Nachdem der Limburger Bischof Georg Bätzing im Januar erklärt hatte, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren, wurde heute mit dem Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sein Nachfolger gewählt. Zudem wurde die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate Gilles, im Amt bestätigt.
Bätzing stand sechs Jahre an der Spitze der Bischofskonferenz. Sein Name bleibt eng mit den Reformbemühungen der vergangenen Jahre verbunden. Der Vorsitzende fungiert als Sprecher des Bischofskollegiums und vertritt die Positionen der Bischofskonferenz nach außen.
Gott im Zentrum, Friede für die Welt und Gerechtigkeit als Aufgabe - so formulierte Wilmer die Aufgabe der Kirche. Er sei dankbar für das Vertrauen seiner Amtskollegen, sagt Wilmer. Er dankte seinem Vorgänger. Bätzing habe die Bischofskonferenz in schwerer Zeit geleitet, sagte der Ordensgeistliche. Er bekannte sich auch zur Synodalität, dem Prinzip einer gemeinsamen Leitung der Kirche.
EKD-Ratsvorsitzende Fehrs gratuliert Bischof Wilmer
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, gratuliert dem neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, zu seiner Wahl. "Ich wünsche Bischof Heiner Wilmer für die verantwortungsvolle Aufgabe von Herzen viel Kraft und vor allem Gottes Segen", erklärte die Hamburger Bischöfin am Dienstag. Sie habe Wilmer als "aufgeschlossenen, klugen und weltgewandten Gesprächspartner" kennengelernt.
Wilmer liege daran, Strukturreformen und geistliche Erneuerung miteinander zu verbinden: "Das lässt mich mit großer Zuversicht auf die zukünftige ökumenische Zusammenarbeit schauen", unterstreicht Fehrs. Für die weiteren Schritte auf dem Weg der Synodalität, auf den sich die römisch-katholische Kirche in Deutschland gemacht habe, "können seine weltkirchlichen und seine vatikanischen Erfahrungen von Nutzen sein." Zugleich dankte Fehrs dem bisherigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, für die "bisherige vertrauensvolle Zusammenarbeit und die freundschaftliche Verbundenheit".
Katholische Reformer: Keine Routineentscheidung
Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hatten katholische Reformgruppen vor einem Rückschritt gewarnt: Inmitten einer tiefen Kirchenkrise drohten Erneuerungsprozesse ausgebremst zu werden. Die Neuwahl sei keine "0815-Wahl", sondern finde "inmitten einer tiefen Kirchenkrise statt", erklärten am Montag 18 Organisationen und Verbände, darunter "Wir sind Kirche" und Maria 2.0.
Als Beispiele genannt werden ein Vertrauensverlust nach der Missbrauchskatastrophe, eine schleppende Umsetzung von Reformen, massive Kirchenaustritte und wachsende innere wie äußere Polarisierung. "Wer diese Wahl auf eine Personalfrage reduziert, verkennt ihre kirchenpolitische Tragweite", hieß es in der Erklärung weiter.
Innerkirchlich würden Kräfte an Einfluss gewinnen, die unter dem Schlagwort "Lehrtreue" autoritäre Leitungsmodelle, klerikale Machtkonzentration und eine Rückabwicklung synodaler Prozesse propagierten, so die Reformgruppen weiter: "Reformbeschlüsse werden relativiert, verzögert oder faktisch ausgebremst. Gleichzeitig erstarken gesellschaftlich nationalistische und demokratiefeindliche Strömungen, die religiöse Sprache instrumentalisieren, um Ausgrenzung zu legitimieren." Wie Bätzing müsse auch der neue Vorsitzende diesem Rechtsruck entschieden widerstehen - innerkirchlich wie gesellschaftlich. "Doch er kann das nur, wenn ihn die Mehrheit der Bischöfe mitträgt."


