Witze über den Islam: "Fünf sind harmlos, einer ist tödlich"

dpa/Henning Kaiser

Solange gegenseitiger Respekt vorhanden ist, sagt der Imam Ali Özgür Özdil, sind Witze und Karikaturen kein Problem. Die Rechtsextremen von Pro NRW allerdings lassen diesen Respekt oft vermissen.

Witze über den Islam: "Fünf sind harmlos, einer ist tödlich"
Pro NRW und Salafisten liefern sich Prügeleien auf deutschen Straßen - Auslöser waren Karikaturen des Propheten Mohammed, die die Demonstranten mit sich trugen. Warum funktioniert diese gezielte Provokation so gut, und muss das so sein? Ein Gespräch mit dem Imam und Islamwissenschaftler Ali Özgür Özdil über Muslime, Humor und Scherze des Propheten.

Herr Özdil, wie man auf der Poetry-Slam-Veranstaltung "i,Slam" in Köln sehen und hören konnte, haben Sie Humor. Sie machen sich auf geistreiche Weise darüber lustig, wie in Deutschland über Islamisten gedacht wird und auch, wie diese sich präsentieren. Muslime und Humor, geht also doch... oder sind Sie eher ein Einzelfall?

Ali Özgür Özdil: Würde es Sie verwundern, wenn ich sagte, in meinem Privatleben bin ich ein Comedian? Natürlich bin ich kein Einzelfall. In den USA gibt es eine Gruppe von Muslimen, die sich "Allah made me funny" nennt und sogar durch die Welt tourt. Ich kenne auch Imame, die sehr lustig sein können, sogar bei Predigten.

Wie weit darf Humor im Bezug auf den Islam gehen?

Özdil: Es heißt, Witze über Muslime erzählen sei wie Russisches Roulette spielen: Fünf sind harmlos, einer ist tödlich. Man weiß nur nicht welcher. Aber Scherz beiseite: Das kann man gar nicht generalisieren, weil es immer sehr individuell ist, wer was lustig findet und wer nicht. Sie meinen aber sicherlich, ob es gewisse religiöse Regeln gibt. Das ist meines Erachtens eine ethische Frage, so dass jeder sagen kann, ich finde dies nicht in Ordnung oder ich finde jenes beleidigend. Der Koran verbietet zum Beispiel Muslimen, die Götzen der Götzendiener zu beleidigen, damit diese nicht ihrerseits auf Gott fluchen. Solange der gegenseitige Respekt gewahrt ist, kann man sicherlich über sich und über andere lachen.

"Der Prophet hat selbst Scherze gemacht oder über Scherze gelacht"

Darf auch über den Propheten Mohammed gelacht werden? Wenn nein - warum eigentlich nicht?

Özdil: Es gibt im Islam keine Aussage, die besagt, ihr dürft über bestimmte Leute lachen und über bestimmte Leute nicht. Der Prophet hat selbst Scherze gemacht oder über Scherze gelacht. Schließlich ist Humor eine menschliche Tugend und der Islam verbietet das nicht. Aber er hat nicht erlaubt, dass dabei gelogen wird, womit eine Grenze gesetzt wird.

Christen regen sich nicht so auf, wenn über Jesus gewitzelt wird und Karikaturen von ihm kursieren.  Muslime gehen deswegen auf die Straße, demonstrieren und werden auch gewalttätig -  so auch in Köln. Dort gab es am vergangenen Wochenende gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Pro-NRW-Anhängern, die Plakate mit Mohammed-Karikaturen trugen. Wie war Ihre Reaktion auf die Nachricht, dass ein Salafist drei Polizisten mit einem Messer verletzt hat? 

Özdil: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auch Christen gibt, die es nicht lustig finden, wenn über Jesus gewitzelt wird. Was den Mann angeht, der die Polizisten verletzt hat, ist ein Mensch mit einer solch kriminellen Energie sicherlich nicht nur gefährlich, wenn es um die besagten Karikaturen geht. Wo kämen wir hin, wenn wir auf jede Provokation mit Gewalt reagierten? Es gibt ja auch umgekehrt Muslime, die Nichtmuslime beleidigen oder provozieren. Würde das ebenfalls Gewalt legitimieren? Um die Polizisten und ihre Familien tut es mir Leid.

"Hier prallen zwei Minderheiten aufeinander, die mit der Gesellschaft nicht klarkommen"

Es ist doch offensichtlich, dass Pro NRW einfach provozieren will. Kann es sein, dass manche Muslime zu sensibel reagieren, wenn ihr Prophet karikiert wird? Selbstbewusste Muslime könnten sich doch ein Ei darauf pellen, um es mal lapidar auszudrücken, oder?

Özdil: Die meisten Muslime finden weder die Provokation von Pro-NRW noch die Gewalt einzelner Muslime in Ordnung, sondern bleiben besonnen. Das haben auch schon frühere Konflikte wie der sogenannte Karikaturenstreit im Jahre 2005 gezeigt. Hier prallen jedoch zwei Minderheiten aufeinander, die mit der Gesellschaft, in der sie leben, nicht klarkommen. Sie machen sie durch ihre Aktionen aber leider nicht zu einer besseren Gesellschaft.

Was empfehlen Sie ihren Glaubensbrüdern und -schwestern?

Özdil: Die Karikaturen bilden meines Erachtens nicht den Propheten Muhammad ab, sondern das Islambild derjenigen, die sie zeichnen. Diese nehmen den Islam als gewalttätig und gefährlich wahr. Wem die Karikaturen nicht gefallen, der sollte sich bemühen, ein besseres Bild des Islam zu zeichnen. Ansonsten bestätigen meine muslimischen Geschwister nur die Bilder, die über sie vorherrschen.