Bei #einfachheiraten wird Segen erfahrbar

Riesenrad auf dem Hessentag
Juliane Diel
Im Rahmen der EKD-Aktion"einfachheiraten" war es möglich, einen Segen im Riesenrad auf dem Hessentag Juni 2026 zu erhalten.
Heirats-Aktionstag der EKD
Bei #einfachheiraten wird Segen erfahrbar
Die evangelische Kirche will Menschen die Angst vor kirchlichen Ritualen nehmen. Ein Beispiel dafür ist die bundesweite Aktion "einfach heiraten" rund um den 26. Juni. Paare sollten es so leicht wie möglich haben, sagt der Theologe Carsten Haeske.

Mit der Hochzeitsaktion "einfach heiraten" kommt die evangelische Kirche nach Angaben des Theologen Carsten Haeske dem Wunsch vieler Menschen nach, stärker an der Gestaltung religiöser Rituale beteiligt zu werden. Dies sei etwa bei der Wahl ungewöhnlicher Orte für eine Trauung oder bei der Auswahl der Musik der Fall, sagte der stellvertretende Leiter des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung der westfälischen Landeskirche dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bei "einfach heiraten" können sich Paare rund um den 26. Juni an bundesweit rund 370 Orten evangelisch trauen oder segnen lassen - auch spontan. Hintergrund für die Aktion ist nach Haeskes Worten auch die sinkende Zahl kirchlicher Trauungen. Daher gehe es darum, Hemmschwellen gegenüber Kirche ebenso abzubauen wie Bürokratie. "Wir wollen es für Paare so leicht wie möglich machen, zu heiraten oder den Segen zu empfangen", sagte der Pfarrer und Pädagoge.

Bei "einfach heiraten" sei Kirche im Event-Modus, "um Segen erfahrbar zu machen". Dazu gehören festliche Atmosphäre, Musik und Dekoration, für die die Veranstalter sorgen.

Frisch Verliebte und ältere Paare

Für die evangelischen Landeskirchen im Rheinland und in Westfalen ist die Aktion eine Premiere. Alle Paare sind laut Haeske willkommen, unabhängig von Alter, Herkunft oder sexueller Orientierung. Wünschen sie eine Hochzeit, muss einer der Partner evangelisch sein und die standesamtliche Trauung nachgewiesen werden. Eine Segnung ist dagegen voraussetzungslos.

Aus anderen Landeskirchen wisse man, dass auch Paare ohne Trauschein oder frisch Verliebte kommen, sagte der westfälische Pfarrer. Ältere Paare, bei denen einer der Partner oder auch beide verwitwet sind, erbitten nach seinen Worten in der Regel den Segen, obwohl sie lieber heiraten würden. Sie fürchten aber, dass sie oder ihr Partner dann den Rentenanspruch als Witwe oder Witwer verlieren würden.

Moderne Formen kirchlicher Amtshandlungen

Auch bei anderen kirchlichen Amtshandlungen entwickeln sich neben den traditionellen Formen moderne Varianten. Dazu gehörten Tauffeste für viele Täuflinge zum Beispiel an Flüssen und Seen sowie inzwischen auch "Drop-in"-Taufen, zu denen Menschen sich auch spontan einfinden könnten, erklärte Pfarrer Haeske.

 

In großen Städten wie Hamburg, Essen oder Berlin wurden evangelische "Kasualagenturen" oder "Segensbüros" eingerichtet, die sich mit Gemeinden vernetzen und kreative Rituale entwickeln - beispielsweise auch für Trauerfeiern. Für konfessionslose Jugendliche bieten Kirchen in Ostdeutschland sogenannte Lebenswende-Feiern an.

für evangelisch.de war war auch Redaktionspfarrer Frank Muchlinsky bei einer Aktion von #einfachheiraten dabei.

Belebung traditioneller Rituale

Die neuen Trends haben in der Kirche auch Kritiker auf den Plan gerufen. Sie sehen in der Event-Orientierung die Gefahr von Beliebigkeit und einer Verwässerung des "theologischen Kerns". Andere stören sich daran, dass die Segensrituale auch für Nicht-Kirchenmitglieder kostenlos stattfinden. Haeske hält dem entgegen, dass man ohne niedrigschwellige Angebote viele Menschen nicht erreichen könne: Die Aktion "einfach heiraten" diene dem Image der kirchlichen Trauung insgesamt und belebe auch traditionelle Rituale.