Bibelkreise sind "Schulklimaschützer"

Schülerbibelkreise

© Getty Images/Martin Barraud

Die genaue Zahl der Schülerbibelkreise läßt sich nicht genau erfassen.

Bibelkreise sind "Schulklimaschützer"
Warum sich junge Leute in der Pause zum Beten treffen
Bibelkreise sind nur was für alte Menschen? Mitnichten! Jessica, Cindy und Amelie sind noch Teenager und betreuen schon den Schülerbibelkreis, den es für drei verschiedene Altersstufen gibt. Die Mädchen halten Andachten, lesen christliche Geschichten vor oder beten zusammen.
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Sie sind zum Teil erst in der achten Klasse und leiten schon jüngere Schüler an: Jessica, Cindy und Amelie betreuen den Schülerbibelkreis in der "Johann-Christoph-Blumhardt-Schule" in Mühlacker-Lomersheim bei Pforzheim. In der ersten Pause halten die drei eine Andacht oder lesen eine christliche Geschichte vor - außerdem wird füreinander gebetet. In der zweiten Pause spielen die Kinder.

Die Themen der Andachten sind ganz unterschiedlich. "Manchmal fällt mir morgens noch was ein, und dann nehme ich das als Thema, oder wir fragen die Schüler, was sie bewegt, und gehen darauf ein", sagt Jessica. Vertrauen, Wunder oder Vergebung waren die Themen der jüngsten Andachten.

Mit ihrem Engagement sind die Jugendlichen nicht allein in Baden-Württemberg, auch wenn sich die genaue Zahl der Schülerbibelkreise im Südwesten nicht genau erfassen lässt. Der Regionalreferent der Schüler-Studentenmission (Schüler-SMD), Daniel Seidel, betreut in Baden rund 35 Kreise, doch es existieren viele weitere Gruppen, von denen er nur durch Zufall erfährt. Das Evangelische Jugendwerk Württemberg (EJW) ging 2018 von circa 110 Kreisen in Württemberg aus. Pro Jahr verlören rund ein Drittel der Kreise ihre Leiter durch Schulabgänge, weshalb die Zahlen ständig schwankten, berichtet das EJW.

Seit sechs Jahren bieten Schüler in der Blumhardt-Schule in den Pausen drei Bibelkreise für die unterschiedlichen Schulstufen an. Die leitenden Schüler agieren selbstständig und eigenverantwortlich. Amelie leitet den Kreis gern, weil sie den durchschnittlich zehn bis fünfzehn Kindern Gott im kleinen Kreis "näher bringen kann", wie sie erläutert. "Wir wollen den Kindern von Gott weitersagen, dass sie erfahren, wie groß Gott ist und dass sie auf ihn zählen können", erklärt Cindy ihre Motivation.

Unterstützt werden die Schülerbibelkreise von Andreas Wicki, dem Religionslehrer und Schulseelsorger der Schule. "Einmal im Jahr fahren die Leiter der Bibelkreise zusammen mit Streitschlichtern, Schulbusbegleitern und den Paten der jüngeren Schüler zu einer zweitägigen Schulung", berichtet Wicki. In diesem Projekt namens "Schulklimaschützer" machen sich die Schüler zusammen mit Vertrauenslehrern Gedanken, wie sie die Schule positiv prägen können.

Über 100 Jahre Tradition

Entstanden sind Schülerbibelkreise im 19. Jahrhundert im Umfeld des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM). Der Theologiestudent Wilhelm Weigle gründete 1883 mit den Gymnasiasten Alfred Christlieb und Fritz Mockert in Wuppertal-Elberfeld das erste "Bibelkränzchen" für Schüler der Höheren Schulen. Es wurde geredet, in der Bibel gelesen und auch Literatur von Mörike oder Uhland besprochen. 1915 kamen Mädchenbibelkreise dazu, außerdem nannten sich die "Bibelkränzchen" fortan "Bibelkreise". Der "Bund Deutscher Bibelkreise" (BK) zählte schließlich 1933 mehr als 17.000 Mitglieder, bis er sich 1934 selbst auflöste, um einer Zwangseingliederung in die Hitlerjugend zuvorzukommen. 1946 wurde dann die Arbeit der Kreise offiziell fortgesetzt.

Die Verantwortlichen von EJW und Schüler-SMD nennen als die zwei wichtigsten Ziele der Schülerbibelkreise: "Sammlung der Christen in der Schule" und "missionarischen Arbeit", die zum selbstständigen Handeln im Umfeld anleite. Die beiden Organisationen unterstützen auf vielfältige Weise die Bibelkreise in Baden und Württemberg. Zusammen mit dem Bibellesebund Deutschland zeigen sie Schülern in einem Mentorenprogramm, wie sie einen Bibelkreis leiten, Streit schlichten oder Paten für jüngere Schüler werden können.

Über 800 geschulte Jugendliche sind in den Schulen im Südwesten im Einsatz. Dazu unterstützt diese Initiative namens "Schulbeweger" durch einen "PrayDay" (Gebetstag) im November und durch das Magazin "aha!" Schüler dabei, konkret aus ihrem Glauben heraus zu handeln.

Außerdem bieten Schüler-SMD und EJW Freizeiten an, fördern die Gründung von Bibelkreisen und unterstützen mit Referenten die Arbeit an den Schulen. Da die einzelnen Schülerbibelkreise keine Mitglieder bei den Werken sind, können sie selbst entscheiden, welche Angebote sie wahrnehmen. Einen "PrayDay" haben die Schüler in Lomersheim schon öfters veranstaltet, auch wenn sie keine direkte Verbindung zur Schüler-SMD haben.

aus dem chrismonshop

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