TV-Tipp: "Der Garmisch-Krimi: Wolfsmond"

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28. Februar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Der Garmisch-Krimi: Wolfsmond"
In Oberbayern tobt ein neuer Krimi: "Wolfsmond" setzt auf eine kratzbürstige Ex‑Polizistin, Landwirtschaft im Weltkulturerbe‑Fieber und einen Wolf, der mehr als nur Lämmer reißt. Doch bleibt der Film hinter dem Potenzial zurück.

Würde man Deutschland in Krimi-Regionen aufteilen, wäre das Ergebnis ein ähnlicher Flickenteppich wie eine Karte aus der Zeit des "Alten Reichs" (bis 1800), das aus rund 300 einzelnen Ländern bestand. Vermutlich gibt es längst keinen Flecken mehr, der noch nicht Schauplatz einer Krimireihe oder -serie war, schon gar nicht in Oberbayern, wo das ZDF seine neuen "Garmisch-Krimis" angesiedelt hat; im "Zweiten" haben sich hier unter anderem bis 2014 zwei Staffeln lang die "Garmisch-Cops" getummelt. Auch inhaltlich sind innovative Ansätze kaum noch möglich. Das gilt natürlich auch für die Hauptfiguren. In dieser Hinsicht hat die Reihe immerhin eine echte Besonderheit zu bieten. Eine Ex-Polizistin, die mit dem Gabelstapler durch einen Baumarkt kurvt: Das gab’s vermutlich noch nie.

Außerdem agiert Ira Zach grundsätzlich ungeschminkt, im übertragenen Sinn wie auch buchstäblich. In diesem Zusammenhang ist sehr aufschlussreich, was Lavinia Wilson im ZDF-Interview sagt: Einerseits blieb ihr die allmorgendliche Prozedur in der Maske erspart, andererseits fehlte ihr der gewohnte Schutzpanzer. Auf diese Weise ist eine Figur entstanden, die einen eigenen Reiz hat, denn Ira lebt offenbar nach der Devise "Angriff ist die beste Verteidigung"; Wilson bezeichnet sie als "kratzbürstig". Dazu passt auch das Kostümbild: Mit ihrem Ledermantel, gern ergänzt um eine Sonnenbrille, erinnert die Fliegenfischerin und Dosenbiertrinkerin an eine coole Western-Figur; ihre Vorliebe für die Country-Songs von Hank Williams tut ein Übriges. 

Hätte das Drehbuch (Leona Stahlmann, Niklas Hoffmann) diese Rolle mit einer originellen Handlung umgeben und die Regie (Saralisa Volm) für deutlich mehr Spannung gesorgt, hätte aus "Wolfsmond" ein richtig guter Krimi werden können. So jedoch wirkt der Film, als habe die Produktion das Ensemble aus "Lena Lorenz" – die ZDF-Heimatreihe spielt im Berchtesgadener Land – in eine Krimihandlung verpflanzt, zumal Dialekt und Landschaftsaufnahmen hier wie dort ähnlich ausgeprägt sind. Das zentrale Motiv ist ohnehin ein beliebtes Versatzstück vieler Geschichten aus der Provinz: Ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet soll eine Hotelanlage entstehen. Der Bauherr und Grundbesitzer, selbstredend ein skrupelloser Geschäftsmann, hat seiner angestellten Jägerin untersagt, den Rotwildbestand einzudämmen, damit er selbst leichte Beute machen kann; Michael A. Grimm verkörpert solche Rollen längst im Schlaf. 

Interessant ist immerhin der Hintergrund: Der Landrat (Gerhard Wittmann) setzt sich dafür ein, dass die traditionelle Landwirtschaft der Region zum Weltkulturerbe erklärt wird. Für die Bauern hätte dies einen aus ihrer Sicht entscheidenden Vorteil: Sie könnten dann, so hat es ihnen zumindest der Bauernverband versichert, alle möglichen neumodischen Verordnungen ignorieren und zum Beispiel nach Herzenslust Jagd auf Wölfe machen. Damit ist das Drehbuch beim Titelthema: In der Gegend treibt, auch das ist seit einiger Zeit ein beliebtes Krimimotiv, ein Wolf sein Unwesen. Weil das Tier bereits einige Lämmer gerissen hat, prallen prompt lautstark und aggressiv zwei Weltanschauungen aufeinander: hier der zur Not auch militante Naturschutz, dort die konservative Landwirtschaft; und Iras Teenager-Tochter (Sophie Borchhardt) mittendrin. Zu einem Fall für die Polizei wird die Angelegenheit, als der Leiter (Ben Münchow) eines Umweltschutzvereins erst einen abgetrennten Wolfskopf mit der Post bekommt und kurz drauf im eigenen Haus überfallen wird. Gestorben ist er jedoch nicht durch den dabei erlittenen Messerstich: Jemand hat ihn, nachdem ihm die Flucht gelungen ist, mit einem Geländewagen überrollt.

Ira kann ihre Nachfolgerin dazu überreden, sie in die Ermittlungen miteinzubeziehen. Vermutlich hat sie sich schon als Beamtin nicht um Regeln und Vorschriften geschert, weshalb sie regelmäßig Ärger mit ihrem früheren Chef (Harald Windisch) bekommen hat, doch außer Dienst gilt das natürlich erst recht. Um den Unterschied zwischen den beiden Frauen zu unterstreichen, ist Kollegin Daphne (Philine Schmölzer), wie schon der Vorname signalisiert, ein gänzlich anderer Typ: betont brav gekleidet, sehr kontrolliert und mit einem Faible für Katzenmotive versehen. Der Kontrast ist in der Tat ganz reizvoll, letztlich aber zu wenig, um den gemeinsamen Szenen Zündstoff zu verleihen. Das gilt auch für den Rest des mit Max von Thun, Anne Schäfer und Edita Malovčić recht prominent und aufgrund der Koproduktion mit Servus TV zudem sehr österreichisch besetzten Ensembles.