TV-Tipp: "Endlich Witwer – Forever Young"

TV-Tipp

© Getty Images/iStockphoto/vicnt

11. April, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Endlich Witwer – Forever Young"
Vor vierzig Jahren waren Petra, Jürgen und Georg unzertrennlich, aber dann kam es zu einem Vorfall, der die Freundschaft abrupt beendete. Georg hofft auf ein fröhliches Wiedersehen, aber die Wunden der Vergangenheit sind noch nicht geheilt.

"Endlich Witwer" war die vielleicht beste TV-Komödie des Jahres 2019. Den Anstoß hatte Joachim Król gegeben: Der beliebte Schauspieler wollte gern mal einen Typen wie Alfred Tetzlaff aus der WDR-Kultserie "Ein Herz und eine Seele" verkörpern. Also hat ihm Martin Rauhaus einen Misanthropen auf den Leib geschrieben, der nach dem Tod der Gattin erst mal den Kühlschrank von oben bis unten mit Bier auffüllt. Natürlich erlebte Georg Weiser im Verlauf der Handlung eine gewisse Läuterung, aber eckig und kantig blieb er dennoch.

Dank des Drehbuchs mit seinen formidablen Dialogen, einer kongenialen Umsetzung (Pia Strietmann) und der mit dem Deutschen Fernsehpreis gewürdigten Verkörperung des Titelgrantlers war "Endlich Witwer" ziemlich nah an der Perfektion. Eine Fortsetzung muss sich also an sehr hohen Maßstäben messen lassen; und welche Geschichte könnte sie überhaupt erzählen?

Die Antwort ist einfach: eine völlig andere. Anca Miruna Lăzărescu (Buch und Regie) bedient sich zwar der gleichen Figuren, aber es sind keinerlei Vorkenntnisse nötig, um auch "Endlich Witwer – Forever Young" genießen zu können. Davon abgesehen gelingt dem Film das Kunststück, gleichzeitig Prequel und Sequel zu sein, Vorgeschichte und Fortsetzung in einem, denn die gebürtige Rumänin schickt ihren Titelhelden auf einen Trip, der sich als Reise in die Vergangenheit entpuppt: Georg will mit dem Wohnmobil nach Marokko und macht einen Abstecher zu einem Bauernhof, den ein Aussteigerpaar zur Ruheoase für gestresstes Führungspersonal umfunktioniert hat.

Vor vierzig Jahren waren Petra (Martina Gedeck), Jürgen (Peter Lohmeyer) und Georg ein unzertrennliches Trio, aber dann kam es zu einem Vorfall, der die Freundschaft abrupt beendete. Deshalb entpuppt sich Georgs Hoffnung auf ein fröhliches Wiedersehen auch als frommer Wunsch: Der Empfang ist ausgesprochen frostig, die beiden machen ihm unmissverständlich klar, dass seine Anwesenheit nicht erwünscht ist. Also setzt er sich wieder in sein Wohnmobil, und so wäre der Film nach fünf Minuten bereits vorbei, wenn ihm nicht die Kupplung einen Streich spielen würde. Nun müssen Petra und Jürgen ihn notgedrungen ein paar Tage aushalten, bis das Ersatzteil eintrifft.

Wie die Sache weitergeht, ist klar: Erst mal kommen alte Rechungen auf den Tisch, dann werden Demo-Erinnerungen ausgetauscht, schließlich kifft man zusammen, und plötzlich ist alles ein bisschen wie früher; einschließlich der wiedererwachten Gefühle. Das klingt nicht sonderlich aufregend, aber das ist ja auch nur das Handlungsgerüst. Lăzărescu hat sich für diesen Film unter anderem durch "Glück ist was für Weicheier" (2019) empfohlen. Der von der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel koproduzierte Kinofilm war ein sehr berührendes und toll gespieltes Drama über eine Zwölfjährige, die auf bizarre Weise ihre unheilbar kranke Schwester retten will. Auch "Endlich Witwer 2" zeichnet sich durch eine formidable Ensemble-Leistung aus, was allerdings nicht weiter verwunderlich ist: Mit Król, Gedeck und Lohmeyer zu arbeiten dürfte ein ähnliches Vergnügen sein wie Bayern München zu trainieren. 

Trotzdem sorgt das Drehbuch immer wieder für Überraschungen, und das nicht nur wegen eines Giftmüllskandals, der schließlich viel Aufregung stiftet. Über allem schwebt zunächst natürlich die Frage, welches Ereignis das Trio damals derart entzweit hat. Außerdem erzählt Lăzărescu, wie es passieren konnte, dass Georg, tief in seinem Herzen Revolutionär, als Kunstrasenverkäufer exakt jener Spießer geworden ist, der er nie werden wollte. Um dies zu verdeutlichen, konfrontiert ihn die Regisseurin mit seinem jugendlichen Alter Ego (Matti Schmidt-Schaller).

Anschließend kommt auch noch sein Sohn Gerd (Tristan Seith) ins Spiel. Das Verhältnis zwischen den beiden ist etwas schwierig, aber schon im ersten Film hat Gerd bewiesen, dass er weitaus mehr drauf hat, als der Alte ihm zutraut. Lăzărescu belohnt ihn dafür mit einer Romanze: Gerd ist zunächst vom Auto fasziniert, aber dann ganz flott auch von der Fahrerin (Susanne Bormann), was zur witzigsten Szene des Films führt, als Georg in seinem Wohnmobil ein Gespräch der beiden "synchronisiert". 

Bemerkenswert ist auch das ästhetische Konzept. Die Regisseurin hat die im Herbst spielende Handlung in entsprechende Farben getaucht, die nicht nur Bildgestaltung (Jan-Marcello Kahl) und Ausstattung (Gabriele Wolff) prägen. Das erdige Rotbraun sorgt für eine angenehme Heimeligkeit und findet sich auch in Seiths Bart und Gedecks Haaren wieder. Abgerundet wird der überaus sympathische Gesamteindruck durch eine vorzügliche Bottleneck-Musik (Martina Eisenreich) sowie die gezielt eingesetzten Songs aus der Kindheit und Jugend des Trios. 

Mehr zu TV-Tipp
TV-Tipp
Die Eifersucht zweier Schwestern endet tragisch. Rund um den Fall entwickelt sich eine handlungsreiche Geschichte, bei der auch die bretonische Landschaft rund um die berühmte Smaragdküste ausführlich in Szene gesetzt wird.
Fernseher vor gelbem Hintergrund
Dieser Film will belegen, dass ein paar Chemiekonzerne in den letzten dreißig Jahren mit ihren Insektiziden weltweit und systematisch das Ökosystem zerstört haben. In der Dokumentation wird auch deren Lobby- und PR-Arbeit durchleuchtet.