Fünf Tage Dunkelheit – und viel Licht

Mechthild Klein/evangelisch.de
Manchmal braucht es nur ein Teelicht, um die Dunkelheit zu durchbrechen.
Glücksmomente im Stromausfall
Fünf Tage Dunkelheit – und viel Licht
Günter Hänsel, Pfarrer in Berlin-Schlachtensee, dessen Gemeinde vom Stromausfall im Berliner Südwesten betroffen war, blickt zurück: In Kälte und Dunkelheit gab es Licht und Wärme.

Es ist Sonntagmorgen, 10.30 Uhr, wie jeden Sonntag treffen wir uns in der Johanneskirche in Schlachtensee. Diesmal entzünden wir nur Teelichter, stellen sie an die Eingangstür, auf die Altarstufen und den Altar. Die Weihnachtskrippe steht auch noch. So entzünden wir noch eine Kerze und stellen sie zur Krippe. An diesem Morgen ist es der Kerzenschein, der Licht in unsere Kirche bringt.

Der Stromausfall im Berliner Südwesten, der in den frühen Samstagmorgenstunden begann, hat an diesem Morgen auch unseren Gottesdienst bestimmt: Keine Glocken, keine Heizung, keine Orgelklänge, keine Lichter, keine Tonanlage. Nur wir, im Schein der Kerzen. An diesem Sonntagmorgen war klar: Die Dunkelheit und Kälte wird andauern. Am Ende waren es fünf Tage. Vor allem für ältere Menschen in meinem Gemeindegebiet waren es fünf anstrengende und schmerzhafte Tage. Ich denke an einen Herren, der pflegebedürftig ist und sein Bett nicht verlassen kann. Oder an einige Menschen, für die die Tage noch einsamer wurden. Oder eine Frau, die auf jeden Fall in ihrer Wohnung bleiben möchte. Der Stromausfall hat vor allem Menschen getroffen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.

Inmitten von Normalität ist es plötzlich dunkel geworden. Eine Frau sagte: "Vor allem die Dunkelheit macht mir zu schaffen, es wird gar nicht richtig hell." Die dunklen Häuser und Straßen haben ein Gefühl der Unheimlichkeit und Einsamkeit aufkommen lassen. Ein seltsamer Widerspruch: Inmitten einer pulsierenden Stadt war da scheinbar kein Leben mehr. Die ständige Frage: Ist da noch jemand? Sitzt da jemand im Dunklen und in Kälte? Wurde jemand übersehen? - Das hat tiefe Betroffenheit und Sorge ausgelöst.

An dem Sonntagmorgen in der Kirche waren all diese Gefühle spürbar. Im Schein der Kerzen haben wir den Worten aus Psalm 139 gelauscht: "Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht." In diesem Moment spürte ich eine innere und leise Verbindung: In aller Dunkelheit ist Gott da. Sein Licht leuchtet. Wie damals der Stern den Hirten in der Dunkelheit leuchtet. Keine Geborgenheit und keine Sicherheit, doch Gottes Wärme ist da. Ein Gottesmoment inmitten von Kälte und Dunkelheit.

In diesen Tagen der Kälte und Dunkelheit gab es auch Licht und Wärme: In der Nachbarschaft gingen Menschen von Tür zu Tür und boten Hilfe an. Kirchengemeinden öffneten Wärmestuben und der Bezirk Notunterkünfte, Hilfe kam aus Nah und Fern. Unzählige Ehrenamtliche zogen durch die Straßen, klopften an Fenstern und Haustüren und verteilten heißen Tee und Wärmflaschen. Manchmal musste es auch ein Schneeball gegen ein Fenster sein, um auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe anzubieten. In diesen dunklen Tage war es da, das Licht und die Wärme: Im fürsorglichen und menschlichen Füreinander Dasein.