Helferinnen und Helfer in den frontnahen Regionen der Ukraine sind laut "Aktion gegen den Hunger" einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt. Die Intensivierung der russischen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung erschwerten die Bedingungen besonders, teilt die Hilfsorganisation mit. Freiwillige und Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich, dem Bildungswesen oder der sozialen Arbeit arbeiteten an der Front unter "extremen Bedingungen", manchmal ohne Licht oder Heizung, sagt Landesdirektor Benjamin Martin.
"Diese Helfer tragen das Gewicht des kollektiven Traumas, während sie gleichzeitig wie alle anderen Zivilisten ständigen Angriffen auf ihre Städte ausgesetzt sind", sagt Martin. In den Regionen Charkiw und Sumy weitet "Aktion gegen Hunger" die Angebote zur psychischen Unterstützung von Helfenden aus, Auch die Frauenrechtsorganisation der Vereinten Nationen, UN Women, sieht die Lage von Frauen in der Ukraine immer stärker belastet. Vor allem finanzielle Kürzungen in der Frauenrechtsarbeit hätten Auswirkungen auf das Leben von Frauen und Mädchen in dem Land, erklärt UN Women.
Jede dritte der befragten Frauenrechtsorganisationen befürchte, dass sie mit den derzeitigen Finanzmitteln nur noch sechs Monate oder weniger bestehen können wird, erklärt UN Women. Lebensrettende Dienste, Schutz und humanitäre Hilfe für mindestens 63.000 bedürftige Frauen und Mädchen müssten dann eingestellt werden. Vor allem Frauen und Mädchen in Front- und ländlichen Gebieten, ältere Frauen, von Frauen geführte Haushalte sowie Frauen und Mädchen mit Behinderungen seien betroffen.
Fehrs: An Solidarität mit Ukraine festhalten
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, ruft zum anhaltenden Beistand für die Menschen in dem Land auf und warnt vor einem Nachlassen der Solidarität. "Vier Jahre Krieg haben unzählige Menschenleben gekostet und sich schwer auf die Seelen von Ukrainerinnen und Ukrainern gelegt", erklärt die Hamburger Bischöfin. "Nach vier langen Kriegsjahren braucht es eine kollektive Kraftanstrengung, dem drohenden Gefühl von Resignation und Hoffnungslosigkeit etwas entgegenzusetzen."
Die Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Kristina Kühnbaum-Schmidt, erinnert an das Leid der Menschen und ruft zu einem entschlossenen Einsatz für einen gerechten Frieden auf. "Als Kirche stehen wir an der Seite der Menschen in der Ukraine – im Gebet, in konkreter Hilfe und in der klaren Benennung von Unrecht." Der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Bischof Thomas Adomeit, kritisiert die "sogenannten" Friedensverhandlungen. "Sie lassen keinen Willen zu einer Lösung erkennen, die die unveräußerlichen Rechte der Menschen in der Ukraine achtet", erklärt Adomeit.
Ukraine-Museum zeigt Kriegsalltag
Vier Jahre nach dem russischen Überfall haben Museumsbetreiber Enno Lenze und der Kurator, Verleger und Journalist Wieland Giebel in einem ehemaligen Bunker unweit des Anhalter Bahnhofs auf 300 Quadratmetern die neue Ausstellung zum Kriegsalltag in der Ukraine zusammengestellt. Etwa 500 Exponate erzählen persönliche Geschichten von Ukrainerinnen und Ukrainern seit dem 24. Februar 2022 in und auch außerhalb des Landes. Das neue Ukraine-Museum zeigt neben großformatigen Fotos aus dem Kriegsalltag, Interviews und Zeitzeugen-Berichten viel russisches Kriegsgerät, darunter unzählige abgeschossene russische Drohnen und Raketenteile.
Ein Kapitel in der Ausstellung, die am Montag offiziell eröffnet wurde, widmet sich eigens westlicher Technik, die trotz Sanktionen in russischen Drohnen und Raketen weiterhin verbaut wird. So zeigen in abgeschossenen Drohnen gefundene Bauteile unter anderem Platinen von Texas Instruments. Die Ausstellung setzt stark auf Emotionen. So heißt es schon im zweiten Raum zu den deutschen Debatten zum Umgang mit der Ukraine und dem Krieg plakativ: "Helfen oder Arschloch sein? Du hast die Wahl, jeden Tag."
Gedenken und Demonstrationen in Berlin
In Berlin wird am Dienstag mit mehreren Veranstaltungen der Opfer gedacht und Solidarität mit dem kriegsgeplagten Land ausgedrückt. Die Kirchen laden am Vormittag zu einem ökumenischen Friedensgebet für die Ukraine in die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt ein. Erwartet werden dazu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs.
Der ukrainisch-deutsche Verein Vitsche ruft zu einer Solidaritätsdemonstration für die Ukraine unter dem Motto "Für Europas Zukunft" auf. Der Aufzug soll ab 18 Uhr vom Lustgarten über die Straße Unter den Linden zum Brandenburger Tor führen. In der Marienkirche am Alexanderplatz findet zeitgleich ein ökumenischer Gedenkgottesdienst mit dem Berliner evangelischen Bischof Christian Stäblein und dem griechisch-orthodoxen Bischof Emmanuel von Christoupolis statt.


