TV-Tipp: "Alpentod – Ein Bergland-Krimi: Im ewigen Eis"

Getty Images/iStockphoto/vicnt
24. März, RTL, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Alpentod – Ein Bergland-Krimi: Im ewigen Eis"
"Im ewigen Eis" ist zwar kein Schmunzelkrimi, enthält aber diverse heitere Ansätze, die Regisseur Felix Herzogenrath zudem amüsant inszeniert hat.

"Keift zuhause deine Alte, schmeiß se in de Gletscherspalte", sangen einst Hape Kerkeling und Heinz Schenk in der Kinokomödie "Kein Pardon" (1993). Heutzutage wär’s gar nicht so einfach, jemanden auf diese Weise zu entsorgen: Mit den Gletschern sind auch die Abgründe verschwunden. Wenn der Schnee schmilzt, kommt ohnehin so allerlei zum Vorschein. Diese Erkenntnis hat Marko Lucht kurzerhand mit dem Klimawandel kombiniert. Das Ergebnis ist ein Film, der die RTL-Reihe "Alpentod" um eine reizvolle Variante bereichert: "Im ewigen Eis" ist zwar kein Schmunzelkrimi, enthält aber diverse heitere Ansätze, die Regisseur Felix Herzogenrath zudem amüsant inszeniert hat. Die Witzischkeit, um nochmals Kerkeling zu zitieren, kommt allerdings an ihre Grenzen, wenn auch die zentralen Mitwirkenden versuchen, komisch zu sein. Noch unglaubwürdiger ist jedoch eine emotionale Szene, die sich bedenklich nah am Telenovela-Niveau bewegt.

Die originelle Geschichte basiert auf der Tatsache, dass sich auch in den Alpen das vermeintlich ewige Eis verflüchtigt. Gewissermaßen Titelfigur ist eine mehrere tausend Jahre alte weibliche Leiche, die Marie Sonnleitner (Salka Weber), forensische Archäologin an der Uni Salzburg, bei einer Bergwanderung entdeckt hat. Die perfekt erhaltenen sterblichen Überreste, umgehend "Ötzine" getauft, sollen einem Grenzort neuen touristischen Aufschwung bescheren; das Begrüßungsschild am Ortseingang wurde bereits um den Zusatz "Home of Ötzine" ergänzt.

Als das oberbayerische Kripoduo Reincke und Becker (Veronica Ferres, Tim Oliver Schultz) ins Dorf kommt, werden die beiden von den Einheimischen beäugt, als hätten die Menschen noch nie Fremde gesehen. Die ironische Musik, einige ausgefallene Kameraperspektiven (Kamera: Dominik Berg) sowie die Blicke auf verschiedene Kruzifixe unterstreichen den Eindruck, dass irgendwas in Maisching nicht mit rechten Dingen zugeht.

Zwischendurch streut Herzogenrath regelmäßig Aufnahmen des tauenden Eises ein. So beginnt der Film auch, als zwei Jugendliche in den Bergen einen Toten entdecken. Der Mann hat offenbar eine Warnung vor Steinlawinen ignoriert und ist im Sperrgebiet prompt in einen Felshagel geraten. Weil der übertrieben unleidliche Kriminaltechniker bei der Begehung des Fundorts gestürzt ist, darf die stets gut gelaunte Forensikerin wieder für gute Stimmung im Team sorgen. Sie stellt umgehend fest, dass das Todesopfer erschlagen worden ist. 

Es handelt sich um einen Mann, der seine Lebenspläne vor zwölf Jahren über Nacht radikal geändert und Maisching nach der Hundert-Jahr-Feier des väterlichen Hotels fluchtartig in Richtung Wien verlassen hat. Alsbald ahnt das fachkundige Publikum: Wenn Reincke und Becker erfahren, was damals passiert ist, finden sie auch die Lösung für den aktuellen Fall. Und noch eine Vermutung drängt sich angesichts der diversen Hochgebirgsimpressionen auf: Ötzine wird nicht die einzige Eisleiche bleiben.

Ungleich gelungener als die zum Teil heftig missglückten Versuche des Ermittlungduos, ihren Teil zur Comedy-Ebene beizutragen, sind die Befragungen der Einheimischen, zumal einige sogenannte Kleindarsteller aus ihren zum Teil winzigen Rollen weit mehr ’rausgeholt haben, als mutmaßlich ursprünglich drin steckte. Mache heiteren Effekte gab’s zudem ausgesprochen preiswert, weil Reincke den ausgeprägten Dialekt nicht versteht. Sehr vergnüglich sind vor allem die Befragungen von Concierge Wieser (Patrick Seletzky) und Friseurin Trudi (Margarethe Tiesel).

Deutlich mehr Raum bekommt Simon Herzog (Martin Leutgeb), leutseliger Herausgeber sowie einziger Redakteur des Maischinger Wochenblatts und außerdem Besitzer eines Geschäfts für Outdoor-Ausrüstung, der sich in beiden Funktionen als große Hilfe bei den Ermittlungen erweist. Die Bürgermeisterin Roth (Johanna Orsini) ist darüber allerdings gar nicht: Sie hat Herzog verboten, über den Leichenfund zu berichten; Tod ist nicht gut fürs touristische Geschäft.

Bei aller Freude an diesen Dialogen wie auch an den imposanten Naturaufnahmen: Die Inszenierung Herzogenraths, dessen Beiträge zu ARD-Reihen wie "Nord bei Nordwest" oder "Wolfsland" oder "Usedom-Krimi" oft mehr als sehenswert waren, weist einige merkwürdige Ungereimtheiten auf: Die erste Leiche wird entdeckt, als einer der Jungs ein Selfie macht. Der Tote liegt mindestens zehn Meter tiefer, der Blickwinkel der Kamera ist jedoch horizontal. Gegen Ende des Films wird die Bürgermeisterin entführt, aber zwischendurch hat sie anscheinend noch die Zeit gefunden, sich bei Trudi die Haare schön machen zu lassen.