Vom Ort der Ewigkeit in den Kosmos schauen

Der große Ohlsdorfer Friedhof der dunkelste Ort in Hamburg und gut zur Sternschnuppenbeobachtung.

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Der frühchristliche Heilige "Laurentius" wurde am 10. August 258 in Rom hingerichtet. Der Legende nach fallen jährlich um diese Zeit "Laurentius Tränen" aus Feuer vom Himmel.

Vom Ort der Ewigkeit in den Kosmos schauen
Ohlsdorfer Friedhof lädt zur Sternschnuppen-Nacht
In ihrem Lauf um die Sonne kreuzt die Erde in den nächsten Tagen die Spur des Kometen "Swift-Tuttle". Seine Millimeter kleinen Staubteilchen fallen als Sternschnuppen vom Nachthimmel. Der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg lädt zur Beobachtung ein.

In der Nacht von Montag (12. August) auf Dienstag öffnet der Hamburger Friedhof Ohlsdorf seine Pforten für Sternschnuppen-Gucker. Alle Straßenlaternen werden abgeschaltet, damit es "richtig zappenduster" ist, sagt Friedhofssprecher Lutz Rehkopf. Seinen Recherchen zufolge ist der große Ohlsdorfer Friedhof der dunkelste Ort in Hamburg. Die vielen Bäume schirmen letztes Streulicht vom Stadthorizont ab. Dann ist der Blick frei auf den Sternschnuppenschauer der Perseiden, der alljährlich zum 13. August seinen Höhepunkt erreicht - mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Minute.

"Es hat etwas Spirituelles, von einem Ort der Stille und der Ewigkeit in den Kosmos zu schauen", sagt Rehkopf. 14 Gartenliegestühle hat er eigens für die Sternschnuppen-Nacht angeschafft, für alle Fälle sollten Besucher Decken und Isomatten mitbringen. Treffpunkt ist der Lippertplatz, der etwa in der Mitte des Friedhofes liegt. Vom Haupteingang aus wird der Weg bis dahin von 200 matt leuchtenden Gartenlampen markiert. Auf dem Lageplan des Friedhofes liegt der Lippertplatz im Planquadrat "U25". Smartphone-Nutzer können den Ort finden, wenn sie auf dem Online-Portal "www.what3words.com" die Suchbegriffe "ampel.angegeben.reden" eintippen.

Normalerweise schließt Ohlsdorf alle Türen zum Gelände um 21 Uhr. In dieser Nacht bleiben sie offen, allerdings nur für Fußgänger und Radfahrer. Beste Ankunftszeit ist gegen 22.30 Uhr, denn dann beginnt auch der Sternschnuppenschauer. Der Höhepunkt wird zwischen 2 und 4 Uhr erwartet. Bis dahin will auch Rehkopf durchhalten, danach wird er von Kollegen abgelöst. Spätestens zum Sonnenaufgang um 5.55 Uhr ist der Event zu Ende. Der helle Mond wird die Beobachtung nicht stören, da er bereits vor Mitternacht untergeht.

n der Gedenkstätte "Garten der Frauen" sind Grabsteine bedeutender Frauen aufgestellt.

Weil er Perfektionist ist, hat Rehkopf auch an das Wetter gedacht. Schließlich ist auch am dunkelsten Ort nichts zu sehen, wenn der Himmel voller Wolken hängt. Doch Rehkopf ist zuversichtlich: Er hat fast ein Dutzend Wetter-Apps befragt, und die meisten sagen für die Sternschnuppen-Nacht freie Sicht voraus. Für kurzfristige Prognosen hat der Friedhofssprecher beste Kontakte zu den Wetterexperten im Hamburger Helmut-Schmidt-Flughafen.

Weil die Sternschnuppen aus Richtung des Sternbildes Perseus zu kommen scheinen, werden sie "Perseiden" genannt. Wie Regentropfen, die gegen die Frontscheibe eines Autos prasseln, treffen die Sternschnuppen auf die Atmosphäre. Im Volksmund sind sie auch als "Laurentius Tränen" bekannt: Der frühchristliche Heilige wurde am 10. August 258 in Rom hingerichtet. Der Legende nach fallen jährlich um diese Zeit seine Tränen aus Feuer vom Himmel.

Die schmalen Lichtblitze entstehen, wenn Staubpartikel in der Erdatmosphäre verglühen. Sie erzeugen in etwa 100 Kilometer Höhe leuchtende Schläuche ionisierter Luft. Die "Perseiden" gelten mit einem Tempo von 60 Kilometern pro Sekunde als schnelle Sternschnuppen. Sie ziehen in langen Bahnen über den Himmel, auch über den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.