"Was passiert, wenn neutrale Russen in Mailand/Cortina Medaillen holen, wenn sie die Bühne doch für irgendeine Form der Propaganda nutzen? Oder in der Heimat als Propaganda-Protagonisten be- oder ausgenutzt werden?", fragt sich Tobias Nordmann von n-tv. Eine berechtigte Frage, wenn man bedenkt, dass Olympia gerne als Ort für Propaganda von Ideologien genutzt wird.
Schon Hitler missbrauchte den olympischen Geist, als er 1936 sowohl die Sommer- als auch die Winterspiele in Deutschland ausrichtete. "Zahlreiche Mitglieder des IOC kooperierten mit den Machthabern in Berlin, um 1936 die Spiele zu einem Spektakel werden zu lassen", berichtete die Welt. "Lernen wir eigentlich nie aus Fehlern?", frage ich mich traurig. Ich bin gleichzeitig auch wütend, weil ich bei Ausgrenzung nicht nur an Sport, sondern auch an Kunst denke.
Ich erinnere mich an den Winter von 2022, als ein russischer Künstler meine Galerie anschrieb, um eine Ausstellungsmöglichkeit anzufragen. Seine Kunst gefiel uns und wir luden ihn ein, bei uns auszustellen. Die Reaktion des Künstlers erschütterte mich damals, denn er sagte, dass ihm viele Galerien abgesagt hatten. Die kurze Begründung: er sei Russe. Bei seinen Kunstwerken handelte es sich im Übrigen um Ikonen, nicht um "politische" Kunst. Es war eine Zeit, als ich in Berlin ein Gespräch in der U-Bahn aufschnappte, bei dem über Augrenzung russischer Bürger gesprochen und "Bücherverbrennung" russischer Literatur gefordert wurde – ein Ausdruck, der mich bis heute schaudern lässt.
Nach ihrem Volontariat in der Pressestelle der Aktion Mensch arbeitete Alexandra Barone als freie Redakteurin für Radio- und Print-Medien und als Kreativautorin für die Unternehmensberatung Deloitte. Aus Rom berichtete sie als Auslandskorrespondentin für Associated Press und für verschiedene deutsche Radiosender. Seit Januar 2024 ist sie als Redakteurin vom Dienst für evangelisch.de tätig.
Fairness statt Ideologie
Ausgrenzungen gab und wird es immer wieder geben. Ich persönlich finde sie einen Ausdruck von Unreife, vor allem aber von Unfairness. Man lädt den anderen aus, um gar nicht mit ihm sprechen, um sich nicht messen zu müssen. Hinzu kommt noch, dass bei der Begründung der Ausgrenzung oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Das mag in der Politik gang und gäbe sein, Ausgrenzung hat meiner Meinung nach aber in Sport und Kultur nichts zu suchen. Es ist nicht fair, Künstler dafür büßen zu lassen, was Politiker sagen. Es ist nicht fair, Sportler, die jahrelang für die olympischen Spiele hart trainiert haben, auszugrenzen. Und gerade die Fairness spielt beim Sport eine wichtige Rolle, davon weiß ich als Leistungssportlerin zu berichten.
Verständigung statt Ausgrenzung
Wir sollten dabei auch nicht den Grundgedanken der Olympischen Spiele vergessen: Sie wurden als Sportwettkampf gesehen, nicht als Krieg, nicht als Plattform für Politiker, um ihre Propaganda und Ideologien zu verbreiten. Sie waren ein Ort der Verständigung, wo Waffen und Hass keinen Platz haben, bei denen sogar Sportler verfeindeter Völker teilnehmen konnten. Während Kriege und Krisen herrschte in Olympia die Ekecheira, die heilige Waffenruhe, die allen Sportlern eine sichere An- und Abreise gewährleistete.
Ich stimme daher der Olympischen Charta von 2014 zu und bin der Meinung, dass jeder Mensch teilnehmen darf, der den Geist des Fairplays und der Gewaltlosigkeit achtet, sich entsprechend verhält und den World Anti-Doping Code in jeder Hinsicht beachtet und einhält. In diesem Sinne: Lasset die Spiele beginnen, möge der Beste gewinnen!


