Käßmann ruft Kirchen zu mehr Mut auf

Käßmann ruft Kirchen zu mehr Mut auf

© epd-bild/Christian Topp

Ein glaubwürdiger Umgang mit Fehlern ist gefragt, um Menschen an die Kirche zu binden, fordert Margot Käßmann.

Käßmann ruft Kirchen zu mehr Mut auf
Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die Kirchen angesichts eines erwarteten drastischen Mitgliederrückgangs zu mehr Mut aufgerufen. Wenn die Kirchen als Minderheit lebendig bleiben wollten, bräuchten sie Menschen, die überzeugt von ihrem Glauben reden und die biblischen Geschichten weitergeben, schrieb die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Bild am Sonntag".

"Es geht um Gottesdienste, die Lust machen auf mehr", erklärte sie. "Und ein glaubwürdiger Umgang mit Fehlern ist gefragt." Dazu brauche es aber auch die Kraft, Debatten anzuzetteln, schrieb Käßmann weiter. "Beispielsweise könnten Kirchen viel klarer den neuen Nationalismus in Frage stellen. Oder: Die Bewahrung der Schöpfung ist Thema der Kirchen, da müssen sie sich auch mal mit der Autolobby anlegen." Auch wenn in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden seien, gehörten die Kirchen zu unserer Kultur und Tradition, betonte die Theologin.

Laut einer Berechnung des Forschungszentrums Generationenverträge der Freiburger Universität zufolge könnte sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland bis zum Jahr 2060 halbieren. In rund 40 Jahren könnten demnach nur noch 22,7 Millionen Menschen einer der großen christlichen Kirchen angehören. Im Jahr 2017 zählten katholische und evangelische Kirche zusammen noch 44,8 Millionen Mitglieder. Die Wissenschaftler erstellten die in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie im Auftrag der EKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

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