Hochzeit um jeden Preis

Theresia und Martin Schroeder auf Rhodos in der Paulusbucht als Brautpaar

© epd-bild/Schroeder/Peter Geoffrey Lamb

Theresia und Martin haben sich im Sommer 2020 auf der griechischen Insel Rhodos das "Ja-Wort" gegeben. Rund 30 freiwillig angereiste Gäste waren dabei - trotz Corona-Pandemie.

Ja-Wort zu Corona-Zeiten
Hochzeit um jeden Preis
Eine große Hochzeit, ausgefallene Location, gerne im Ausland - das war in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Aber ein Fest über mehrere Tage, oft mit Dresscodes, ist teuer. Auch für die Gäste. Corona könnte eine Trendwende einleiten.

Türkisblaues Wasser, weißer Sandstrand. Theresia und Martin haben sich in der Paulusbucht auf der griechischen Insel Rhodos das "Ja-Wort" gegeben. Und das mitten in der Corona-Pandemie, im Sommer 2020. Rund 30 Gäste waren dabei. Mehr als erwartet, wie Theresia erzählt. Denn offiziell eingeladen war niemand, wie sie betont. Ihr Mann und sie wollten niemanden drängen, ins Ausland zu reisen. Trotzdem kamen Familie und Freunde.

Im Winter dieses Jahres soll dann noch einmal groß gefeiert werden - mit rund 100 Gästen, wie die 32-jährige Flugbegleiterin ankündigt. Geplant ist eine Weihnachtshochzeit mit Trauung und anschließendem Weihnachtsmarkt. Dann aber in Deutschland, in Biebergemünd im Main-Kinzig-Kreis - Theresias Heimatort.

Ehepaar Theresia und Martin Schroeder aus Offenbach planen noch eine große Weihnachtshochzeit mit Trauung und anschliessendem Weihnachtsmarkt.

"Destination-Weddings" wie die von Theresia und Martin auf Rhodos waren vor der Pandemie ein großer Trend, wie das Frankfurter Zukunftsinstitut analysiert hat. Bereits 2013 prognostizierten die Experten: Der Aufwand für Hochzeiten werde immer größer. Der Trend gehe zur Eventhochzeit. Medienformate wie die TV-Sendung "4 Hochzeiten und eine Traumreise" setzten die Maßstäbe hoch.

Branche verbußt 80 Prozent Umsatzverlust

Doch dann kam Corona. Und obwohl die Ehe laut einer repräsentativen Umfrage des Opaschowski Instituts für Zukunftsfragen für eine Mehrheit der jungen Deutschen nach wie vor das erstrebenswerte Ideal für ihr Leben darstellt: 2020 gab es vergleichsweise wenige Eheschließungen, wie der Bundesverband deutscher Hochzeitsplaner erklärt. Die Branche spricht von 80 Prozent Umsatzverlust.

Matthias Braun und seine Freundin wollten nicht warten und haben trotz Corona im vergangenen Jahr standesamtlich geheiratet. Die Einschränkungen machten den beiden nicht viel aus. Sie wollten bewusst im kleinen Kreis und ohne viel Aufwand feiern, wie der Mainzer Jugendpfarrer erzählt: "Wir wollten das nicht mitmachen, dieses Sich-Überbieten, wer die noch fettere Hochzeit feiert."

Trend zu "Tiny Weddings"

Svenja Schirk vom Bund deutscher Hochzeitsplaner sieht kleinere, individuellere Hochzeiten im Kommen: "Wir beobachten, dass Brautpaare ihre persönlichen Wünsche festlegen und mehr differenzieren als vor einigen Jahren. Es werden mehr ‚tiny weddings' gefeiert - klein und fein mit hübschen, ausgesuchten Details und viel Liebe zu Kleinigkeiten."

Als Beispiele nennt die Hochzeitsplanerin Mottofeiern wie 20er Jahre, Blumenhochzeit oder Black'n White. In den USA und Großbritannien sei das längst Standard. Schirk ist sicher: "Dies wird durch Corona weiter verstärkt und zeichnet sich auch für 2022 deutlich ab. Paare heiraten kleiner - aber nicht minder aufwendig."

Das Hochzeitsforum "wir-sagen-ja.com", hinter dem ein großer Brautausstatter aus Norddeutschland steht, will sich da noch nicht festlegen: "Durch die Pandemie hat sich das Verhalten gezwungenermaßen verändert und es bleibt noch abzuwarten, ob sich dadurch auch ein langfristiges Umdenken bezüglich Nachhaltigkeit entwickeln wird oder ob die Eventisierung wieder aufleben wird", heißt es von dort.

Druck auf Paare bleibt groß

Nach Angaben des Online-Ratgebers "Hochzeitsportal24" geben Paare in Deutschland aktuell im Durchschnitt geschätzt etwa 13.000 Euro für ihre Hochzeit aus. Laut einer Umfrage zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 liegen 13 Prozent der Hochzeiten mit Ausgaben von 15.000 bis 20.000 Euro sogar über diesem Budget.

Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt: Der Druck ist groß auf Pärchen. Influencerinnen wie die Kölnerin Farina Opoku alias "novalanalove" posten Bilder und Videos von ihren pompösen Hochzeiten auf Inseln wie Ibiza. Zahlreiche Accounts wie "liebezurhochzeit" und "hochzeitswahn" mit jeweils mehr als 70.000 Followern, zeigen, was alles möglich ist. Hochzeitsplaner-Apps wie "The Big Day" helfen Paaren beim Organisieren ihrer Traumhochzeit.

Was, wenn das Fest die Finanzen sprengt?

Die oftmals in letzte Details geplanten Feiern kosten viel Geld - auch für die Gäste. Wer sich neue Kleidung, die Anreise oder Hotelübernachtung eigentlich nicht leisten kann, steht vor einem Problem: Wie sage ich, dass das Fest die eigenen Finanzen übersteigt?

Die deutsche Knigge-Gesellschaft rät: Gäste sollten ehrlich gegenüber dem Brautpaar auftreten. Man sei schließlich befreundet oder sogar verwandt und wisse um die Möglichkeiten des jeweils anderen. Man solle in jedem Fall das persönliche Gespräch suchen.

Aber auch das Brautpaar sei gefragt: "Organisatorisch kann man unterstützend wirken, indem man neben dem teuren Hotel auch eine günstige Alternative anbietet, Fahrgemeinschaften oder Gruppenbuchungen für die Reise organisiert oder den Dresscode etwas lockerer auslegt."

So planen es auch der Mainzer Jugendpfarrer Matthias Braun und seine Frau. Denn kirchlich wollen die zwei im kommenden Jahr schon noch heiraten - und auch im größeren Kreis feiern. Pompös soll es aber nicht werden: Nach der Trauung im südhessischen Heppenheim sei eine kleine Wanderung zum Lokal geplant. Bequemes und kurze Hosen sind ausdrücklich erlaubt, wie Matthias Braun betont.

Mehr zu Coronavirus, Hochzeit
Die evangelische Initiative "Wilhelmshaven testet" verteilt überschüssige Mehreinnahmen aus ihrem Corona-Testzentrum an soziale Einrichtungen in der Stadt und der direkten Umgebung. In einer ersten Tranche gehen 169.200 Euro an 56 Gruppen.
Impfgegner in den USA
Immer mehr Unternehmen in den USA erlassen Corona-Impfpflicht-Vorschriften. Manche religiös motivierte Impfverweigerer fühlen sich dadurch diskriminiert und gehen juristisch dagegen vor.