Eine Kirchen-Clubkarte für Reiche?

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Debatte um Kirchenbesuch
Eine Kirchen-Clubkarte für Reiche?
Der Kölner Dom führt ein Eintrittsgeld für Touristen ein. Grund dafür: Sach- und Personalkosten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Rücklagen "in absehbarer Zeit" aufgebraucht. Bei evangelisch.de-Redakteurin Alexandra Barone wirft das einige Fragen auf.

Zwar ist die Höhe des Eintrittsgeldes noch nicht entschieden und doch rührt sich bei mir schon der Protest. Dürfen in naher Zukunft nur noch Reiche die Kirchen besuchen? 

Was ist mit einem Obdachlosen oder einer kinderreichen Familie? Verteilt die Kirche in Zukunft Clubkarten, die nur für Reiche erschwinglich sind? Was ist mit einer Rentnerin? Als Trümmerfrau hat sie sehr wahrscheinlich mitgeholfen, den Dom wiederaufzubauen. Und jetzt muss sie bezahlen, um ihn zu besichtigen? 

Nun, hier könnte man einwenden, sie soll beim Eintritt sagen, sie wolle hier nur beten. Denn laut Domkapitel bleibe der Eintritt für Menschen, die Gottesdienste besuchen oder zum Beten in den Dom kommen, weiterhin frei. Dieser Zusatz wirft bei mir weitere Fragen auf:

Wie soll das umgesetzt werden? 

Wird es in Zukunft einen Türsteher geben, der fragt: "Wollen Sie hier nur beten oder schauen Sie sich auch hier um?" Wird das Beten und den christlichen Glauben hier nicht ad absurdum geführt? Irgendwie erinnert mich das an die Parodien der englischen Komikertruppe Monty Python im Film "Das Leben des Brian", die den christlichen Glauben auf die Schippe genommen haben.

Wie sieht das Gebet aus? 

Was ist, wenn die Menschen antworten, Sie würden nur beten wollen? Dürfen sie dann kostenfrei den Dom betreten? Wer überprüft, dass sie tatsächlich beten? Wie sieht das Gebet aus? Muss man knieend auf der Bank beten oder kann man einfach nur ehrfürchtig den Dom betrachten und still meditieren?

Wie erkennt man Tourist:innen?

Tragen Touristen und Touristinnen Fotoapparate? Haben nicht auch Touristen das Recht auf Beten? Kann man nicht gleichzeitig beten und die Kirche betrachten? Treten sie in Gruppen auf? Wenn sie einzeln kommen, wie unterscheiden sie sich von Betenden? An der Sprache, Hautfarbe oder Kleidung? Kommt das nicht eine Diskriminierung gleich?

Was ist mit anderen Religionen?

Was ist mit Muslimen, Juden und anderen Religionen? Dürfen Sie sagen, sie würden nur beten wollen, um den Eintrittspreis nicht bezahlen zu müssen? Dürfen sie denn überhaupt in christlichen Kirchen beten?

 

Grundsätzlich bin ich nicht gegen Eintrittsgelder, gerade was Stätten des Weltkulturerbes angeht. Aber hier sollte man unterscheiden zwischen einer Bibliothek oder einem Gotteshaus. Eine Kirche sollte meiner Meinung nach frei zugänglich sein und es sollte kein Unterschied zwischen Betenden und Tourist:innen gemacht werden. Vor allem sollte man nicht Kirchen ärmeren Menschen vorenthalten. 

Ich denke an den Petersdom in Rom. Dort muss man – wie bisher auch im Kölner Dom – nur für Extras wie die Kuppel und die unterirdischen Papstgräber bezahlen (im Kölner Dom sind das die Domschatzkammer und der Aufstieg in den Turm). Gott sei Dank wird dort "noch" kein Eintrittsgeld verlangt, denke ich und erinnere mich an meine vielen Besuche in San Pietro, dem unumstrittenen Symbol der Christenheit. Wie oft bin ich da schon gewesen, als Touristin, als Journalistin, als Christin, als Betende…