Neue Maßnahmen gegen Missbrauch eingeleitet

Baptistische Kirche in Florida

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Schärfere Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch wurden beim Jahrestreffen der SBC, der größten protestantische Kirche in den USA, getroffen.

Jahrestreffen der US-Baptisten
Neue Maßnahmen gegen Missbrauch eingeleitet
Eine deutliche Mehrheit der 8.000 Delegierten hat sich beim Jahrestreffen der konservativ geprägten Southern Baptist Convention (SBC) am Dienstag für schärfere Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch ausgesprochen.

Die SBC ist die größte protestantische Kirche in den USA.
Der Umgang mit einem vor wenigen Wochen veröffentlichten Untersuchungsbericht über Missbrauch in den eigenen Reihen stand im Mittelpunkt des ersten Versammlungstages im kalifornischen Anaheim. Laut der Studie der Beraterfirma "Guidepost Solutions" wurden Missbrauchsbetroffene in der SBC viele Jahre lang ignoriert und eingeschüchtert.

Die Delegierten stimmten für die Einrichtung einer Datenbank mit Namen von glaubhaft beschuldigten Pastoren und Kirchenmitarbeitern. Die Jahresversammlung sprach sich zudem für eine neue SBC-Arbeitsgruppe aus. Sie soll im Guidepost-Bericht angeregte Reformmaßnahmen koordinieren, darunter Zahlungen zugunsten Betroffener von Missbrauch. Die Arbeitsgruppe soll zudem Gemeinden und Kirchengremien bei Missbrauchsprävention und Opferschutz zur Seite stehen.

Zudem wählten die Delegierten Bart Barber, Pastor der First Baptist-Kirche in Farmersville in Texas, mit 3.401 Stimmen zum neuen SBC-Präsidenten. Pastor Tom Ascol von der Grace Baptist-Kirche in Cape Coral in Florida erhielt 2.172 Stimmen. Ascol gilt als Vertreter des konservativen Flügels der Kirche. Er hatte die Beraterfirma Guidepost Solution attackiert. Guidepost habe auf seiner Website eine Regenbogenfahne gepostet und dazu geschrieben, die Firma sei stolz, die LGBT+-Community zu unterstützen.

Der scheidende SBC-Präsident Ed Litton dankte den Missbrauchsbetroffenen für ihre Aussagen im Bericht. Er rief die Versammelten zur Demut und zum Mitgefühl mit anderen Menschen auf. Möglicherweise gingen die Taufzahlen zurück, weil die Südlichen Baptisten nicht als liebende Gemeinschaft wahrgenommen würden. Der Präsident des Rates für Internationale Mission, Paul Chitwood, verlangte mehr Missionseifer. Verkündigung sei der dringlichste Auftrag, und viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt hätten noch nie von Jesus Christus gehört. Diese Unbekehrten kämen nach dem Tod in die Hölle.


Der Verband der SBC-Pastoren wählte Daniel Dickard von der Friendly Avenue Baptist-Kirche in Greensboro (US-Staat North Carolina) mit 690 Stimmen zum Präsidenten. Die Südlichen Baptisten sind eine der wenigen großen protestantischen Glaubensgruppen, in denen das Pastorenamt Männern vorbehalten ist. 2006 gehörten dem Verband 16,3 Millionen Gläubige an. Inzwischen beklagt die Kirche einen deutlichen Mitgliederschwund. Laut dem jüngsten Jahresbericht ist die Zahl der Mitglieder von 2020 auf 2021 um rund 409.000 auf 13,7 Millionen zurückgegangen. Die Jahresversammlung endet am Mittwoch.

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