Lindner-Hochzeit für Mehrheit der Deutschen unangemessen

Bundesfinanzminister Christian Lindner nd seine Frau Franca Lehfeldt kommen nach der kirchlichen Trauung aus der Kirche St. Severin.

© Axel Heimken/dpa

Mit Blick auf die aktuellen Krisen empfinden 54 Prozent der Deutschen die luxuriöse Hochzeit von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) als unangemessen.

Umfrage zu Christian Lindner
Lindner-Hochzeit für Mehrheit der Deutschen unangemessen
Die Mehrheit der Menschen in Deutschland findet es einer Studie zufolge mit Blick auf die aktuellen Krisen unangemessen, dass Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) eine luxuriöse Hochzeitsfeier auf Sylt veranstaltet hat.

Nur 33 Prozent der Befragten hielten die Feierlichkeiten für angemessen oder eher angemessen, berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin "Stern" unter Bezug auf eine in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. 54 Prozent sagten, diese seien eher nicht angemessen oder auf keinen Fall angemessen.

Aufgeschlüsselt nach den Wahlabsichten der Befragten zeige sich in der Umfrage, dass die Anhänger:innen fast aller im Bundestag vertretenen Parteien die Hochzeitsfeierlichkeiten des FDP-Politikers und seiner Ehefrau Franca Lehfeldt mehrheitlich als nicht angemessen betrachteten, hieß es weiter. Lediglich unter der Anhängerschaft der Liberalen finde sich eine deutliche Mehrheit von 67 Prozent, die die Hochzeitsfeier in Ordnung finde.

Der Studie zufolge gebe es auch einen Unterschied in der Einschätzung bei den Geschlechtern. Während 48 Prozent der befragten Männer die Hochzeitsfeier für nicht angemessen hielten (37 Prozent meinten angemessen), seien es 59 Prozent der Frauen (30 Prozent meinten angemessen).

Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des "Stern" den Angaben zufolge je nach Fragestellung zwischen 5.006 und 5.040 zufällig ausgewählte Personen am 11. und 12. Juli befragt. Die Fehlertoleranz liege je nach Fragestellung zwischen bei 2,5 und 7,5 Prozent.

Lindner: Kirchlicher Segen "war mir wichtig"

Lindner (FDP) hatte die Bedeutung des kirchlichen Segens für seine Ehe mit der Journalistin Franca Lehfeldt betont. "Es gibt ein Mehr, das über uns beide und unser gemeinsames Leben hinausweist. Das in einem Gottesdienst zu bedenken und den Segen zu empfangen, war mir wichtig", sagte er dem Magazin "chrismon". Lindner und Lehfeldt hatten sich am Wochenende kirchlich auf Sylt trauen lassen, obwohl sie keine Kirchenmitglieder sind.

Lindner sagte, er habe seinen Amtseid im vergangenen Jahr bekanntlich auf Gott geschworen. Aus einer Kirche auszutreten, bedeute schließlich nicht, aus jeder Form der Spiritualität auszutreten.

Er nahm auch die evangelische Kirchengemeinde in Schutz. "Nach meinem Verständnis kommt doch der individuellen Entscheidung im Protestantismus eine besondere Rolle zu. Ich dachte, dass das damit verbundene Vertrauen auf den einzelnen Seelsorger die evangelische Glaubensgemeinschaft prägen würde. Warum wurde das Pfarrerin Zingel nicht zuteil?", sagte er. Die Pastorin Susanne Zingel hatte den Traugottesdienst in der evangelischen Kirche St. Severin in Keitum gehalten. Ob die Gemeinde für die Trauung Spenden erhalten hat, wollte Lindner nicht mitteilen. Der Gemeinde sei aber kein wirtschaftlicher Nachteil entstanden.

Lindner sagte, Zingel habe ihn in seinem Nachdenken bestärkt, eventuell in die evangelische Kirche einzutreten. Es gebe Hinweise, dass sich unter seinen Vorfahren schon im 16. Jahrhundert protestantische Theologen und Pfarrer befunden hätten. Ihn habe manche Reaktion jedoch verunsichert, sagte Lindner. In die katholische Kirche, aus der er im Alter von 18 Jahren ausgetreten sei, wolle er hingegen nicht wiedereintreten.

Der evangelische Bischof von Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, hatte die kirchliche Trauung von Lindner und Lehfeldt verteidigt. Zwar sehe die Lebensordnung der Nordkirche, zu der die Sylter Gemeinde gehört, vor, dass bei einer Trauung mindestens ein Partner Kirchenmitglied sein soll. Ausnahmen lägen jedoch im Ermessen des Seelsorgers.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hatte in ihrer Kolumne für "Bild am Sonntag" kritisiert, hier sei es nicht um christlichen Inhalt, sondern um eine Kulisse gegangen.

evangelisch.de berichtete seit Samstag über das Ereignis: "Billiger Segen oder Großzügigkeit? Lindner heiratet kirchlich, ohne Mitglied zu sein".

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