TV-Tipp: "Meine Mutter gibt es doppelt"

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28. Oktober, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Meine Mutter gibt es doppelt"
Wenn sich die Hauptfiguren im "Tatort" nicht weiterentwickeln, ist das in der Regel kein Problem: Die Teams sind eingespielt, und für die inhaltliche Dynamik sorgen die jeweiligen Fälle.

Bei einer Reihe wie den "Meine Mutter…"-Komödien mit Margarita Broich und Diana Amft ist das anders, hier entpuppt es sich als Manko, dass sich Mutter und Tochter seit dem Start im Jahr 2018 nicht von der Stelle bewegt haben. Die besten Episoden waren daher stets jene, in denen Eindringlinge das beschauliche Dasein von Heidi und Toni Jansen in Unordnung brachten; beim letzten Mal zum Beispiel ("Meine Mutter und plötzlich auch mein Vater") tauchte aus heiterem Himmel Tonis Erzeuger auf. Dieses Muster nutzt Reihenschöpfer Christian Pfannenschmidt auch für den siebten Film: Eines Tages steht unangekündigt Heidis Zwilling Claudia vor der Tür. Dass die Frau noch nie Erwähnung fand, hat seinen guten Grund: Die Schwestern haben sich zerstritten, seit die eine der anderen einst den Mann abspenstig gemacht hat. Claudia hat irgendwann einen anderen geheiratet, aber der hat sie nun verlassen, und deshalb braucht sie Geld für einen Neustart auf Mallorca. Da ihr sowohl von Heidis Pension wie auch von Tonis Restaurant jeweils die Hälfte gehört, käme ein stattliches Sümmchen zusammen, aber für die beiden Betreiberinnen wäre es der sichere Ruin, wenn sie Claudia ausbezahlen müssten. 

Das ist als Handlung natürlich nicht sonderlich aufregend. Sehenswert ist "Meine Mutter gibt es doppelt" dennoch: weil es Margarita Broich ausgesprochen überzeugend gelingt, zwei unterschiedliche Frauen zu verkörpern. Bei derartigen Doppelrollen lauert stets die Gefahr der jeweiligen Übertreibung, aber die erfahrene Schauspielerin hat es geschickt vermieden, in Klischees zu verfallen, selbst wenn die Zwillinge sehr verschieden sind: Während Heidi ihr Herz auf der Zunge trägt, ist die ohnehin etwas steife Claudia nach der zweiten großen Enttäuschung ihres Lebens das Gegenteil einer rheinischen Frohnatur. Natürlich tragen auch Kostümbild und Maske ihren Teil dazu bei, dass die beiden unverwechselbar sind, aber Broich versieht die Zweitrolle zudem mit einer anderen Körperspannung und einer etwas aktzentuierteren Sprechweise. Technisch ist das ohnehin so gut gelöst, als agierten hier tatsächlich zwei Schauspielerinnen (Regie: John Delbridge).

Da sich der zentrale Konflikt auf die Schwestern konzentriert, bleiben für Diana Amft nur zwei Nebenebenen, die prompt deutlich weniger fesselnd ausgefallen sind. Toni zieht zu ihrer besten Freundin, aber die beiden entpuppen sich als komplett inkompatibel. Hier die ordnungsliebende Toni, die ähnlich wie ihre Mutter eine gewisse Neigung zur Übergriffigkeit hat, dort die leicht chaotische Andrina (Nagmeh Alaei), deren Wohnung völlig überladen ist: Schon am ersten Tag zeigt sich, dass das nicht gut gehen kann; aber Tonis Zimmer im Mutterhaus ist schon ausgeräumt, um für Pensionsgäste zur Verfügung zu stehen. 

Die dritte Ebene behandelt ein typisches Restaurantthema: Koch Sebastian (Lucas Prisor) hat einen Tipp bekommen, dass demnächst ein Gastrokritiker vorbeischauen wird. Dummerweise leidet er unter einer Erfolgshemmung, macht entsprechend viele Fehler und ist fortan am Boden zerstört, weil er sich am Ende seiner Karriere wähnt. Toni versteht die ganze Aufregung gar nicht, was allerdings voraussetzt, dass das Publikum ein ebenso schlechtes Gedächtnis hat wie sie selbst. Zum Start der Reihe hat Pfannenschmidt dafür gesorgt, dass sich ihr Lebensweg mit dem von Starkoch Rufus (Stephan Luca) kreuzt, indem er die Redaktion eines Gourmetführers einen fatalen Fehler machen ließ: Ihre jeweiligen Etablissements hießen beide "Kupferkanne", aber mit dem eigentlich für Rufus bestimmten Stern durfte sich fortan Toni schmücken. Sie weiß also sehr wohl, wie wichtig solche Formen der Anerkennung für Köche sind. 

Wenig Neues gibt es dagegen von den Nebenrollen. Nikolaus Benda verkörpert Tonis Ex-Freund, den bekennenden Schnurrbartträger und Sportwagenfahrer Hans-Jürgen, zwar unangenehm authentisch, aber die Figur bleibt der dumme August der Reihe. Postbote Hase hingegen ist auch dank Stephan Bieker immer wieder ein Vergnügen und zudem ein unerschöpflicher Quell tiefgründiger Weisheiten ("Unter jedem Dach ein Ach"). Die Geschichte, im Grunde ohnehin keine Komödie, wandelt sich im letzten Akt zu einem Drama mit tragischem Ende, aber Bieker gelingt es tatsächlich, dem schmerzlichen Schluss eine heitere Note abzugewinnen. 

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