Bischöfe rufen an Karfreitag zu mehr Gottvertrauen auf

Mann betet in Natur

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Die Kirchen rufen in diesem Jahr noch eindringlicher als sonst zu Hoffnung und Gottvertrauen auf.

Bischöfe rufen an Karfreitag zu mehr Gottvertrauen auf
In Zeiten der Corona-Pandemie bekommt der Karfreitag eine ganz besondere Bedeutung: Tod und Sterben sind ganz nah an die Menschen herangerückt. Die Kirchen rufen in diesem Jahr noch eindringlicher als sonst zu Hoffnung und Gottvertrauen auf.

Hochrangige Kirchenvertreter haben in ihren Karfreitagsbotschaften mit Blick auf die Corona-Krise zu Zuversicht aufgerufen. Zugleich verteidigten die Geistlichen das wegen der Pandemie verhängte Versammlungsverbot in den Kirchen. Es sei "eine Konsequenz des Gebotes der Liebe", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Mittwoch dem Rundfunksender SWR Aktuell in Baden-Baden. Es gehe darum, Leben zu retten, vor allem das Leben von Menschen, die verletzlich seien und zu den Risikogruppen gehörten. "Wir würden unsere eigene Botschaft konterkarieren, wenn wir uns jetzt anders verhalten würden", sagte er.

Zu Karfreitag sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Gott habe Tod und Schmerzen in seinem Sohn Jesus Christus selbst erfahren, er sei den Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie in ihrem Leid besonders nahe. Wenn Menschen nachts vor Sorge, ob sie das Coronavirus schon in sich haben und was dann werden soll, nicht schlafen könnten, dann könnten sie "all das in Gottes Hand legen, weil er mit ihnen fühle und mit ihnen leide", erklärte Bedford-Strohm in seiner am Mittwoch in Hannover veröffentlichten Botschaft.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski sagte, die Botschaft von Karfreitag sei tröstlich für die Menschen. Im trostlosen Scheitern Jesu zeige sich zugleich Gott selbst, erklärte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland in seiner Karfreitagsbotschaft in Düsseldorf. "Wo die Not und das Leid groß sind, da ist Gott. Wo die Angst groß ist, da ist Gott." Gott sei auch da, wo die Frage nach dem "Warum" Menschen ruhelos zurücklasse, sagte Rekowski. "Gerade dann ist er mitten unter uns - auch in Zeiten von Corona."

Die evangelischen Landesbischöfe in Baden und Württemberg riefen zu Solidarität und Hoffnung auf. "Die Nachrichten und Bilder in diesen Tagen erschüttern uns, weil Menschen leiden und viele sterben müssen", erklärten Jochen Cornelius-Bundschuh (Baden) und Frank Otfried July (Württemberg) in einer gemeinsamen Botschaft. In diesem Jahr führe der Karfreitag "zu den Leidenden dieser Welt, den Menschen, die um Angehörige trauern, die an Covid-19 verstorben sind, zu denen, die Angst vor der Infektion haben, zu denen, die kaum noch Kraft haben in Pflege und Medizin, zu denen, die öffentliche Verantwortung tragen", sagten die beiden Bischöfe. Der Blick gehe auch in die Kriegs- und Konfliktgebiete dieser Welt, zu Menschen auf der Flucht und in die Flüchtlingslager.

Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, betonte die Hoffnung der österlichen Botschaft. Auch wenn Versammlungs- und Kontakteinschränkungen nötig seien, würden jetzt intensive Gebete und Seelsorge wichtig, schreibt der Bischof in seiner am Mittwoch im nordrhein-westfälischen Höxter verbreiteten Osterbotschaft. Die "Zwangspause" sei zugleich aber auch Gelegenheit, Prioritäten zu überdenken und den Heiligen Geist in sich wirken zu lassen.

Am Karfreitag erinnern Christen an die Kreuzigung und das Sterben Jesu. Der Tag steht ganz im Zeichen der Trauer, was auch der Name anzeigt: Das althochdeutsche "Kara" bedeutet "Klage". In den Gottesdiensten schweigen an diesem Tag oftmals Glocken und Orgel. Der Karfreitag ist ein sogenannter "stiller" Feiertag, an dem nicht nur die Kirchen innehalten.

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