Extremismusforscher warnt vor globalisiertem rechtsextremen Terror

Deutschland spricht 2019
Extremismusforscher warnt vor globalisiertem rechtsextremen Terror
Nach den Anschlägen von Christchurch
Der Extremismusforscher Andreas Zick hat nach dem Anschlag in Neuseeland vor einem globalisierten Rechtsextremismus gewarnt. "Die rechtsextreme Terrorgefahr ist unterschätzt worden", sagte Zick in Bielefeld.

Rechtsextremistische Gruppen seien in Netzwerken organisiert, die ideologisch global denken und handeln. Dabei seien sie mit sogenannten neurechten Milieus verbunden. Motiviert fühlten sie sich derzeit durch den Rechtsruck in mehreren Ländern. Radikalisierte Täter hätten sich zwar aus der Gesellschaft ausgeklinkt, sie würden jedoch auf weit verbreitete Vorurteile und Feindbilder zurückgreifen, erklärte Zick.

Der Terrorist in Neuseeland sei "der moderne Typ des sich inszenierenden medialen Superhelden, der das Abendland rettet". Er nutze das Internet, weil er sich dort in einer realen wie auch in einer vorgestellten Gemeinschaft bewege. Bei den Anschlägen auf zwei Moscheen in Neuseeland waren am Freitag 50 Menschen durch Schüsse getötet und mindestens 50 weitere verletzt. Unter Verdacht steht ein rechtsextremistischer Australier. 

Islamfeindliche Stimmung 

Attentäter hätten Großmachtsfantasien und seien überzeugt, dass die Welt in Unordnung geraten sei, erläuterte der Wissenschaftler. Die Ideologie der Überfremdung oder des großen Austausches der "weißen Rasse", wie sie der Täter zitiert, sei ein Element der Radikalisierung. Die vermeintliche Überfremdung sei jedoch auch bei neurechten Ideologien verbreitet, die zunächst nicht den Terror predigten, erklärte der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. In einer Studie seines Instituts aus dem Jahr 2016 hätten fast 30 Prozent der Mitte der Gesellschaft neurechten Ideologien zugestimmt. 40 Prozent seien der Meinung gewesen, die deutsche Gesellschaft werde vom Islam unterwandert.

 

Zick forderte mehr Präventionsstrategien mit Risiko- und Bedrohungseinschätzungen. Zudem müsse es zu dem Thema eine kontinuierlichere Forschung geben. Nötig seien Einrichtungen, die Wissen schnell in Prävention umsetzen und kommunal beraten können, erklärte der Forscher. Auch müsse sich jeder selbst fragen, welche Feindbilder und Vorurteile er toleriere, auf die sich ein Attentäter wie in Neuseeland sowie andere radikalisierte Gruppen beriefen. Der Hass auf andere Menschen sei "ein Motor der Radikalisierung". 

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