Wie geht es weiter an der Spitze der EKD?

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm am EKD Pult

©epd-bild/Heike Lyding

Schon seit längerer Zeit wurde angenommen, dass der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, nicht erneut als Ratsvorsitzender kandidieren würde. Nun ist es amtlich.

Wie geht es weiter an der Spitze der EKD?
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat am Donnerstag angekündigt, 2021 nicht noch einmal für das Amt zu kandidieren. Theoretisch hätte sich der bayerische Landesbischof noch einmal für den Ratsvorsitz zur Wahl stellen können. Seit 2014 steht er an der Spitze der evangelischen Kirche. Doch nun solle "jemand Neues ran", der neue Akzente setzt, sagte der 60-Jährige im Bayerischen Rundfunk (BR). Welche Konsequenzen hat diese Entscheidung eine Woche vor der Jahrestagung des evangelischen Kirchenparlaments, das über strukturelle Reformen diskutieren soll? - Fragen und Antworten im Überblick.

Warum macht Bedford-Strohm seine Entscheidung jetzt öffentlich?

Dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte Bedford-Strohm am Donnerstag, er sei jetzt so oft gefragt worden, ob er erneut kandidiere, dass es Zeit gewesen sei, nicht länger die Antwort zu verweigern und Spekulationen zu vermeiden. Schon seit längerer Zeit wurde angenommen, dass er nicht erneut als Ratsvorsitzender kandidieren würde. Denn Bedford-Strohm feierte im März seinen 60. Geburtstag und scheidet 2023 turnusmäßig als bayerischer Landesbischof aus dem Amt. In Bayern wird der Landesbischof für eine Amtszeit von 12 Jahren gewählt, ohne die Möglichkeit einer Wiederwahl oder Verlängerung der Amtszeit.

Ein neuer Ratsvorsitzender oder eine Ratsvorsitzende wäre aber bis 2027 im Amt, es ist in der EKD üblich, dass leitende Geistliche, also Bischöfe oder Kirchenpräsidenten, diese Aufgabe übernehmen. Aber es gibt auch persönliche Gründe, die für den Verzicht auf eine weitere Kandidatur gesprochen haben. So hat Bedford-Strohm nie einen Hehl daraus gemacht, wie gerne er Theologie-Professor in Bamberg war. Im Interview mit dem BR sagte er, er freue sich darauf, wieder mehr Zeit für seine akademische Tätigkeit zu haben.

Ist die Bekanntgabe vor der digitalen Tagung der EKD-Synode am ersten Novemberwochenende klug gewählt?

Auch wenn Bedford-Strohm dem epd sagte, der Zeitpunkt habe mit der Synode nichts zu tun, passt dieser gut. Am 8. und 9. November tagt das evangelische Kirchenparlament, die Synode, wegen der Corona-Pandemie verkürzt und rein digital. Zentraler Tagesordnungspunkt werden die Beratungen über ein Reformpaket, das richtungsweisend für die Zukunft der evangelischen Kirche werden soll. Es geht um die theologische Ausrichtung und die finanzielle Neuordnung der kirchlichen Arbeit. Eine neue Synode, die 2021 zusammenkommt und für sechs Jahre im Amt ist, wird sich weiter intensiv mit dem Reformprozess beschäftigen.

Wie geht es bis Herbst 2021 weiter?

Bedford-Strohm bleibt im Amt, bis eine neu konstituierte Synode einen neuen Rat gewählt hat. Voraussetzung dafür ist, dass in den 20 evangelischen Landeskirchen die neuen Delegierten für die EKD-Synode gewählt werden können. Wegen der Corona-Pandemie ist das für die jeweiligen Landessynoden, die meist im Herbst und im Frühjahr tagen, eine Herausforderung. Bislang sieht es so aus, als stehe einer Ratswahl im Herbst 2021 nichts im Wege. "Ich freue mich jetzt auf ein ganzes weiteres Jahr meiner Amtszeit, in dem ich mich weiter mit aller Kraft für die EKD einsetzen werde", sagte Bedford-Strohm dem epd. "Zu tun gibt es genug! Trost und Orientierung in der Zeit der Pandemie und ein Vorwärtstreiben der Reformprozesse in unserer Kirche."

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Wie wird über die Nachfolge entschieden?

Die Synode entscheidet auch über den Ratsvorsitz. Einige in der Kirche sagen, es wäre wieder Zeit für eine Frau an der Spitze der deutschen Protestanten. Denn bislang gab es nur eine Frau in diesem Amt: Margot Käßmann. Bei der Wahl spielt aber auch der konfessionelle Proporz eine Rolle. Bedford-Strohm ist Bischof einer lutherischen Landeskirche, nun könnte jemand aus einer unierten Landeskirche an die Reihe kommen. In den vergangenen zwei Jahren sind neun neue leitende Geistliche gewählt oder ins Amt eingeführt worden. Einer von ihnen könnte den Generationenwechsel beim Ratsvorsitz markieren.

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