Rheinische Kirche will Klimaneutralität und Impfgerechtigkeit

digitale Landessynode Rheinland unter Corona-Bedingungen mit Videokonferenz

© epd/Hans-Jürgen Bauer

Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagte in diesem Jahr coronabedingt erneut digital.

Abschluss Synode
Rheinische Kirche will Klimaneutralität und Impfgerechtigkeit
Veränderungen des kirchlichen Lebens und politische Stellungnahmen: Die rheinische Kirche legte am letzten Tag ihrer fünftägigen Landessynode per Videokonferenz einen regelrechten Parforceritt hin. Bis in den Abend wurde lebhaft diskutiert.

Klimaschutz, Haushalt, Impfstoffverteilung und Kirchenwahlen: Zum Abschluss ihrer fünftägigen Landessynode hat die Evangelische Kirche im Rheinland zahlreiche Beschlüsse zu gesellschaftlichen Fragen und zum kirchlichen Leben gefasst.

Unter anderem entschied das Parlament, dass die zweitgrößte deutsche Landeskirche mit über 2,3 Millionen Mitgliedern bis 2030 klimaneutral werden soll. Kirchliche Gremien sollen diverser besetzt werden und Presbyterien (Gemeindeleitungen) künftig auch digital gewählt werden können.

Die Bekämpfung der Erderwärmung sei eine Jahrhundertaufgabe und auch eine theologische Frage, sagte der oberste Repräsentant der Landeskirche, Präses Thorsten Latzel. Die Klimaschutz-Maßnahmen auf allen Ebenen der Kirchen kosteten zwar Geld, nicht zu investieren würde aber teurer, hieß es. Zudem dürfe die Kirche die Verantwortung für den Klimaschutz nicht auf künftige Generationen abschieben. Unter anderem sollen Heizungsanlagen optimiert und Strom nur noch aus zertifizierten regenerativen Quellen bezogen werden.

Mit der EU-Flüchtlingspolitik ging die Synode hart ins Gericht, Oberkirchenrätin Barbara Rudolph sprach von "immer dreister und offensichtlicher" werdenden Rechtsbrüchen. Die EU müsse zu einer humanitären und an menschenrechtlichen Standards orientierten Politik finden, forderte die Synode als oberstes Organ der rheinischen Kirche. Völkerrechtswidrige Zurückweisungen an den Grenzen müssten gestoppt werden. Nötig seien stattdessen legale und sichere Zugangswege für Geflüchtete sowie Resettlement- und Aufnahmeprogramme.

Gremien sollen diverser werden

Mit Blick auf die Corona-Impfstoffe fordert die rheinische Kirche eine bessere weltweite Verteilung. Die Länder des globalen Südens müssten bei ihren Impfkampagnen und beim Aufbau eigener Produktionskapazitäten für Impfstoffe unterstützt werden. Geprüft werden solle eine Unterstützung der Initiative zur vorübergehenden Aufhebung des Patentschutzes für Impfstoffe.

Die digitale Wahl der Presbyterien in den 643 Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saar wird als zusätzliches Angebot zu Urnengang und Antrags-Briefwahl angeboten. Dies soll für eine höhere Wahlbeteiligung und damit eine größere Legitimation der Gremien sorgen. Falls nicht genügend Kandidatinnen und Kandidaten auf der Vorschlagsliste stehen, soll Gemeinden zudem gestattet werden, ihre Leitungsgremien auf einer Gemeindeversammlung zu bestimmen.

Einnahmen steigen, die Inflation aber auch

Landeskirche, Kirchenkreise und Gemeinden der rheinischen Kirche sollen bei der Besetzung ihrer Leitungsgremien künftig auf mehr Vielfalt achten. Vor allem junge Menschen, nicht-bürgerliche Milieus und Menschen mit Migrationsgeschichte sind auf allen Ebenen bisher deutlich unterrepräsentiert, wie der "Gleichstellungs- und Diversitätsatlas 2022" zeigt. Quoten für bestimmte Gruppen sind aber nicht geplant.

Auch im Blick auf ihr Leitungspersonal traf die Landessynode eine wichtige Entscheidung: Die Bonner Theologin Wibke Janssen (56), Leiterin des Theologischen Ausschusses, wurde zur neuen Oberkirchenrätin und Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene gewählt. Sie tritt zum 1. September die Nachfolge von Barbara Rudolph (64) an, die aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand geht.

Finanziell blickt die zweitgrößte Landeskirche relativ gelassen in die nähere Zukunft: Nach einem Plus von vier Prozent in 2021 werde in diesem Jahr mit einer weiteren Zunahme der Kirchensteuereinnahmen um zwei Prozent gerechnet, teilte Finanzchef Henning Boecker mit. Das geschätzte Netto-Kirchensteueraufkommen wird demnach bei 719 Millionen Euro liegen. Wegen der hohen Inflation insbesondere durch steigende Energiekosten werde die Landeskirche aber real von den Steigerungen nichts haben.

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