Kirche kann Polarisierung entgegenwirken

Thomas de Maizière

© Kay Nietfeld/dpa

Der PräsidenDer Präsident des Evangelischen Kirchentags 2023, Thomas de Maizière, wirbt für Kompromissbereitschaft in der Gesellschaft und unterstreicht die Bedeutung der Kirche für den Zusammenhalt.

Thomas de Maizière
Kirche kann Polarisierung entgegenwirken
Der frühere Bundesinnenminister de Maizière und die Präses der EKD-Synode, Heinrich, werben dafür, dass sich Christen auch in polarisierende Debatten einmischen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt wieder zu stärken.

In einer sich polarisierenden Gesellschaft sollte die Kirche nach Ansicht des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maizière den Zusammenhalt stärken, aber auch ihre Positionen vermitteln. Sie könne ein gutes Beispiel dafür geben, mit einer versöhnenden statt spalterischen Art miteinander umzugehen, sagte de Maizière in Berlin bei einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Mit der Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, diskutierte der CDU-Politiker über die EKD-Publikation "Vielfalt und Gemeinsinn", die zuvor der Öffentlichkeit vorgestellt worden war.

De Maizière sagte, die Publikation beschreibe aus theologischer Sicht die Haltung, mit der Christen sich in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen einmischen. Was für die Gesellschaft daraus folge, dazu fehlten ihm in der Schrift aber konkrete Aussagen. Sie lasse offen, wer was mit wem aushandele und insbesondere, wo Grenzen zu setzen seien, etwa bei Diskriminierung, sagte de Maizière. Frühere Denkschriften der Kirche hätten sich mit politischen Forderungen an die ganze Gesellschaft gerichtet, wobei ihm persönlich diese teils zu weit gegangen seien, erklärte der 67-Jährige, der auch der Präsident des Evangelischen Kirchentags 2023 in Nürnberg ist.

In der Publikation mit dem Titel "Vielfalt und Gemeinsinn" wirbt die EKD für mehr Kompromissbereitschaft in der Gesellschaft und unterstreicht die Bedeutung der Kirche für den Zusammenhalt. Die Balance zwischen Vielfalt und Gemeinsinn ergebe sich nicht von selbst, heißt es in dem Papier.

Nicht auf sich selbst zurückziehen

Die Präses der EKD-Synode Heinrich erklärte, die Schrift beschreibe eine auf den Gemeinsinn orientierte Haltung, mit der sich Christinnen und Christen in öffentliche Diskurse einmischen sollten. Wenn dies viele täten, könnten sie etwas verändern. Die 25 Jahre alte Studentin Heinrich gab zu bedenken, dass es die Kirche angesichts der Informationsflut zunehmend schwer habe, gehört zu werden. Was sie zu sagen habe, werde daher häufig nur von jenen aufgenommen, die ohnehin vertraut mit dem Glauben seien. Dabei habe die Kirche Botschaften und Rituale anzubieten, die viele Menschen berühren könnten, wie etwa der Trauergottesdienst für die Toten der Corona-Pandemie.

De Maizière sagte, in der Corona-Pandemie habe jeder Virologe mehr Aufmerksamkeit erhalten als die Kirche mit dem, was der christliche Glaube für diese schwierige Zeit anzubieten habe, auch an Trost und Hoffnung. Er warnte davor, dass die Kirche sich angesichts ihrer schwindenden Bedeutung auf sich selbst zurückziehe. Wo sie nicht mehr Volkskirche sei, müsse sie vielmehr umso überzeugender agieren, um wahrgenommen zu werden.

Die Publikation "Gemeinsinn und Vielfalt" stammt aus der Kammer für Öffentliche Verantwortung der EKD, der neben Theologen auch Juristen, Wissenschaftler und Politiker angehören. Sie geht der Frage nach, wie Interessen unterschiedlicher Gruppen am besten in Ausgleich gebracht werden können und geht damit zum Teil auch auf die Debatten um "Identitätspolitik" und Geschlechtergerechtigkeit ein.

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