Frau als Oberhaupt der anglikanischen Kirche

Sarah Mullally
epd-bild/Christian Ditsch
Sie ist als erste Frau Oberhaupt der anglikanischen Kirche - nach 105 Amtsvorgängern. Sarah Mullally ist ausgebildete Krankenschwester, bevor sie zuerst Diakonin und dann Priesterin wurde. (Archivbild)
Erzbischöfin von Canterbury
Frau als Oberhaupt der anglikanischen Kirche
Sarah Mullally ist in der Kathedrale von Canterbury feierlich in ihr Amt als Erzbischöfin von Canterbury eingeführt worden. Als geistliches Oberhaupt steht sie an der Spitze der anglikanischen Weltgemeinschaft.

Es ist ein besonderer Tag in der Kirche von England. Sarah Mullally ist am 25.03.2026 in der Kathedrale von Canterbury feierlich in ihr Amt als Erzbischöfin von Canterbury eingeführt worden. Die 64-Jährige steht damit als geistliches Oberhaupt an der Spitze der anglikanischen Kirche. Und sie die erste Frau, die dieses Amt in seiner 1.400-jährigen Geschichte bekleidet. Vor ihr hatten 105 Männer das Amt inne, wie der Deutschlandfunk berichtet.

Frauen können erst seit Mitte der 1990er Jahre Priesterinnen in der anglikanischen Kirche werden. Seit November 2024 war die Kirche von England ohne Oberhaupt. Der frühere Erzbischof Justin Welby trat wegen eines Skandals um die Vertuschung von Kindesmissbrauch zurück.

Der Dekan von Canterbury, Reverend Dr. David Monteith (zweiter von vorne), führt Prinz William und Kate, Prinzessin von Wales, zur Inthronisierungszeremonie in der Kathedrale von Canterbury in Kent. Nach der offiziellen Ernennung im Januar 2026 wird Dame Sarah Mullally  nun bei dieser Amtseinführungszeremonie in der Kathedrale von Canterbury inthronisiert.

Im festlichen Gottesdienst in der Kathedrale von Canterbury zeigte sich die Vielfalt in Großbritannien und der Anglikanischen Gemeinschaft. "Dieser Ereignis ist eine globale Zusammenkunft", sagte David Robert Malvern Monteith, der Dekan von Canterbury, gleich zu Beginn des Gottesdienstes. Die Gesänge rund um das Evangelium wurden vom afrikanischen Chor von Norfolk in den Sprachen Suaheli und Herero vorgetragen. Das Evangelium selbst wurde von der amtierenden Primas der anglikanischen Kirche von Mexico auf Spanisch vorgetragen. Eines der Gebete zur Amtseinführung sprach der Primas der anglikanischen Provinz von Zentralafrika auf Bemba.

Zu den Gästen zählten auch viele Vertreter anderer christlicher Konfessionen und anderer Religionen. Die alttestamentliche Lesung las Richard Moth, der Erzbischof von Westminster und höchster Repräsentant der römisch-katholischen Kirche in England. Zum Abschluss des Gottesdienstes lud Sarah Mullally die verschiedenen Religionsführer zu einem gemeinsamen Bekenntnis der Zusammenarbeit zur Verbesserung der Welt ein.

Jedes Leben ist ein Weg

In ihrer Predigt reflektierte die neue Erzbischöfin von Canterbury unter anderem ihr sechstägige Pilgerreise von ihrer bisherigen Wirkungsstätte, der St. Paul’s Cathedral in London, nach Canterbury. "Mir haben die vielen Begegnungen mit den Menschen, jung und alt, auf dem Weg jeden Tag Mut gemacht und mich motiviert; auch wenn meine schmerzenden Füße und Gliedmaßen eine andere Geschichte erzählen." Mit ihrer Pilgerreise begebe sie sich auch auf die Spuren der Vergangenheit. Schon Thomas Becket, einer ihrer Vorgänger, hatte diese Reise unternommen. Jeden Tag gingen unzählige Menschen weltweit die Pilgerwege des Glaubens, so Sarah Mullally. "Auch wenn man einem Pfad folgt, kann ein Weg natürlich unbekannt sein; es ist nicht immer klar, wohin er führt. Aber wir können auf Gottes führende Hand und seine Versprechen vertrauen."
Angesichts der Gründe für den Rücktritt ihres Vorgängers Justin Welby, ging Mullally auch auf die Fälle von Missbrauch in der Kirche und den Umgang damit ein. "Wir müssen der Wahrheit, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und dem Handeln verpflichtet sein."

Außerdem rief sie den Anwesenden die Opfer verschiedener Kriege, in der Ukraine, im Nahen Osten, Im Sudan und in Myanmar, ins Gedächtnis und forderte zum Gebet für den Frieden auf.

Am heutigen Fest der Verkündigung des Herrn zog Sarah Mullally eine Parallele ihres neuen Dienstes und der Botschaft Gabriels an Maria. Auch Maria habe nicht vorhersehen können, worauf sie sich einlässt und trotzdem sei sie den unbekannten Weg der vor ihr liegt, mutig gegangen. "Nichts ist bei Gott unmöglich. Das trifft auch auf mich zu, wenn ich auf die 16-jährige Sarah schaue, die ihr Vertrauen in Gott gesetzt hat. Niemals hätte ich mir die Zukunft vorstellen können, die vor mir liegt; und ganz bestimmt den Dienst, zu dem ich jetzt gerufen wurde. Maria folgte den Spuren vieler Gläubigen. Ihre Geschichte passt sehr gut zu den vielen schönen Geschichten, wie der von Hannah, in der Schrift. Maria hat ihre Hoffnung auf Gott gesetzt. Sie hat darauf vertraut, dass er mit ihr ist und durch Maria hat Gott neues geschaffen."

Ein Blick auf die Ämter der Erzbischöfin von Canterbury zeigt, dass Sarah Mullally eine erfahrene Kirchendienerin ist. Mit der Übernahme des Amtes der Erzbischöfin hat sie auch weitere Ämter übernommen. Die meisten hatte sie allerdings in anderer Form bereits vorher inne. So wurde sie am 4. Februar zum zweiten Mal als Lord Spiritual in das britische Oberhaus, das House of Lords, eingeführt. Dem House of Lords gehören mehrere Lords Spiritual als Vertreter der Church of England. Als Bischöfin von London gehörte sie dem Oberhaus bereits seit 2018 an. Außerdem ist sie als Erzbischöfin von Canterbury Mitglied des Privy Council, des höchsten Beratergremiums des britischen Königs. Auch dem Privy Council gehörte sie seit ihrer Zeit als Bischöfin von London bereits an. Trotzdem hebt sie ihr neues Amt in diesen bekannten Gremien nochmal besonders hervor.

Zentral ist jedoch, dass sie dem Bistum und der Kirchenprovinz von Canterbury vorsteht und geistliches Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft und der Church of England ist. So leitet sie auch die Sitzungen der Generalsynode der Church of England.