Solingen gedenkt der Opfer des Brandanschlags von 1993

Solingen gedenkt der Opfer des Brandanschlags von 1993
Mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung ist am Mittwoch in Solingen an die Opfer des fremdenfeindlichen Brandanschlags vom 29. Mai 1993 erinnert worden. "Damals verlor unsere Stadt ihre Unschuld", sagte der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Er sprach von einem "beispiellosen Verbrechen".

Bei dem Brandanschlag vor 26 Jahren wurden zwei Frauen und drei Mädchen getötet, als vier junge Neonazis in der Nacht zum Pfingstsamstag 1993 das Haus der türkischen Familie Genç anzündeten. Die Tat rief weltweit Entsetzen hervor.

Die Familie Genç habe damals die unvorstellbare Kraft aufgebracht, dem Hass und der Gewalt mit Friedfertigkeit zu begegnen, sagte Kurzbach laut Redetext. "Solingen darf all dies niemals vergessen." Am Mahnmal gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit fanden Gebete und eine Schweigeminute statt. Das Ehepaar Genç nahm nicht an der Gedenkfeier teil, sie waren nach Worten von Kurzbach in der Türkei, um die Gräber ihrer Familienmitglieder zu besuchen.

Deutschland und die Türkei müssten den Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gemeinsam fortführen, erklärte die türkische Generalkonsulin Sule Gürel. "Der Anschlag in Solingen war weder der erste noch der letzte rassistische Anschlag", sagte Gürel laut Redetext und erinnerte unter anderem an die Morde der rechtsextremen Terrorgruppe NSU. Rassismus, Fremden- und Islamfeindlichkeit gebe es weiterhin. "Der stärker werdende Rechtspopulismus beunruhigt Muslime und Menschen mit Migrationshintergrund", erklärte die Diplomatin.


Vor der Gedenkfeier wurde der Solinger Toleranzpreis "Silberner Schuh" vergeben. Die seit 2004 vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage verliehene Auszeichnung ging in diesem Jahr an die Kommunikationsdesignerin, Fotografin und Journalistin Daniela Tobias für ihr mutiges Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Sie engagiert sich unter anderem bei Amnesty International, für die Aktion Stolpersteine und für die Einrichtung einer NS-Bildungs- und Gedenkstätte in Solingen.

"Solingen ist spät dran damit", sagte Tobias in ihrer Dankesrede. "Wir haben in Solingen vor 26 Jahren leidvoll erfahren müssen, dass die Geister der nationalsozialistischen Ideologie immer noch ihre tödliche Wirkung entfalten können, wenn wir nicht wachsam sind." Ein Vergessen könne es daher nicht geben.

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