Mahnwachen für die Opfer von Hanau

Blumen und Kerzen wurden in Hanau auf dem Marktplatz für die Opfer niedergelegt.

© Dorothee Barth/dpa/Dorothee Barth

Blumen und Kerzen wurden in Hanau auf dem Marktplatz für die Opfer niedergelegt.

Mahnwachen für die Opfer von Hanau
"Fassungslos, traurig und zornig": In mehr als 50 deutschen Städten ist am Donnerstagabend der Opfer von Hanau gedacht worden. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres äußerte sich bestürzt.

Nach dem Anschlag von Hanau haben am Donnerstagabend Tausende Menschen in ganz Deutschland der Opfer gedacht. Mahnwachen fanden in mehr als 50 Städten statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte in Hanau, der "brutale Terroranschlag" in der hessischen Stadt mache "fassungslos, traurig und zornig". Er rief dazu auf, der Sprache der Gewalt Einhalt zu gebieten, die gleichsam den Weg für solche Taten bereite. In New York äußerte sich UN-Generalsekretär Antonio Guterres bestürzt und drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.  

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte nach Erkenntnissen der Ermittler am Mittwochabend in Hanau in zwei Shisha-Bars neun Menschen erschossen und anschließend seine Mutter und sich selbst getötet. Die Bundesanwaltschaft sieht "gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat". Alle in den beiden Bars getöteten Menschen hatten eine Zuwanderungsgeschichte.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärte, die Morde in Hanau hätten gezeigt, welche große Gefahr von unorganisierten Einzeltätern ausgehe, die sich im Netz radikalisieren.  "Sie sind tickende Zeitbomben, denen wir mit allen Mitteln begegnen müssen, die uns der Rechtsstaat bietet", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). Lambrecht forderte, Rechtsextremisten konsequent zu entwaffnen.  

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf. "Zur Überwindung der Gewalt ist es jetzt notwendig, dass die Menschen in unserem Land zusammenstehen", sagte er der "Rheinischen Post" (Freitag). "Die Gottesdienste, zu denen die Kirchen nach der Gewalttat von Hanau eingeladen haben, geben Raum, um Erschrecken, Betroffenheit und Trauer zum Ausdruck zu bringen."

Rassismus widersprechen

Jetzt komme es auf jeden Einzelnen an, sagte Bedford-Strohm: "Wir sind alle gefordert, Rassismus und Antisemitismus in den konkreten Situationen des Alltags vehement zu widersprechen." Zudem müsse klar sein: "Wer Rechtsextremen in einer Partei Deckung gibt, trägt Mitverantwortung dafür, wenn deren Ideologien Gehör finden."

Zuvor hatte der EKD-Ratsvorsitzende bereits erklärt, die offenbar rechtsextrem motivierten Morde von Hanau seien "ein trauriger Beleg für die brutalen Konsequenzen des Gifts, das rechtspopulistische und rechtsextreme Kreise zu streuen versuchen". Wer Rassismus und Ausländerfeindlichkeit säe, müsse auch damit rechnen, dass daraus brutale Gewalt erwachse, schrieb er bei Facebook.

Am gestrigen Abend organisierten viele Kirchengemeinde Mahnwachen, Gedenkgottesdienste oder ließen ihre Kirchenglocken läuten. Bischöfin Kirsten Fehrs sprach nachmittags auf einer spontanen Kundgebung auf dem Hamburger Rathausmarkt. Unter dem Motto "Gegen rechten Terror und Hass" hatten sich in Reaktion auf die Gewalttat in Hanau mehr als 1.000 Menschen dort versammelt.

Bei ihrer Rede rief Bischöfin Fehrs dazu auf, sich nicht von dem Hass der anderen anstecken zu lassen. "Trauer – ja. Berechtigter Zorn – ja. Aber niemals Hass!", sagte sie laut Redemanuskript. Sie bete für die Opfer und verneige sich in tiefer Trauer vor ihnen. "Ich weiß, dass wir  eins sind im Gebet und im Gedenken mit Muslimen, Aleviten, Juden und mit Menschen aller Religionen und Weltanschauungen."

In Berlin wurde in Andachten im Berliner Dom, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der St. Marienkirche den Opfern von Hanau gedacht. In Hessen beteiligten sich viele evangelische Kirchengemeinden an Mahnwachen zum Beispiel in Hanau, Frankfurt, Darmstadt, Dietzenbach, Seligenstadt und Gießen.

In der evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Seulberg läutete die Trauerglocke ab 18 Uhr eine halbe Stunde lang als Zeichen der Solidarität und Anteilnahme. "Wir verstehen dieses Geläut ausdrücklich als "Mahngeläut", das aufruft, uns verstärkt für den gesellschaftlichen Frieden und gegen jede Form von Diskriminierung zu engagieren", sagte der Pfarrer der Gemeinde, Thomas Krenski. Die Gemeinde in Burgholzhausen schloss sich der Aktion an.