"Hambacher Freiheitspreis 1832" für Gauck

Altbundespräsident Joachim Gauck

© Rolf Zoellner

Bei seinem Amtsantritt als Bundespräsident freute sich Joachim Gauck 2012 uneingeschränkt über das deutsche "Demokratiewunder". Bei seinem Abschied aus dem höchsten Staatsamt fünf Jahre später warnte er dann vor Gefahren für genau diese Demokratie.

Altbundespräsident ausgezeichnet
"Hambacher Freiheitspreis 1832" für Gauck
Für sein Engagement für Freiheit und Demokratie hat der frühere Bundespräsident Joachim Gauck am Sonntag den mit 10.000 Euro dotierten "Hambacher Freiheitspreis 1832" erhalten. Der Mut zur Freiheit zeichne den 82-jährigen evangelischen Theologen und ehemaligen DDR-Bürgerrechtler sowie dessen öffentliches Wirken in herausragender Weise aus, erklärte die Preisjury.

Die Stadt Neustadt an der Weinstraße verlieh die erstmals vergebene Auszeichnung im Rahmen eines dreitägigen Demokratiefestes, das in Neustadt und auf dem nahe gelegenen Hambacher Schloss stattfand. Mit dem Preis wollen die Stadt Neustadt und die Stiftung Hambacher Schloss alle zwei Jahre Persönlichkeiten auszeichnen, die sich besonders für die Freiheit eingesetzt haben.

In ihrer Laudatio würdigte die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst als Mitglied der Preisjury laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript Gauck als einen "Meister der Intervention", wenn es um die Verteidigung der Freiheit und Demokratie gehe. Seine Zeit als Bundespräsident von 2012 bis 2017 zeuge von einem zutiefst demokratisch gesinnten Menschen, für den Worte wie Freiheit, Verantwortung und Toleranz keine leeren Begriffe seien. Gaucks Eintreten dafür habe viel mit einer vernunftorientierten Menschenliebe zu tun. Diese orientiere sich an den Schwachen und ertrage keinen Hass und keine Intoleranz, weil dies Gemeinschaft zerstöre, sagte Wüst.

Bereits im "Unrechtsregime" der DDR, das alle demokratischen Werte mit Füßen getreten habe, habe Gauck als Pfarrer und Prediger besonders im Umbruchjahr 1989 gegen Machtmissbrauch und für Verantwortung in der Welt interveniert, sagte Wüst. Zehn Jahre lang habe er sich zudem als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen gegen das Vergessen von Unrecht und für die Wahrheit eingesetzt.

Der "Hambacher Freiheitspreis 1832" bezieht sich auf das Hambacher Fest vom 30. Mai 1832. Dieses gilt als erste politische Massenveranstaltung in Deutschland, bei der etwa 20.000 bis 30.000 Menschen aus den deutschen Bundesstaaten, aus Polen, Frankreich und Großbritannien für Freiheit und Demokratie demonstrierten.

Zudem verlieh die Stadt Neustadt den mit 2.500 Euro dotierten lokalen Johann-Philipp-Abresch-Preis an die Schubert-Schule Neustadt, die einen Förderschwerpunkt Lernen hat. Mit ihren Projekten und Aktionen leisteten die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Lehrkräften einen wichtigen Beitrag zur Demokratieförderung und Demokratieerziehung, hieß es.

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