Fernsehwochenvorschau: "Was Deutschland bewegt - Heimatland"

Die Kölner Siedlung Widdersdorf aus der Vogelperspektive

WDR/BTF/Nicolai Mehring

Fernsehwochenvorschau: "Was Deutschland bewegt - Heimatland"
Die Fernsehprogrammtipps vom 23. Februar bis zum 1. März 2019
Was bedeutet Heimat? Am Rande von Köln, direkt hinter der Autobahn A1, liegt das größte private Baugebiet Deutschlands: Widdersdorf. Mehr als 10.000 Menschen leben hier, die meisten sind neu. Hier wurden Häuser gebaut und bezogen, aber aus tausenden "Ichs" ist noch lange kein "Wir" geworden. Es gibt kein Zentrum im neuen Ort, der Hauptplatz ist meist leer, keine Kirche, kein Rathaus. Die Reportage läuft am 25. Februar um 20.15 Uhr. Und was sich sonst noch im Fernsehen anzuschauen lohnt in der kommenden Woche.

23.2., ZDF, 17.35 Uhr: "plan b: Gemeinsam einsam"

Nie war es so leicht, sich zu vernetzen, wie heute. Trotzdem fühlen sich immer mehr Menschen einsam. Das hat gravierende Folgen: Chronische Einsamkeit kann im schlimmsten Fall krank machen. Die Gründe für Einsamkeit sind so vielschichtig wie das Gefühl selbst. Aber auch die Ideen gegen Vereinsamung sind zahlreich: "plan b" stellt inspirierende Initiativen vor und zeigt, wie starke Persönlichkeiten mit der Einsamkeit umgehen. Auf sich allein gestellt sind zum Beispiel viele Berufsanfänger oder Studierende. Abhilfe versprechen Freundschafts-Apps wie "25friends": Sie bringen Fremde zur gemeinsamen Freizeitgestaltung zusammen. In Hamburg geht Neuankömmling Christian Adis per App auf die Suche nach Freunden. Inzwischen beschäftigt sich auch die Politik mit den Risiken sozialer Isolation; in Großbritannien gibt es mittlerweile ein Ministerium für Einsamkeit. Die Regierung setzt auf innovative Gesundheitsinitiativen: Allgemeinärzte sollen neben der medizinischen Hilfe auch soziales Miteinander als Heilmittel anbieten. Eine Vorreiterin des "social prescribing" ist die Ärztin Helen Kingston im südenglischen Frome. Schon seit 2013 bindet sie ihre Patienten in ein eng geknüpftes Netz aus professionellen und ehrenamtlichen Hilfsangeboten ein. Im Schweizer Kanton Zug setzt Susanna Fassbind auf Nachbarschaftshilfe per Zeitkonto. Mit der Genossenschaft Kiss baut sie soziale Netzwerke vor Ort auf. Die kleinen Gefälligkeiten von Nachbar zu Nachbar werden nicht mit Geld entlohnt, sondern mit Zeit. Die Mitglieder dokumentieren ihren Aufwand und können dafür später selbst Hilfe von Genossen in Anspruch nehmen. Eine nachhaltige und effektive Idee, die auch in anderen Kantonen Schule macht.

23.2., Arte, 22.00 Uhr: "Wenn Angst krank macht"

Allein in Deutschland sollen 14 Prozent der Bevölkerung von einer Angststörung betroffen sein. In anderen Ländern Westeuropas sehen die Zahlen ähnlich aus. Doch wie entstehen diese übersteigerten Ängste überhaupt? Wie lässt sich diese Krankheit diagnostizieren und wie lässt sie sich bekämpfen? Wissenschaftler aus Deutschland und Frankreich wollen diese Fragen beantworten und beschreiten neue Wege in der Grundlagenforschung: Sie verorten die Angst in unseren Genen, bekämpfen Angst mit virtueller Realität und blicken in die Vergangenheit, um die Angst besser zu verstehen. Ein prominenter Betroffener ist der Musiker Nicholas Müller. Mit seiner Band Jupiter Jones landete er 2011 mit dem Song "Still" seinen ersten großen Hit. Kurz darauf stieg der Sänger aus. Er litt unter schweren Angst- und Panikattacken, an Auftritte vor Publikum war damals nicht mehr zu denken. Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen arbeiten mit Hochdruck daran, die Angst zu entschlüsseln, damit Patienten schnell und effektiv therapiert werden können. Die neuesten Forschungsergebnisse machen Mut: Eine Angststörung zu heilen, ist zwar nicht möglich, aber moderne Medikation, kognitive Verhaltens- und Konfrontationstherapie können dabei helfen, die Angst im Zaum zu halten.

23.2., Arte, 23.45 Uhr: "Philosophie: Kann man sich freiwillig unterwerfen?"

Bedeutet ein nicht klar zum Ausdruck gebrachtes Nein eigentlich ein Ja? Und muss ausdrückliche Zustimmung zwangsläufig völliges Einverständnis heißen? Kann man nicht auch seiner eigenen Unterwerfung zustimmen? Wäre es nicht sinnvoller, die eigenen Wünsche klar und bewusst zum Ausdruck zu bringen? Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur sexuellen Gleichberechtigung? In dieser Folge von "Philosophie" diskutieren die Philosophin Manon Garcia und die französische Staatssekretärin für Geschlechtergleichstellung Marlène Schiappa über Unterwerfung und sexuelle Gleichberechtigung. Garcia lehrt an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Chicago. Eine ihrer wichtigen Inspirationsquellen ist die Philosophie Simone de Beauvoirs. 2017 legte sie an der Sorbonne eine Doktorarbeit zum Thema weibliche Unterwerfung vor. 2017 bis 2018 war sie Stipendiatin und Dozentin für Philosophie an der Universität in Harvard. Marlène Schiappa ist eine französische Feministin, Autorin und Politikerin. Sie ist derzeit Staatssekretärin für die Gleichstellung der Geschlechter.

23.2., Phoenix, 21.45 Uhr: "Komm Komm Grundeinkommen!"

Globalisierung, Automatisierung, Donald Trump. Die Mittelschicht zerbricht. Man spricht zwar über die Ursachen, aber nicht über Lösungen. Zeit für ein komplettes Umdenken: Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet Geld für alle als Menschenrecht ohne Gegenleistung. Christian Tod fragt in seiner Dokumentation: Ist die Idee ein visionäres Reformprojekt, eine neoliberale Axt an den Wurzeln des Sozialstaates oder ein sozialromantisches linkes Utopia? Unbestritten ist das Grundeinkommen eine kraftvolle Theorie: Land, Wasser und Luft sind Geschenke der Natur. Sie unterscheiden sich von Privatbesitz, den einzelne Menschen erwirtschaften. Wenn wir aber Reichtum aus der Natur, aus den Gemeinressourcen schöpfen, gehört dieser Reichtum in gleichem Maße uns allen. Von Alaskas Ölfeldern über die kanadische Prärie, Washingtons Denkfabriken bis zur namibischen Steppe nimmt der Film den Zuschauer mit auf eine große Reise und zeigt, was das fahrerlose Auto mit den Ideen eines deutschen Milliardärs und einer vor zwei Jahren gescheiterten Schweizer Volksinitiative zu tun hat. Zu Wort kommen unter anderem: Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette DM und Vorreiter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens; Charles Murray, libertärer Politikwissenschaftler und Mitglied der konservativen Denkfabrik American Enterprise Institute; Emmanuel Saez, Professor für Volkswirtschaftslehre in Berkeley; Michael Bohmeyer, Unternehmer und Mitgründer der Crowdfunding-Plattform "Mein Grundeinkommen", sowie Daniel Häni, Unternehmer und Gründer der Schweizer Volksinitiative "Initiative Grundeinkommen". Sie vermitteln Hintergrundwissen zu der Idee und suchen nach Möglichkeiten und Erfahrungen zu deren Umsetzung.

23.2., Tagesschau24, 21.30 "Sowas wie Angst - Eine Suche mit Anke Engelke"

 Der 75 Minuten lange Film von Gesine Enwaldt und Ravi Karmalker begleitet Anke Engelke bei ihrer Auseinandersetzung mit einem Gefühl, das unsere Gesellschaft fest im Griff zu haben scheint: Menschen haben Angst. Aber sind sie tatsächlich in Gefahr? Der Soziologie-Professor Ortwin Renn sortiert die Risiken und weiß, was statistisch wirklich Gefahren für Leib und Leben sind und was überschätzt wird. Nicht Mord und Totschlag bedrohen uns, sondern die vier Volkskiller Rauchen, Trinken, schlechte Ernährung und zu wenig Bewegung. In Engelkes Heimatstadt Köln sind nach der Silvesternacht die Anträge auf kleine Waffenscheine von rund 400 auf 4.000 im Jahr gestiegen, Angststörungen gehören mittlerweile zu den Volkskrankheiten, und immer mehr Menschen schließen sich den Preppern an; so nennen sich die Leute, die sich auf alle denkbaren Katastrophen vorbereiten. Um zu verstehen, wovor und warum Menschen sich fürchten, reist Engelke zunächst nach Wuppertal. Der Berliner Platz in Oberbarmen gehört zu den 33 sogenannten Angstorten, die es dort nach einer offiziellen Erhebung gibt. Die Bürger meiden den Platz aus Angst vor Überfällen. Statistisch gesehen ist es hier nicht gefährlicher als anderswo. Und trotzdem haben die Menschen dieses Gefühl. Engelke begleitet Streetworker, Sozialarbeiter und Künstler, die versuchen, dem Platz ein neues Image zu verpassen. Die Schauspielerin und Moderatorin hält sich selbst für relativ furchtlos. Als Kind fürchtete sie lediglich, dass jemand ihr Fahrrad klaut. Harmlos, verglichen mit dem, was ihr Kinder einer Hagener Grundschulklasse erzählen: Sie fürchten sich vor Klimakatastrophen, Kriegen und Weltuntergang. Engelke stellt sich in der Bochumer Uniklinik einer Angstdiagnose. Professor Jürgen Margraf bescheinigt ihr eine erstaunliche Angstfreiheit, bis auf eine leichte Höhenangst. Er unterzieht sie einem Test und besteigt mit ihr einen Bochumer Kirchturm. Mutig ist nicht der, der sich alles traut, sondern der, der die Angst besiegt.

24.2., ARD, 17.30 Uhr: "Echtes Leben: Wärme auf Rädern"

Berthold Troitsch ist Geschäftsführer einer Immobilienverwaltung in München. Zu seinem Job gehört es, Wohnungen zu vermieten. Doch wenn andere Feierabend haben, hilft er Menschen, die auf der Straße leben. Zusammen mit Sven Braumüller fährt er mit einem "Kältebus" quer durch München und verteilt warmes Essen an Obdachlose; ehrenamtlich. In München, der Stadt mit den höchsten Mieten Deutschlands, sind 9.000 Menschen wohnungslos, mindestens 550 leben auf der Straße. Wenn es nasskalt ist und die Temperaturen eisig, geht es Troitsch und seinem Team darum, die Obdachlosen durch den Winter zu bringen. Viele von ihnen haben Schicksalsschläge erlitten. Oft kommt alles zusammen: Trennung, Arbeitslosigkeit, die Kündigung der Wohnung. Abends, wenn die Teestuben geschlossen sind, fährt das Kältebus-Team zu den Schlafplätzen unter Brücken oder in Ladeneingängen und bietet den Wohnungslosen Tee, Kaffee und eine warme Mahlzeit an. Fast immer nehmen sich Troitsch und Braumüller Zeit für ein Gespräch. Viele Obdachlose lehnen Notunterkünfte ab und bleiben auch bei eisigen Temperaturen lieber draußen. Die Streetworker des Evangelischen Hilfswerks haben einen anderen Ansatz. Ihr Ziel ist es, Obdachlose von der Straße zu holen. Sie helfen ihnen dabei, ein Dach über dem Kopf zu bekommen. Doch das geht nicht von heute auf morgen. Oft reden, motivieren und beraten die Streetworker monatelang, bis ein Obdachloser bereit ist, seine Situation zu verändern. Horst, der seinen Schlafplatz seit drei Jahren an einem Kaufhaus an der Münchner Freiheit hat, lässt sich schließlich überzeugen, in ein Männerwohnheim zu ziehen. Der Start in ein neues Kapitel seines Lebens. Andere Obdachlose lassen Streetworker abblitzen. Ihnen fällt es leichter, die Hilfe vom Kältebus-Team anzunehmen. Wie auch immer Obdachlosenhilfe aussieht, Troitsch und Braumüller erleben, dass auch kleine Gesten eine große Wirkung haben. Durch ihre Arbeit mit dem Kältebus bekommen sie jeden Abend einen anderen Blick auf die Welt. Der Film von Claudia Wörner dokumentiert ein vorbildliches Beispiel für Engagement ohne Eigennutz.

24.2., ZDF, 9.30 Uhr: "Evangelischer Gottesdienst: Augen auf für die Ewigkeit"

Viele Menschen möchten Zeit gewinnen und tun deshalb viel dafür, um ihren Alltag zu optimieren. Zugleich haben sie Sehnsucht nach Entschleunigung und suchen Orte auf, um zur Ruhe zu kommen; zum Beispiel die Schorndorfer Stadtkirche, die gern als Ruhepol genutzt wird. Das malerische Fenster im Mittelpunkt der Kirche lädt zur Meditation ein. Es erzählt von der Gottesbegegnung Moses' mitten im Alltag. Die biblische Geschichte wird von den Besuchern als heilsam erfahren. Die Predigt des aus Schorndorf übertragenen Gottesdienstes wird von Dekanin Juliane Baur gehalten. Die Orgel spielt Bezirkskantorin Hannelore Hinderer. Darüber hinaus wird der Gottesdienst von Uli Lutz am Klavier, Justinus Feilhauer am Kontrabass und einem jungen Vokalensemble gestaltet.

24.2., ZDF, 19.30 Uhr: "Terra X: Ein Tag in Köln 1629"

Der Film führt in die damals freie Reichsstadt Köln zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und dokumentiert einen Tag aus dem Leben der fiktiven Hebamme Anna Stein. 1629 ist das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ein Flickenteppich aus über 300 Territorien. Der Dreißigjährige Krieg verwandelt es in ein Schlachtfeld. Weite Landstriche werden verwüstet und entvölkert. Köln ist für alle Kriegsparteien ein wichtiger Handelspartner und bleibt deshalb von direkten Kampfhandlungen verschont. Dennoch schlägt der Krieg auch in Köln tiefe Wunden. Mangelernährung und Krankheiten sind an der Tagesordnung und treiben die Kindersterblichkeit in die Höhe. Die Hebammen, die sich um das Wohl von Müttern und Kindern kümmern, sind rund um die Uhr im Einsatz. Schon am Morgen ist Anna mit den Problemen der Zeit konfrontiert. Als Witwe lebt sie im Haushalt ihres Bruders. Die Verhältnisse sind beengt, und die Grippe ihrer Schwägerin kann damals den schnellen Tod bedeuten. Doch als Hebamme hat Anna ein beachtliches Wissen über Heilkräuter, und ihre Mixturen stehen in ihrer Wirksamkeit modernen Präparaten in nichts nach. Auch in der Chirurgie kennt sich Anna aus. Die Wundärzte verstehen noch zu wenig von der weiblichen Anatomie und schrecken zudem davor zurück, eine gebärende Frau am Unterleib zu berühren. Anna vertraut aber nicht allein auf ihr Können, sondern setzt ebenso auf magische Praktiken. Der Aberglaube ist in der Bevölkerung tief verankert und bietet den Nährboden für den Glauben an Hexen und Dämonen. Fake News, politische Propaganda und Meinungsmache sind keine Erfindungen der Moderne. Eine Kollegin Annas soll noch am selben Tag auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Der Hexenwahn, dem in der Frühen Neuzeit etwa 25.000 Menschen in Deutschland zum Opfer fallen, hat auch das bis dahin ruhige Köln erreicht. Und gerade Hebammen stehen unter dem Verdacht, mit dem Teufel im Bunde zu stehen.
Auch Anna gerät in den Strudel des Hexenwahns. Die Frau, die das Leben der Schwächsten retten soll, muss plötzlich für ihr eigenes kämpfen. Eine Hebamme namens Anna Stein hat es nie gegeben, aber ihre Geschichte ist dennoch wahr; recherchiert und verdichtet aus historisch verbrieften Biografien und neuesten Erkenntnissen der Forschung.

24.2., Arte, 19.30 Uhr: "Das Wissen vom Leben"

Sri Lanka ist als Tropenparadies im Indischen Ozean beliebt bei Strandurlaubern und Kulturreisenden. Immer mehr Gäste nutzen die Auszeit im exotischen Ambiente für einen Kur-Urlaub mit Ayurveda. Die ganzheitliche Medizin, seit 5.000 Jahren in Indien und Sri Lanka praktiziert, hilft mit natürlichen Mitteln und Methoden Krankheiten zu heilen und wird auch bei Europäern immer beliebter. Ayurveda bedeutet: das Wissen vom Leben, vom langen gesunden Leben. Der Film begleitet zwei deutsche Frauen bei dieser besonderen Urlaubserfahrung. Die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann fährt zum wiederholten Mal nach Sri Lanka. Die Berliner Gastronomin Barbara reist zum ersten Mal nach Asien und setzt sich auch zum ersten Mal in ihrem Leben mit ihrer Gesundheit und sich selbst auseinander. Eine Reise in eine unbekannte, spirituell geprägte Welt, eng verbunden mit dem Buddhismus. In Europa gingen viele Schätze spirituellen Wissens im Lauf der letzten Jahrhunderte verloren, in Sri Lanka hingegen kann man sie noch überall finden.

25.2., ARD, 20.15 Uhr: "Was Deutschland bewegt: Heimatland"

Am Rand von Köln liegt das größte private Baugebiet Deutschlands: Widdersdorf. Mehr als 10.000 Menschen leben hier, die meisten sind neu. "Es ist wie im Weihnachtsmärchen", sagt Michael Kaiser, der den Stadtteil mitgebaut hat. "Maria und Josef auf dem Weg, um eine Herberge zu suchen." Das habe sich hier 2.000 Jahre später wiederholt: "Junge Familien, die sich auf den Weg machen, um eine Herberge zu finden. Mich hat glücklich gemacht, dass ich diesen Suchenden eine neue Heimat anbieten konnte." Was aber bedeutet Heimat? In Widdersdorf haben zwar Menschen Häuser gebaut und bezogen, aber aus tausenden "Ichs" ist noch lange kein "Wir" geworden. Es gibt kein Zentrum im neuen Ort, der Hauptplatz ist meist leer, keine Kirche, kein Rathaus. Wer über den Ort fliegt, sieht inmitten der weißen Würfel des Neubaugebietes ein rotes Backsteinhaus, umfasst von Hecken. Hier lebt das Ehepaar Jenniges. Die Neuen, sagen sie, würden nicht grüßen, seien hochnäsig und abweisend. "Die haben sich nicht nur ein Grundstück, sondern ein ganzes Stück Dorf gekauft", sagt Axel Jenniges. "Das ist nicht mehr meine Heimat". Plötzlich gibt es ein "die" und ein "wir". Wie unter einer Lupe lässt sich in Widdersdorf das verunsicherte Deutschland studieren. Was suchen die Menschen, die sich hoch verschulden, um hier sein zu dürfen? Wie entsteht auf einem Acker eine neue Heimat? Und was erzählt Widdersdorf über dieses Land, das aufgewühlt und aufgebracht wirkt, ob der Frage, wer oder was es sein will. Heimat für jeden? Oder nur den, der hier geboren wurde? Pro Europa, weltoffen? Oder eine starke Nation, die ihre Grenzen schließt? "Heimatland" führt auf der Suche nach Antworten auch nach Mecklenburg-Vorpommern, wo junge Menschen in ihre Heimat  zurückkehren und ein Bürgermeister sich die Frage stellt, was sie antreibt: Treue zur Geburtsregion oder Abwehr von Fremden? Im politischen Berlin berichten Minister und Oppositionsführer davon, wie die Frage "Wie national soll Politik sein?" das Parteienspektrum neu aufteilt. Der Film führt zu Experten wie dem Psychologen Stephan Grünewald, Leiter des Rheingoldinstituts, der die Suche unseres Landes nach einer Identität beschreibt. Madeleine Albright, frühere US-Außenministerin, einst vor den Nazis geflohen, sagt, Deutschland sei stets ein verlässlicher Partner gewesen. Nun schaue sie auf das Land und hoffe, die Menschen würden all diese Fragen klug beantworten. "Wir wollen alle wissen, in welche Richtung sich Deutschland bewegt. Wir leben in einer komplizierten Zeit, die eine Wegkreuzung sein könnte."

25.2., 3sat, 23.55 Uhr: "37 Grad: Wo andere wegsehen"

860.000 Menschen waren 2016 in Deutschland wohnungslos. Etwa 52.000 leben dauerhaft auf der Straße. Um ihre medizinische Versorgung kümmern sich engagierte Ärzte. Die Umstände sind oft schwierig, die Arbeit ist nicht lukrativ, aber trotzdem sehr erfüllend. Die Männer und Frauen haben ihre Entscheidung, Obdachlose medizinisch zu versorgen, sehr bewusst gefällt. Ihre Patienten haben in der Gesellschaft kaum Ansehen, sie sind in der Regel aus dem sozialen Netz gefallen, und ihre Behandlung ist finanziell nicht lukrativ. Viele tun sich schwer, eine Arztpraxis aufzusuchen; in den meisten Wartezimmern sind sie auch nicht gern gesehen. Um ihnen ärztliche Versorgung zu bieten, gibt es in deutschen Großstädten Praxen, die speziell für Obdachlose eingerichtet sind, aber auch Straßenambulanzen, in denen eine medizinische Versorgung vor Ort stattfinden kann. Anne Kauth hat für ihren Film drei dieser Ärzte begleitet. Thomas Beutner zum Beispiel arbeitet für die Münchener Straßenambulanz. Zu ihm kommen Menschen, die sonst nie medizinische Hilfe suchen würden. Viele sind vom Leben auf der Straße gezeichnet, haben offene Wunden, die bereits lange unversorgt sind, leiden unter Bluthochdruck oder Atemwegsinfektionen. Der Gang ins Arztmobil ist für sie ein erster Schritt, Vertrauen zu fassen und sich helfen zu lassen. An drei Abenden in der Woche ist die rollende Arztpraxis unterwegs. Oft haben die Patienten schlechte Erfahrungen in Krankenhäusern oder bei niedergelassenen Ärzten gemacht. Beutner hat viele Jahre in Krankenhäusern gearbeitet. Dort hat er erlebt, wie die medizinische Versorgung der Menschen immer stärker ökonomischen Zwängen unterworfen wird. Dabei ist er überzeugt: Der Kern einer jeden Behandlung ist der persönliche Kontakt. Seinen festen Arbeitsplatz hat er in der Praxis im Gebäude des Katholischen Männerfürsorgeheims in München. Hierher kommen diejenigen, deren Vertrauen er gewinnen konnte. Doch sein Hilfsangebot geht noch darüber hinaus: Oft begleitet er seine Patienten nach der Behandlung gleich noch in den ersten Stock des Hauses. Hier sitzen die Sozialarbeiter, die alle weiteren möglichen Probleme für die Menschen regeln. Engagement ohne Eigennutz ist auch die Maxime für Levke Sonntag. Zwei- bis dreimal im Monat fährt die Ärztin ehrenamtlich mit der mobilen Praxis durch Hamburg. Auch während der Woche kümmert sie sich um Menschen am Rande der Gesellschaft: Sie ist die leitende Ärztin im Flüchtlings-Erstaufnahmelager des Landes Schleswig-Holstein in Bostedt. Ähnlich wie Ursula Schürks würde sie sich vermutlich nie als "Gutmensch" bezeichnen. Die Essenerin ist Angestellte bei der Gesellschaft für Soziale Dienstleistung. Einfach anpacken und nicht viel drüber reden, das ist ihr Motto. Die ausgebildete Palliativmedizinerin und Anästhesistin fährt erst seit einem guten Jahr mit der rollenden Arztpraxis für Wohnungslose durch Essen. Das ist ein Arbeiten auf engstem Raum. Doch die Ärztin ist Schlimmeres gewohnt. Neben Medizin hat sie auch humanitäre Hilfe studiert und war in Peru, Tansania und Liberia tätig. Dort hat sie gelernt, unkompliziert und unbürokratisch jedem beizustehen, der um Hilfe bittet.

25.2., Arte, 19.40 Uhr: "Re: Weniger ist mehr"

Mimi hat ausgemistet, sich von vielem getrennt. Sie besitzt nur noch das Nötigste. Damit will sie ein Zeichen setzen gegen Klimawandel, Ressourcenknappheit und Umweltzerstörung. Immer mehr Menschen leben heute anders und sind glücklich damit. In Gemeinderäten, Initiativen, Unternehmen oder ganz allein zeigen sie, dass es sinnvoll ist, anders zu konsumieren und zu produzieren. Ekaterina Polyakova, genannt Mimi, ist Youtuberin. Die Videos, die sie unter dem Namen "Minimal Mimi" postet, werden bis zu 70.000 Mal geklickt. Die 28-Jährige zeigt der Internet-Community ihre minimalistisch eingerichtete Wohnung, präsentiert stylische und langlebige Outfits, gibt Tipps zu plastikfreiem Einkauf und veröffentlicht Anleitungen zur Herstellung von umweltfreundlichen Körperpflegeprodukten. Dieser selbst gewählte Minimalismus ist für Mimi kein Verzicht, sondern eine bessere Art zu leben.Was Mimi im "Kleinen" versucht, kann auch in Gemeinden und ganzen Städten funktionieren: Im französischen Dorf Ungersheim initiiert der engagierte Bürgermeister zahlreiche Veränderungen. Ungersheim ist eine "Stadt im Wandel", Teil des internationalen Netzwerks der "Transition Town". Öffentliche Gebäude werden weitestgehend mit regenerativer Energie versorgt, die Gemeinde baut Bio-Gemüse an und fördert ehrenamtliches Engagement der Bürger. Denn auch der soziale Austausch gehört zu einem bewussten, glücklichen Leben dazu. Im englischen Totnes demonstriert Rob Hopkins, Gründer der "Transition Town"-Bewegung, wie auch ein Unternehmen nachhaltig und sozial geführt werden kann. 2013 gründete er mit anderen die New Lion Brauerei - heute ist sie profitabel und ein Vorbild für viele Unternehmen, die anders wirtschaften wollen.

25.2., WDR, 23.20 Uhr: "Menschen hautnah: Tanzmariechen sucht Cowboy"

In keiner Zeit des Jahres wird mehr geflirtet, geknutscht und gefeiert als an Karneval. Vor allem im närrischen Rheinland gibt es viele Paare, die sich beim Straßenkarneval kennengelernt haben und seither zusammengeblieben sind. "Menschen hautnah" stellt einige Paare vor, die sich verkleidet ineinander verliebt haben. Ein Jahr lang sind sie von einem Kamerateam begleitet worden, zum Beispiel  Nadine und Felix, die sich Weiberfastnacht 2016 auf einer Karnevalsparty in der Beethovenhalle in Bonn kennengelernt haben. Der 28-jährige Felix hatte die Qual der Wahl, denn Tanzmariechen Nadine feierte zusammen mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester Nicole. Zunächst war der coole Cowboy Felix tatsächlich an der Schwester interessiert, doch ihm gefiel die zurückhaltende Art von Nadine und er entschied sich für sie. Schon am ersten Abend nahm er die 25-Jährige mit nach Hause und am nächsten Tag stand für beide fest: Wir sind ein Paar. Kurze Zeit später zog Felix bei Nadine ein. Zu schnell für die junge Liebe? Die Liebe von Kerstin und Freddy begann Weiberfastnacht 2014 beim Straßenkarneval in der Kölner Südstadt. Vor einem Kiosk kam Kerstin mit Freddy ins Gespräch. Sie flirteten heftig und tauschten Telefonnummern aus. Danach verloren sie sich im Getümmel. Kerstin war nur zu Besuch in Köln, sie lebte in Trier. Deshalb war Freddy anfangs auch verhalten, er wollte keine Fernbeziehung. Nach vielen Telefonaten besuchten sie sich schließlich gegenseitig und verliebten sich. Nach einem Jahr beschloss Kerstin, ihre Wohnung und ihren Job in Trier aufzugeben und nach Köln zu ziehen. Eine harte Belastungsprobe für die noch frische Beziehung.

26.2., ZDF, 23.15 Uhr: "37 Grad: Mutter, Du wohnst zu weit weg!"

Eltern und Kinder leben heute oft weit voneinander entfernt. Wenn die alten Eltern mehr Hilfe brauchen, sind die Kinder gefordert. Ein Drahtseilakt zwischen Verantwortung, Liebe und Sorge. Ilona Kalmbach und Sabine Jainski stellen ein Beispiele vor, das für viele steht. Jessica B. (49) lebt in der Nähe von Frankfurt, ihre Mutter Monika (75) wohnt in Hamburg, 500 Kilometer entfernt. vor sechs Jahren hatte sie einen Schlaganfall. Jessica hat eine 15-jährige Tochter, ihr Mann ist oft geschäftlich unterwegs. Nach dem Schlaganfall braucht Monika mehr Unterstützung; Jessica fährt daher zunehmend häufiger nach Hamburg, meist am Wochenende, organisiert den Alltag und fährt dann erschöpft zurück. Trotzdem bleibt die Angst, im Ernstfall nicht rechtzeitig bei der Mutter zu sein. Dauerhaft kann Jessica den Spagat so nicht durchhalten. Wäre es eine Lösung, wenn die Mutter in ihre Gegend ziehen würde? Oder soll sie sie lieber in ihrer gewohnten Umgebung lassen und ein Netzwerk der Unterstützung aufbauen? Monika findet diese Besorgnis übertrieben. Sie kämpft einerseits um ihre Selbstbestimmung, möchte nicht bevormundet werden und so viel wie möglich allein machen. Andererseits hat sie Angst, hinfällig und aufgrund ihrer Einschränkungen einsam zu werden und dann mehr Ansprache und Unterstützung in Anspruch nehmen zu müssen. Ein Dilemma: Jessica ist weit weg, die Mutter will die Tochter nicht beunruhigen und übermäßig belasten. Deshalb verheimlicht sie ihr auch Schwindelanfälle und teils heftige Stürze. Aber sie möchte auch in der Nähe ihrer einzigen Tochter sein. Die beiden Frauen stehen für eine aktuelle Entwicklung unserer Gesellschaft: die Pflege auf Distanz. Immer weniger Menschen leben am selben Ort wie ihre Eltern, nur noch ein Viertel in der Nachbarschaft oder im gleichen Ort. Aber 90 Prozent der Senioren über 80 wohnen noch in den eigenen vier Wänden und sind dabei zunehmend auf Unterstützung angewiesen. Das bringt weitreichende Konflikte mit sich: Was passiert, wenn berufstätige Menschen in der Lebensmitte zunehmend die Betreuung ihrer Eltern in der Ferne organisieren müssen? Über die Entfernung hinweg die Eltern zu unterstützen oder zu pflegen, wird dabei oft zum emotionalen, logistischen und finanziellen Drahtseilakt. Die Dokumentation begleitet Jessica und Monika über ein Jahr lang bei der Suche nach einer Lösung. Jessica erfährt erst bei gemeinsamen Arztbesuchen, wie es ihrer Mutter wirklich geht. Zugleich hat ihre Mutter eine Betreuungsverfügung mit einer Freundin abgeschlossen, und Jessica hat Angst, den Einfluss zu verlieren. Gemeinsam besichtigen die beiden Seniorenheime am Wohnort der Tochter in Frankfurt. Wenn Monika in der Nähe wohnen würde, wären die Wege kürzer, aber würde sich Monika an einem neuen Wohnort überhaupt noch zurechtfinden?

26.2., Arte, 19.40 Uhr: "Re: Liebe unerwünscht"

Vor zwei Jahrzehnten schossen in Bosnien-Herzegowina Nachbarn auf Nachbarn. Auch heute sind die Folgen des Krieges im Land noch sichtbar, in den zwischenmenschlichen Beziehungen sind sie allgegenwärtig. Im Land leben bosnische Muslime, bosnische Kroaten und bosnische Serben. Sie sagen, sie lebten gemeinsam, doch beim genaueren Hinsehen leben sie eigentlich nebeneinander. Denn einen Ehepartner einer anderen Volksgruppe würden nur die Wenigsten akzeptieren. In Travnik zum Beispiel trennt ein Zaun den Schulhof zwischen bosnischen Muslimen und bosnischen Kroaten. Und auch das Schulgebäude ist nach Ethnien getrennt. Die Muslima Amela ist hier zur Schule gegangen und mit dieser Teilung groß geworden. Doch nicht nur die Politik, auch die Eltern pflegen die ethnische Abgrenzung vom Nachbarn; Amela wird selbstverständlich einen Muslim heiraten. Kontakte zwischen den Volksgruppen sind unerwünscht, selbst in den Hofpausen. Dabei hat der Oberste Gerichtshof der Föderation Bosnien-Herzegowina das sogenannte Zwei-Schulen-unter-einem-Dach-System bereits vor einigen Jahren als diskriminierend bestätigt. Im Alltag wird es dennoch weiter praktiziert.

26.2., Arte, 0.00 Uhr: "Dschihadisten im Visier"

In Frankreich sind bis zu 8.000 Personen in dschihadistischen Netzwerken aktiv. Nach den jüngsten Aussagen des französischen Premierministers Manuel Valls befinden sich 609 von ihnen aktuell in Syrien oder im Irak; 18 von ihnen sind noch minderjährig. Frankreich reagierte auf die islamistische Bedrohung vor allem mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Doch die Regierung traf weitere Präventivmaßnahmen und begann Anfang 2016 mit der Einrichtung von sogenannten Deradikalisierungszentren für gefährdete Jugendliche. Außerdem bietet sie eine Telefonberatung für Personen an, die einen ersten Verdacht hegen, dass sich Menschen in ihrem direkten Umfeld radikalisieren. Der Film "Dschihadisten im Visier" zeigt das Engagement von Menschen, die gegen den radikalen Islamismus vorgehen wollen. Viele Imame, Sozialarbeiter, Lehrkräfte und Eltern versuchen im Auftrag der französischen Regierung oder auf eigene Initiative, die Gewalt an der Wurzel zu bekämpfen. Wie befreit man abgerutschte Jugendliche aus der Propaganda-Maschinerie des IS? Wie hilft man betroffenen Eltern, die nicht verstehen können, was in den Köpfen ihrer Kinder vorgeht? Die Protagonisten der Dokumentation kämpfen an drei Fronten: Sie verhindern, dass junge Franzosen das Land verlassen, um sich beim IS an der Waffe ausbilden zu lassen, sie zeigen den Rückkehrern Zukunftsperspektiven auf und entwickeln religiöse Gegendiskurse, um dem Fanatismus entgegenzuwirken. Das Kamerateam durfte erstmals in einem der sogenannten Deradikalisierungszentren filmen, die von der französischen Regierung eingerichtet wurden, um gefährdete Jugendliche zu resozialisieren. Viele junge Männer sind durch Perspektivlosigkeit, das Gefühl, nicht zur Gesellschaft zu gehören, in der sie leben, und die Suche nach einem Lebenssinn anfällig für die Anwerber des sogenannten Islamischen Staates. In den staatlichen Einrichtungen möchte man ihnen helfen, um sie vor den ausgefeilten Rekrutierungsstrategien des "IS" zu schützen.

27.2., BR, 10.30 Uhr: "Neues Leben in einer alten Stadt"

Ab 11 Uhr überträgt das dritte Programm des  Bayerischen Rundfunks die feierliche Eröffnung der Synagoge im neuen jüdischen Gemeindezentrum. Sie befindet sich auf demselben Grundstück, auf dem auch die 1938 zerstörte Synagoge von 1912 stand. Vor 500 Jahren wurde zudem das mittelalterliche jüdische Viertels der Stadt zerstört. Vor der Einweihung erzählt Andrea Roth mit ihrem Film erzählt die wechselvolle Geschichte der ältesten jüdischen Gemeinde Bayerns. Im Mittelalter waren die Synagoge und die angeschlossene Talmudschule über alle Grenzen hinweg berühmt. In Regensburg wurden von 1995 an die Spuren des jüdischen Stadtviertels ausgegraben. Wenn nun die neue Synagoge Stadt eröffnet wird, geht der Blick zurück auf die Geschichte der Juden in der Stadt, aber auch auf die hoffnungsvolle Gegenwart der Gemeinde.

27.2., BR, 19.00 Uhr: "Stationen: Kirchen-Knigge"

Falsche Anrede, unpassende Kleidung, Lachen oder Klatschen, wenn eigentlich Stille angesagt ist: Es gibt viele Möglichkeiten, sich daneben zu benehmen; vor allem, wenn man von den jeweiligen Gepflogenheiten wenig weiß. Sei es in anderen Ländern, in adligen Kreisen oder auch in einem Gotteshaus. Wer schon lange nicht mehr in der Kirche war, äugt bei Hochzeiten oder Beerdigungen unsicher zu den Nachbarn. In der heutigen Ausgabe von "Stationen" werden eine orthodoxe Kirche, eine Synagoge, eine Moschee und ein buddhistischer Tempel vorgestellt; außerdem wird erklärt, wie man sich in den Heiligtümern richtig verhält. Moderator Benedikt Schregle bekommt Nachhilfe bei einer Benimm-Gräfin in ihrem Schloss und lernt Neues über Etikette und den guten alten Knigge.

28.2., Arte, 19.40 Uhr: "Re: Gottes Gastarbeiter"

Die katholische Kirche hat ein Nachwuchsproblem. Deshalb holt sie sich Geistliche aus dem Ausland, zum Beispiel aus Indien oder Afrika. Mittlerweile ist jeder sechste Priester in Bayern ein Ausländer. Erwartet wird von ihnen, dass sie ihr Amt genau so ausüben wie ihre deutschen Kollegen. Doch kann das so einfach gelingen? Die Reportage zeigt, dass mangelnde Sprachkenntnis nur eine der Hürden ist, mit denen die "Importpriester" zu kämpfen haben. Er  Auch in der Gemeinde Peißenberg wird die Predigt bei der diesjährigen Leonhardifahrt nicht von einem Deutschen gehalten, sondern von Pater George aus Südindien.Um in seiner neuen Heimat besser Fuß zu fassen, ist Pater George unter anderem auch Mitglied im Schützenverein geworden. In Karlshuld nahe Ingolstadt arbeitet Paul Igbo aus Nigeria als Pfarrer. Er steht vor einer besonderen Herausforderung: Die Region ist eine Hochburg der AfD.

1.3., Arte, 20.15 Uhr: "Für meinen Glauben"

"Die Welt nur zu verändern reicht nicht, sie muss gesäubert werden!" Das ist die Überzeugung von Anaïs alias Umm Asma. Die junge Konvertitin hat sich unter dem Einfluss islamistischer Extremisten radikalisiert. Vor ihrer Familie hält sie ihren Glauben und ihre neuen Ansichten geheim und beginnt ein Doppelleben. Während der Fahrt nach Hause zu ihrer Großmutter Isabelle verschwindet auf der Zugtoilette ihr Dschilbab, das bodenlange Überkleid, in ihrem Rucksack. Als sie aus der Tür heraustritt, ist sie wieder ganz die unauffällige Medizinstudentin. Aber dann wird an einem Nachmittag zufällig ihre Großmutter Zeugin dieser Verwandlung. Isabelle benachrichtigt Anaïs' Mutter Léa, die aus Sorge um ihre Tochter sogleich aus Montréal anreist. Doch wie soll mit der Situation umgegangen werden? Sollen sie Anaïs direkt konfrontieren? Im Gegensatz zu Léa hat Isabelle ein gewisses Verständnis für ihre Enkelin. Sie selbst teilte Anfang der Siebzigerjahre große Träume von Freiheit und Gerechtigkeit mit ihrem heimlichen Geliebten, dem palästinensischen Aktivisten Djibril. Erst als an Bord eines Flugzeuges nach Tel Aviv, in dem auch ihr Mann saß, eine Bombe explodierte und sie wiederholt polizeilich verhört wurde, kamen bei Isabelle Fragen auf. Im Verhalten ihrer Enkelin glaubt sie nun Parallelen zu erkennen: Offenbar plant Anaïs einen Anschlag. Der Schweizer Fernsehfilm von Jacob Berger ist eine geschickte Mischung aus drei Frauenporträts und einer Geschichte über Glauben und Terrorismus.