getötet, rekrutiert oder sie verstecken sich. Gerade in solchen Momenten brauche es umfängliche Hilfe, für die Menschen auf der Flucht und für die, die sie im Tschad aufnehmen.
Im Tschad leben rund eine Million Geflüchtete – das Land ist damit eines der afrikanischen Länder mit den meisten Geflüchteten im Vergleich zur Einwohnerzahl. Die Versorgung in den Camps wird immer schwieriger. Partner der Diakonie Katastrophenhilfe haben Brunnen, Latrinen und Waschstationen installiert und verbessern die Ernährungssituation von geflüchteten Familien sowie aufnehmenden Gemeinden im Osten des Tschad.
"Jede Minute kommen drei Kinder im Krieg zur Welt"
"Im Sudan erleben wir derzeit die größte humanitäre Krise der Welt", erklärt Florian Westphal. "Kinder werden in einen Krieg hineingeboren, der ihnen Schutz, medizinische Versorgung und oft sogar jede Überlebenschance nimmt", so der Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, der in der Woche vom 6. April in den Sudan gereist war.
"Ich habe eine Mutter mit ihren sieben Monate alten Zwillingen in einem von Save the Children unterstützten Ernährungszentrum getroffen, die krank und schwer mangelernährt waren und dort behandelt wurden. Ihre Angst um das Überleben und die Zukunft ihrer Kinder steht stellvertretend für Millionen Familien. Denn selbst dort, wo keine aktiven Kampfhandlungen stattfinden, ist Hunger längst zur tödlichen Bedrohung geworden."
Weit verbreitete Gewalt, wiederholte Angriffe auf zivile Infrastruktur und der Zusammenbruch grundlegender Gesundheitsversorgung bringen Millionen Mütter und Neugeborene in Lebensgefahr. Save the Children fordert deshalb sofortige internationale Maßnahmen, um die Gewalt im Sudan zu beenden, das Gesundheitswesen und die Zivilbevölkerung zu schützen sowie ungehinderten humanitären Zugang zu gewährleisten.
Seit drei Jahren herrscht im Sudan ein erbitterter Machtkampf, ausgetragen zwischen der regulären Armee und den paramilitärischen "Rapid Support Forces" (RSF). Der Krieg begann am 15. April 2023 und weitete sich auf große Teile des nordostafrikanischen Landes aus. Auch Regionalmächte sind in den Konflikt involviert, was eine Lösung schwieriger macht. So wird den Vereinigten Arabischen Emiraten beispielsweise vorgeworfen, die RSF-Miliz mit Waffen zu versorgen.
Auf der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin am 15. April geht es darum, Aufmerksamkeit und mehr Hilfe für die Bevölkerung zu mobilisieren und Wege aus dem Krieg zu finden. Auch regionale und internationale Organisationen, die sudanesische Zivilgesellschaft und Nichtregierungsorganisationen sowie die Nachbarländer des Sudan, EU-Mitgliedstaaten und internationale Geber sind zur Konferenz geladen. Die Diakonie Katastrophenhilfe und die Partnerorganisation Emergency Response Rooms (ERR) nehmen an der Konferenz teil.




