Christen gemeinsam gegen Polarisierung

ökumenischer Gottesdienst zur Gebetswoche der Einheit der Christen im Münchner Liebfrauendom.
Robert Kiderle Fotoagentur
Ökumenischer Gottesdienst zur Gebetswoche der Einheit der Christen 2026 im Münchner Liebfrauendom.
Starke Ökumene
Christen gemeinsam gegen Polarisierung
Beim Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen haben führende Kirchenvertreter zu einer starken Ökumene aufgerufen. Angesichts zunehmender Polarisierung sagte der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp laut Manuskript am Mittwochabend im Münchner Liebfrauendom: "Wir brauchen mehr gemeinsame Signale und mehr gemeinsames Vorgehen." Er träume von einer Ökumene, die sich noch sichtbarer der Polarisierung entgegenstelle, die Grenzziehungen nach hinten stelle und das Gemeinsame nach vorne. "Für mich wäre das ein starkes Signal in dieser so irren Zeit, die wir erleben."

"Politikspektakel ist Alltag geworden", sagte der Landesbischof weiter. Umso wichtiger sei es, dass Christinnen und Christen sich nicht von Angst oder Resignation leiten ließen. In diesen Jahren werde man wieder an Zeiten erinnert, die es schon einmal gegeben habe.

"In der Herrschende gemacht haben, was sie wollten." Mit Blick auf das neoimperialistische Gebaren von US-Präsident Donald Trump sagte er: "Da will einer eine Insel, und alles, was über Jahre fein als Gemeinschaft justiert wurde, wird irrelevant. Alles unglaublich." Kopp weiter: "Du denkst ja, Du bist in einem surrealen Film. Aber es ist Wirklichkeit. Der Wahnsinn hat Methode."

Marx: Einheit der Christen wird in Zeiten von Polarisierung dringend gebraucht

Christinnen und Christen seien herausgefordert, mit all ihrer Kreativität, Leidenschaft und ihrem Willen das Licht Gottes in die Welt zu tragen. "Wir haben uns da so ein bisschen komfortabel eingerichtet. Ich habe geträumt von einer Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden blühen. Und nun ziehen andere vorbei", mahnte Kopp. "Wir Kinder des Lichts sind in dunklen Zeiten besonders gefragt."

Der Bayerische Evangelische Landesbischof Christian Kopp

Auch Kardinal Reinhard Marx unterstrich laut Mitteilung in seiner Begrüßung die Notwendigkeit der "Einheit, die wir so sehr brauchen in diesen Zeiten, die geprägt sind von Polarisierungen und unverhohlenen Machtansprüchen und die einhergehen mit tiefgehender Verunsicherung".

Die Verantwortung der Kirchen in gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeiten hob auch Bischof Serovpé Isakhanyan von der Armenisch-Apostolischen Kirche hervor. "Die Kirche darf weder zum politischen Instrument werden noch sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zurückziehen. Ihr Auftrag ist es, das Evangelium zu verkünden und ihre Stimme dort zu erheben, wo Menschenwürde und Gerechtigkeit in Gefahr geraten." Diese Situation fordere die Kirche selbst heraus: zu innerer Erneuerung, zu Transparenz und zu einer Sprache, die verbinde statt spalte.

An dem ökumenischen Gottesdienst nahmen auch Bischof Sofian von Kronstadt von der rumänisch- orthodoxen Kirche, Bischof Bohdan Dzyurakh von der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche sowie weitere Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern teil. Begangen wird die Gebetswoche für die Einheit der Christen seit 1908.

Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der Ökumenische Rat der Kirchen verantworten sie gemeinsam, wobei in jedem Jahr eine ökumenische Gruppe aus einem anderen Land die Vorbereitung übernimmt. In Deutschland wird die Gebetswoche von der ACK getragen.