TV-Tipp: "Wilsberg: Trügerische Sicherheit"

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3. Januar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Wilsberg: Trügerische Sicherheit"
Während ein offenkundig vermögender Mann in seinem teuren englischen Sportwagen nach Hause fährt, berichtet ein Nachrichtensprecher von einer Einbruchsserie, die Münster schon seit geraumer Zeit heimsucht. Der Eindringling im Eigenheim des Jaguarfahrers ist jedoch mutmaßlich jemand anders, denn der Hausbesitzer kennt die Person

"ZEN – Zuschauen, Entspannen, Nachdenken" hieß einst eine spätabendlich ausgestrahlte Sendung des Bayerischen Rundfunks, in der beschauliche Texte durch Landschaftsbilder illustriert wurden. "Trügerische Sicherheit", Laufnummer 88 der "Wilsberg"-Krimis, hat zwar keine Landschaften zu bieten, aber das "ZEN"-Thema spielt im Drehbuch von Stefan Rogall eine durchaus tragende Rolle. Die Handlung beginnt jedoch mit dem obligaten Mord: Während ein offenkundig vermögender Mann in seinem teuren englischen Sportwagen nach Hause fährt, berichtet ein Nachrichtensprecher von einer Einbruchsserie, die Münster schon seit geraumer Zeit heimsucht.

Der Eindringling im Eigenheim des Jaguarfahrers ist jedoch mutmaßlich jemand anders, denn der Hausbesitzer kennt die Person: Seine letzten Worte lauten "Was willst du denn hier!?", dann fallen drei Schüsse. Wie stets gelingt es "Wilsberg"-Routinier Stefan Rogall, der allerdings schon wesentlich originellere Drehbücher für die Reihe geschrieben hat, sämtliche Ensemble-Mitglieder schlüssig in die nun folgenden Ereignisse zu verwickeln. Ein Teenager hält seinen Stiefvater für den Täter und bittet Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink), sich des Falls anzunehmen.

Das Mordopfer, Henry Möbius, war ein stadtbekannter Wohltäter und hat unter anderem ein modernes Jugendzentrum gegründet. Allerdings gibt es eine Anzeige wegen der Veruntreuung von Spendengeldern, deshalb soll Wilsbergs Kumpel Ekki (Oliver Korittke) eine Steuerprüfung durchführen. Ihre gemeinsame Freundin Tessa (Patricia Meeden) wiederum sucht einen sinnvollen Ausgleich zu ihrem stressigen Job als Anwältin und will sich ehrenamtlich um Jugendliche kümmern.

Zen kommt ins Spiel, weil Ekki dank morgendlicher Mediationen sowie regelmäßiger Tai-Chi-Übungen die innere Mitte gefunden hat und seine Umgebung nun ein bisschen missioniert. Entspannung täte tatsächlich auch den Ordnungskräften gut. Die Polizei steht wegen der unaufgeklärten Einbrüche unter Druck und wird zudem noch erpresst: Die Stadt soll eine halbe Million Euro zahlen, sonst sei der nächste Mord nur eine Frage der Zeit. Die Geldübergabe auf dem Parkplatz eines Autokinos ist eine willkommene Abwechslung in der ansonsten sehr undynamischen Umsetzung.

Abgesehen von kurzen Stippvisiten etwa ins Haus von Carmen Prey, der Leiterin (Adina Vetter) des Jugendzentrums, besteht die dialogreiche Handlung größtenteils aus Gesprächen in Wilsbergs Antiquariat sowie in den Büros beziehungsweise im Vernehmungsraum des Polizeipräsidiums; da bleibt der Bildgestaltung (Philipp Timme) nicht viel Spielraum. Kein Wunder, dass Regisseur Martin Enlen, der ebenfalls bereits deutlich spritzigere Episoden für den ZDF-Dauerbrenner gedreht hat, einem besonderen Auftritts mit Patricia Meeden fast schon unangemessen viel Platz einräumt.

Nachdem Tessa mehrmals daran gescheitert ist, die Jugendlichen musikalisch aus ihrer Smartphone-Lethargie zu locken, beginnt sie kurzerhand selbst zu tanzen. Die Szene ist so etwas wie eine Referenz in eigener Sache: Die gebürtige Ost-Berlinerin ist staatlich geprüfte Bühnentänzerin und hat in diversen Musicals mitgewirkt, bevor sie sich auf die Schauspielerei konzentrierte.  Nicht so viel Esprit wie gewohnt hat auch die Ebene mit Roland Jankowsky, allerdings bekommt Kommissar Overbeck diesmal kaum Muße, seinen gewohnten philosophischen Neigungen nachzugehen.

Erst setzt ihm der Kripo-Chef angesichts der erfolglosen Ermittlungen die ehrgeizige Kollegin Thuong Nhi (Mai Duong Kieu) vor die Nase, dann entgeht er nur um Haaresbreite dem Tod, als Carmen Prey ihn beinahe erschießt, weil sie ihn für den gesuchten Einbrecher hält. Die Darbietungen des Ensembles sind dank der diversen Wortgefechte ohnehin gewohnt unterhaltsam, und auf der Krimiebene bleibt lange offen, wer Möbius auf dem Gewissen hat. 

Witzigste Szene des Films ist ein Besuch der beiden Freunde bei einem Therapeuten: Björn Asbeck (Serkan Kaya) hat früher im Jugendzentrum gearbeitet, ist aber aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Leiterin ausgeschieden; er war es auch, der Möbius angezeigt hat. Um den Mann auszuhorchen, geben sich Wilsberg und Ekki kurzerhand als Vater und Sohn aus; ein simpler Einfall mit verblüffender Wirkung, weil das Duo plötzlich in ganz andere Rollen fällt. Ansonsten ist "Trügerische Sicherheit" im Rahmen der Reihe jedoch allenfalls Durchschnitt. Angesichts der Textlastigkeit ließe sich der eingangs zitierte "ZEN"-Titel als "Zuhören, entspannen, nachdenken" paraphrasieren: Im Grunde handelt es sich um ein Hörspiel mit Bildern.