Heinrich: Kirche muss raus aus ihrer Blase

Anna-Nicole Heinrich, Präses der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), steht auf dem Holbeinsteg.

© Sebastian Gollnow/dpa

Anna-Nicole Heinrich ist vier Wochen lang durch Deutschland gereist, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Präses beendet Tour
Heinrich: Kirche muss raus aus ihrer Blase
Die evangelische Präses Anna-Nicole Heinrich hat zum Abschluss ihrer vierwöchigen Deutschlandtour ihre Kirche aufgerufen, mehr Netzwerke mit Partnern in der Zivilgesellschaft zu knüpfen.

"Die Präses-Tour hat für mich unterstrichen: Wir müssen raus aus der Bubble, wir brauchen andere Partner:innen für unsere Anliegen, wir müssen aber auch Moderator:innen und Impulsgeber:innen für Themen sein, die uns am Herzen liegen", sagte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch in Freiburg dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick etwa auf Klimawandel und soziale Gerechtigkeit. Die Erfahrungen aus ihrer Präses-Tour will sie in die EKD-Synode im November einbringen.

Anna-Nicole Heinrich war vom 23. August bis 22. September auf einer Erkundungstour quer durch Deutschland unterwegs. Sie sei zwischen Flensburg und Freiburg von Stadt zu Stadt gefahren, um spontan Leute zu treffen und zu sehen, was die Menschen aktuell bewegt, sagte sie. Dabei habe sie sehen wollen, was Menschen in der Kirche ein Zuhause bieten kann und wo Menschen aus allen Altersgruppen "bei uns andocken können".

Sie habe bei ihrer Tour eine große Offenheit der Menschen für spirituelle Themen beobachten können, fügte Heinrich hinzu. Zwar nähmen die meisten Menschen mit Blick auf die Institution durchaus noch wahr, dass es eine katholische und eine evangelische Kirche gibt. In der Ausübung des Glaubens spiele das ihrer Einschätzung nach jedoch eine geringe Rolle, sagte die 25-jährige Masterstudentin. Viele Menschen seien in erster Linie auf der Suche nach spirituellen Räumen und Orten. Wo sie die schließlich finden, habe keine so große Bedeutung.

Sie sei auf ihrer Tour mit vielen Menschen ganz zwanglos ins Gespräch gekommen, sagte Heinrich weiter. Es sei "keine Tür zugegangen, weil ich als Kirche oder als Christin wahrgenommen worden bin, eher hat das eine andere Neugier geweckt". Sie habe "keinerlei Störgefühle bei Gesprächspartner:innen" wahrgenommen. Die Idee der Tour sei ja gewesen, Menschen an der Peripherie der Kirche zu treffen und von Initiativen und Projekten zu lernen.

Ein Treffen mit dem Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) hatte am Mittwoch den Schlusspunkt der Präses-Tour von Heinrich gesetzt. In Freiburg ließ sie sich am Vormittag von Horn, der bei seiner Wahl der jüngste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt war, das Rathaus im Stühlinger vorstellen, das als eines der europaweit größten öffentlichen Netto-Plusenergie-Gebäude gilt.

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