TV-Tipp: "Die Diplomatin: Böses Spiel" (ARD)

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TV-Tipp: "Die Diplomatin: Böses Spiel" (ARD)
4.5., ARD, 20.15 Uhr
Ein Politkrimi aus Manila, ein fesselnder Actionfilm über eine Botschaftsbesetzung durch Islamisten in Tunis, ein Polit-Thriller aus Prag: Die bisherigen Beiträge zur ARD-Reihe "Die Diplomatin" mit Natalia Wörner waren zum Teil ziemlich spektakulär und ausnahmslos spannend. Ein besonderer Reiz der Filme liegt im Sujet der Außenpolitik, und das nicht nur wegen heikler Themen wie dem illegalen Waffenexport in Krisengebiete ("Entführung in Manila") oder CIA-Folterlager in Osteuropa ("Jagd durch Prag").

Gemessen daran ist die Handlung der vierten Episode, "Böses Spiel", ähnlich unaufgeregt wie der etwas beliebig klingende Titel, zumal sich die Geschichte auch im Rahmen einer der diversen Donnerstagsreihen der ARD ("Zürich-Krimi", "Prag-Krimi") ereignen könnte. Der Prolog beginnt mit touristischen Bildern der "Goldenen Stadt" und einem Urlaubsflirt, der ein grausames Ende nimmt: Eine schwerverletzte junge Frau wird wie ein Sack Müll vor dem Eingang eines Krankenhauses aus einem Auto geworfen. Die Freundin der 17jährigen Vanessa berichtet von einem Jungen, der die beiden in sein luxuriöses Elternhaus mitgenommen hat. Er heißt Philippe Beaumont (Johannes Meister), ist der Sohn des französischen Botschafters, genießt diplomatische Immunität und darf deshalb von der Polizei nicht vernommen werden. Karla Lorenz (Wörner), Botschafterin in Tschechien, nimmt sich des Falls an, und das nicht nur, weil das Opfer Deutsche ist: Sie ist seit vielen Jahren eng mit den Beaumonts befreundet.

Das Drehbuch zu "Böses Spiel" ist erneut von Christoph Busche, der auch schon "Jagd durch Prag" geschrieben hat; Regie führte hier wie dort Roland Suso Richter. Natürlich geht es auch diesmal wieder um die Feinheiten der internationalen Diplomatie, bei denen ökonomische Interessen stets eine besondere spielen. Offenbar haben Philippe und Vanessa einen verliebten Abend miteinander verbracht, aber dann ist das Mädchen anscheinend einem finsteren einheimischen Freund des Franzosen in die Hände gefallen. Der junge Tscheche erweist sich jedoch ebenfalls als unantastbar: Er ist der Sohn eines wichtigen Unternehmers, der als kommender Wirtschaftsminister und zukünftiger Regierungschef gehandelt wird, weshalb die Staatsanwaltschaft etwaige Ermittlungen unterbindet; auch Karla soll auf Weisung ihrer Vorgesetzten und Tante (Maren Kroymann) der "übergeordneten Interessen" wegen die Finger von der Sache lassen.

Es fällt auf, dass "Böses Spiel" viel stärker als bisher die persönlichen Beziehungen in den Mittelpunkt rückt; die Diplomatie bildet nur den Hintergrund. Im Grunde erzählt Busche ein Familiendrama rund um das Thema häusliche Gewalt; ohne den Schauplatz und die besondere Rolle der Hauptfigur wäre die Geschichte ein ganz normaler Krimi. Dass der Autor die Ereignisse in den sogenannten besseren Kreisen angesiedelt hat, könnte auch spekulativ wirken. Das immerhin ist nicht der Fall, zumal die entsprechenden Szenen glaubwürdig gespielt sind, was auch an der Zweisprachigkeit der Darsteller liegt: Der Franzose Jean-Yves Berteloot ist ohnehin Stammgast im deutschen Fernsehen, die Deutschfranzösin Jeanne Tremsal wirkt regelmäßig in heiteren Zeitvertreibfilmen mit und setzt dabei gelegentliche Glanzlichter (allen voran in "Schokolade im Sommer" nach Utta Danella, 2009).

Anders als in den sonstigen Auslandskrimis der Degeto, in denen immer alle dieselbe Sprache sprechen, dürfen sich die Franzosen untereinander auf Französisch austauschen, weshalb das perfekte Deutsch des Prager Kommissars prompt aus dem Rahmen fällt; selbst wenn er aus Mähren (tschechisch: Morava) stammt. Kommissar Jan Horava (Alexander Beyer) glaubt, dass das Verbrechen an Vanessa von Jugendlichen begangen wurde, die seit einiger Zeit mit Hilfe eines Lockvogels junge Touristinnen in eine Falle locken und zum Sex zwingen. Dass sich zwischen dem Ermittler und der deutschen Botschafterin nach anfänglicher Antipathie eine Romanze ergibt, passt zwar ins Gesamtbild, sorgt aber zumindest für einige hübsche Szenen.Trotz der schönen Pragbilder und der guten schauspielerischen Leistungen ist "Böses Spiel" im Vergleich zu den drei anderen Episoden der Reihe in jeder Hinsicht mindestens eine Nummer kleiner ausgefallen, zumal der Film nicht mal besonders spannend ist; dabei ist Roland Suso Richter dank Prestigeproduktionen wie "Der Tunnel", "Dresden" oder "Mogadischu" einer der wichtigsten deutschen Fernsehregisseure; zuletzt hat er für die Degeto den "Zürich-Krimi" auf ein neues Niveau gehoben. Die ARD-Tochter lässt noch eine weitere Episode in der tschechischen Hauptstadt produzieren, in der Karla Lorenz ihre Beziehung zu Horava vertiefen darf, aber dann wird die Botschafterin weiterziehen. Damit endet die kurze Ära von Prag als deutsche Auslandskrimi-Metropole - auch das ZDF hatte einen Film aus der Reihe "Helen Dorn" ("Prager Botschaft") hier angesiedelt -, denn der "Prag-Krimi" wird nicht fortgesetzt.

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