Fernsehwochenvorschau: "Ewige Schulden"

Frau betet vor Kruzifix

© MDR/Hoferichter & Jacobs/Thomas Keffel

Die Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht gläubig. "Ewige Schulden - Ostdeutschlands Kirchen und die Staatsleistungen" läuft am Montag, 18.2.19 um 23:30 Uhr im ERSTEN.

Fernsehwochenvorschau: "Ewige Schulden"
Die Fernsehprogrammtipps vom 16. bis zum 22. Februar 2019
Dreißig Jahre Mauerfall bedeuten auch dreißig Jahre gemeinsame Geschichte der Kirchen in Ost und West. Ariane Riecker fragt in ihrem Film: Wo stehen die Kirchen in Ostdeutschland heute? Welche Alternativen hätte es gegeben? Wie viel Nähe haben sie zum Staat und wie viel Nähe zu den Menschen? "Ewige Schulden" läuft am 18.2. um 23.30 Uhr im Ersten. Und was sich sonst noch im Fernsehen anzuschauen lohnt in der kommenden Woche.

17.2., ARD, 17.30 Uhr: "Echtes Leben: Verdrängt, vertuscht, verteufelt"

Papst Franziskus berät sich ab dem 21. Februar in Rom mit Bischöfen aus aller Welt über den Missbrauch in der katholischen Kirche. Zum ersten Mal findet eine Konferenz zu diesem Thema im Vatikan statt, die Erwartungen sind hoch. Nach Ansicht von Jutta Lehnert, Pastoralreferentin in Koblenz, kann die Konferenz, wie sie in diesem Film Florian von Stetten sagt, nur ein erster Schritt sein. Sie glaubt, es gehe dabei "nur um Machterhalt, nicht wirklich um Aufklärung und Zuwendung." Lehnert betreut ehrenamtlich Missbrauchsopfer, "weil ja sonst niemand mit ihnen redet." Die Theologin will eine Erneuerung von unten, weg von der patriarchalen Papstkirche hin zu einer Volkskirche, in der mehr Frauen das Sagen haben. Auch Doris Reisinger hat Theologie studiert. Als Ordensfrau fühlte sie sich geistig entmündigt; und sie wurde von einem Priester vergewaltigt. Sie stellt fest: "Neinsagen ist innerhalb der Kirche sehr schwer, weil Priester auf einen Sockel gestellt werden." Nur öffentlicher Druck werde etwas ändern. Und den baut sie auf, in dem sie Bücher schreibt, Vorträge hält und Interviews gibt. "Echtes Leben" begleitet die zwei streitbaren Frauen bei ihrem Kampf für eine andere, bessere Kirche. Tagesschau24 wiederholt den Film am 19. Februar um 21.47 Uhr.

17.2., Phoenix, 20.15 Uhr: "Burgen - Monumente der Macht: Ordensfestung Marienburg"

Die Erinnerung an die Ordensritter des Mittelalters ist vor allem mit den blutigen, missionarischen Kreuzzügen ins Heilige Land verknüpft. Weniger bekannt ist die zentrale Rolle des Deutschen Ordens bei der Gründung eines mächtigen Staates im Osten Europas. Der vierte Hochmeister des Deutschritterordens, Hermann von Salza, war ein erfahrender Politiker und einflussreicher Berater von Kaiser Friedrich II. Von Salza hatte schon kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 1210 versucht, ein vom Orden kontrolliertes Kerngebiet in Europa zu errichten, zunächst in Ungarn. Mit der sich abzeichnenden Niederlage in Palästina stützte er sich auf einen päpstlichen Auftrag, die heidnischen Völker im heutigen Baltikum zu missionieren. Dort sah er eine neue Chance und nutzte sie. Die Ordensritter gründeten auf dem Gebiet des späteren Ostpreußens und weiten Teilen des heutigen Estland und Lettland einen eigenen Staat. Die Marienburg südlich von Danzig war der Sitz des Hochmeisters und gilt noch heute als Symbol des Deutschordensstaates. Die größte Festung der Ordensritter musste einem heroischen Angriff standhalten, um die Balten zu unterwerfen. Gelegen am Ufer des Flusses Nogat im heutigen Polen, wurde die Marienburg von einer auserwählten Gruppe von Rittern während der baltischen Kreuzzüge gebaut. Ihre ausgeprägte Backsteinarchitektur, die steil aufsteigenden Mauern und die tödlichen Zinnen wurden gebaut, um die örtliche Bevölkerung einzuschüchtern. 1410 marschiert ein bekehrter Heidenkönig auf die Burg, entschlossen, der Herrschaft des Deutschen Ordens ein Ende zu setzen.

17.2., Phoenix, 21.45 Uhr: "Long Thanh will lichen"

"Ich koche für meine Kinder. Ich füttere sie. Ich gebe mein Bestes. Aber ihre Schmerzen kann ich ihnen nicht nehmen", sagt Thuyet Mai, die verzweifelte Mutter von Long Thanh und Long Vu. Die beiden Brüder gehören zu den jüngsten Opfern eines Krieges, der seit über vierzig Jahren zu Ende ist. Long Thanh ist 15 Jahre alt, sein Bruder 17. Aber die beiden stecken in Körpern so klein wie von Dreijährigen. Die Handgelenke sind verformt, die Beine zu kurz. Long Thanh und sein Bruder Long Vu brauchen Pflege rund um die Uhr. Sie können sich nicht alleine anziehen, nicht selber essen. Und sich auch nicht alleine waschen. Ihr Vater Linh war lange vor der Geburt seiner Söhne mit Agent Orange in Berührung gekommen. Das hochgiftige, dioxinhaltige Entlaubungsmittel wurde einst von der amerikanischen Armee versprüht, vor allem auf den Schlachtfeldern von Quang Tri in Zentral-Vietnam. Es sollte den vietnamesischen Soldaten die Deckung nehmen. Fast 80 Millionen Liter gingen nieder über Wäldern und Feldern. Bis heute ist das lebensgefährliche Dioxin im Boden, in Flüssen, im Trinkwasser. Long Thanh ist eines der vielen Kinder, die seit dem Krieg mit Behinderung zur Welt gekommen sind. Insgesamt sind es geschätzt 150.000 junge Opfer allein in Vietnam. Viele von ihnen stehen beinahe mittellos dar. Die Agent-Orange-Familien gehören zu den ärmsten im ganzen Land. Die USA haben sich lange geziert, Verantwortung zu übernehmen. Präsident Obama hat bei seinem historischen Besuch in Vietnam im Mai 2016 Hilfe versprochen. Besonders stark kontaminierte Orte sollen aufwendig gesäubert werden. Die Regierung wie auch die Hersteller des Giftes sehen bis heute jedoch keine direkte Verbindung zwischen den Krankheitsfällen in Vietnam und Agent Orange. Die Dokumentation will eine Brücke schlagen zwischen den Opfern des Vietnam-Krieges auf beiden Seiten. Der Film hat dem Team um Autor Philipp Abresch eine Nominierung für die Emmy Awards sowie für den Grimme-Preis eingebracht. Kameramann Wolfgang Schick hat für seine herausragende Filmarbeit den Deutschen Kamerapreis erhalten.

17.2., Phoenix, 23.15 Uhr: "Abtreibung - Angriff auf ein Frauenrecht"

Für viele europäische Frauen ist das Recht, sich für einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, selbstverständlich. Doch militante Abtreibungsgegner sind im Aufwind und haben mit Geld aus den USA und Unterstützung konservativer Kirchenkreise ein internationales Netzwerk geknüpft, das Frauen unter Druck setzt und legale Abtreibung erschwert. Von Italien bis Polen, von Frankreich bis Ungarn wird ein Kreuzzug gegen das Recht auf Abtreibung geführt. Vor allem in Osteuropa haben Nationalisten das Thema längst für sich entdeckt. Politiker wie der ungarische Regierungschef Viktor Orban stellen die Hebung der Geburtenrate als Alternative zur Zuwanderung dar. In Italien lassen sich kaum Ärzte finden, die bereit sind, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Ohne das Wissen der betroffenen Frauen übergeben katholische Krankenhäuser deren Föten an Abtreibungsgegner, die sie dann im Rahmen von Kundgebungen öffentlich bestatten, inklusive Grabstein mit dem Namen der Frau. Die Organisation Pro Life kämpft dafür, Schwangerschaftsabbruch wieder illegal zu machen. Ihre nächsten Feindbilder sind Empfängnisverhütung und Scheidung. Der Film zeigt, wie sich mit dem Aufstieg der neuen Rechten in Europa ein Rückschlag bei Frauenrechten vollzieht.

17.2., ARD Alpha, 22.50 Uhr: "Streetphilosophy: Neid - Ich will, was du hast!"

Der Fotograf Peter Kaaden führt ein Leben, auf das viele Leute neidisch sind. Ständig räkelt sich irgendein Model vor seiner Linse, auf Instagram teilt er sein tolles Leben, außerdem jettet er um die ganze Welt. Ist jemand, der so erfolgreich ein so glamouröses Leben führt, selbst frei von Neid? So sehr man sich auch innerlich dagegen wehrt: Man konkurriert doch ständig mit anderen, fühlt sich selbst minderwertig und vergleicht sich permanent. Oder sind es andere, die einem den Vergleich aufzwingen? Dieses Gefühl kennen die Zwillinge und Foodbloggerinnen Maria und Sophia, die Moderator Jonas Bosslet zum Paddeln auf der Spree trifft, nur zu gut. Anschließend entspannt er gemeinsam mit dem Philosophen Alex bei einem Feierabendbier im Biergarten. Alex erklärt Jonas, dass Neid auf Unterschieden beruht und dass alle in einem permanenten Wettbewerb miteinander stehen. Aber gerade der Wettbewerb spornt an und macht Veränderungen in der Gesellschaft möglich. Frei von Neid sein - gibt es das überhaupt? Das will Jonas von Ulf wissen, den er in dessen Bauwagen an der Stadtgrenze von Berlin besucht. Ulf ist ganz mit sich im Einklang, wenn er genug Zeit hat, in seiner Hängematte zu liegen oder in seinem Garten am Lagerfeuer Gitarre zu spielen.

18.2., ARD, 23.10: "Schuld ohne Sühne?"

Rund 3.700 Opfer und 1.670 Beschuldigte seit 1946: Diese erschreckende Zahl nennt eine Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, die sich mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute befasst. Die Studie erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn untersucht wurden nur die durch die Kirche zur Verfügung gestellten Akten. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in Chile, Australien oder Irland steht die katholische Kirche unter stetig wachsendem Druck. Die Dimensionen der Vergehen von Klerikern sind für die Kirche, die sich als moralische Instanz, gar als "Gewissen der Welt" versteht, gewaltig und schmerzhaft. Als "Quelle des Schmerzes und der Scham" hat Papst Franziskus die tausendfachen Fälle sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester und Ordensleute bezeichnet und alle Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen weltweit für den 21. Februar 2019 nach Rom zu einem Spitzentreffen einbestellt. Indirekt geht es nicht zuletzt um die Zukunft der katholischen Kirche. Unmittelbar vor Beginn der Konferenz widmet sich der Film den wichtigsten Fragen zum Thema: Was sind die Ursachen für den systematischen Missbrauch und was tut die Kirche, um diese Ursachen abzustellen? Nimmt die Kirche ihre Verantwortung ernst? Der Film geht diesen Fragen nach und dokumentiert die Arbeit der kirchlichen und weltlichen Justiz bei der Aufarbeitung. Schaffen es diese Instanzen, wirklich aufzuklären? Tagesschau24 wiederholt den Film am 21. Februar um 20.15 Uhr.

18.2., ARD, 23.30 Uhr: "Ewige Schulden"

Dreißig Jahre Mauerfall bedeuten auch dreißig Jahre gemeinsame Geschichte der Kirchen in Ost und West. Eine Zeit, die von sinkenden Mitgliederzahlen und wachsendem Bedeutungsverlust der Kirche speziell in der Bevölkerung im Osten des Landes gekennzeichnet ist. Und vielleicht von einer vertanen Chance auf Veränderungen. Nach der friedlichen Revolution hat der Osten viele Regeln vom Westen einfach übernommen, darunter auch die Staatsleistungen an die Kirchen, die mancherorts im Vergleich zur Mitgliederzahl der Kirchen und zur Einwohnerzahl der neuen Bundesländer besonders hoch liegen. Es entstand ein neues Fundament für die enge Beziehung zwischen Staat und Kirche. Der Mauerfall war eine große Befreiung für die katholische und die evangelische Kirche der DDR. Durch staatliche Repressalien hatten die Kirchen im Osten zwischen 1949 und 1989 weit mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Und trotzdem wurden beim Zusammenbruch der DDR gerade die Kirchen gesellschaftlich relevant, boten geschützte Räume für die Oppositionsbewegung und waren am Ende einer der wichtigsten Katalysatoren der friedlichen Revolution. Die schwierige Zeit unter dem DDR-Regime hatte jedoch eine ganz eigene Kirche hervorgebracht: eine Kirche, die wenig bürokratisiert war, gemeindenah und an vielen Stellen staatsfern, eine Kirche, der Glaubwürdigkeit wichtig war. Das neue, demokratische Land bot den Ostkirchen Chancen, aber auch Herausforderungen. Sie mussten in einer der ungläubigsten Regionen der Welt agieren, ihr Verhältnis zu den Westkirchen neu definieren. Und ihr Verhältnis zum Staat. Ariane Riecker fragt in ihrem Film: Wo stehen die Kirchen heute? Welche Alternativen hätte es gegeben? Wie viel Nähe haben sie zum Staat und wie viel Nähe zu den Menschen?

18.2., 3sat, 23.35 Uhr: "37 Grad: Der Geschmack von Leben"

Jeder zweite Deutsche stirbt im Krankenhaus, jeder dritte im Pflegeheim. In Hospizen gibt es oft lange Wartelisten, und palliativmedizinische Betreuung ist längst nicht flächendeckend. Jana Matthes und Andrea Schramm haben für ihren Film ein Jahr lang drei Hospizmitarbeiterinnen begleitet, die ihren Gästen bis zum letzten Augenblick eine hohe Lebensqualität ermöglichen: eine Köchin, die letzte Essenswünsche erfüllt, eine Pflegerin und eine Ehrenamtliche. Eduard Nöther zieht an einem Frühlingstag in das Haus auf dem Hügel im Schwarzwald, er hat starke Schmerzen und will sterben. Doch dann klopft es an seiner Tür: Christiane Stangier fragt, was sie ihm kochen kann, gerade sei Spargelzeit. Vielleicht war das der Moment, in dem die Lebensgeister des 89-Jährigen zurückkehrten. Denn Stangier ist nicht irgendeine Köchin, sie ist eine Kochkünstlerin, die Sterbenden letzte Essenswünsche erfüllt. So wird aus einer Woche für Eduard Nöther ein halbes Jahr. Die meisten Gäste, wie die Bewohner hier genannt werden, wünschen sich am Ende ihres Lebens Hausmannskost. All dies bereitet ihnen die Hospizköchin zu. Denn über das Essen entsteht ein Gefühl von Vertrautheit und Normalität. Pflegerin Filomena Strolz arbeitete früher im Krankenhaus. Als ihre Mutter mit nur 54 Jahren an Krebs starb, konnte sie den eigenen Berufsalltag nicht mehr ertragen. Sie kündigte ihren Job und fing im Hospiz Kafarnaum an, damals noch unsicher, ob sie der täglichen Konfrontation mit dem Tod gewachsen sein werde. Doch die Kolleginnen stützten Filomena in ihrer Trauer und halfen ihr, den Verlust der Mutter zu verarbeiten. Heute ist sie es, die Gäste und Angehörige in den schwierigsten Tagen und Wochen ihres Lebens auffängt, die Rat spendet und die Hände Sterbender hält. Fußpflegerin Bea Hammer schenkt als ehrenamtliche Sterbebegleiterin den Hospizgästen ihre Zeit, beispielsweise für einen letzten Ausflug in die Natur. Manchmal kommt auch sie an ihre Grenzen: Als ihr Mann eine schwere Herz-OP hatte, schaffte es Bea für einige Wochen nicht ins Hospiz. Der Tod war ihr plötzlich zu nah. Jetzt ist sie wieder da, massiert Herrn Nöther die Füße und unterhält sich mit ihm über den Golf-Club, in dem sie beide Mitglieder sind. Die Reportage erzählt den Alltag im Hospiz aus der Sicht von drei starken Frauen. Das Sterben anderer vor Augen, veränderten sie ihr eigenes Leben und lernten, nichts mehr aufzuschieben. Was treibt sie an, und woraus schöpfen sie Kraft? Und ist ein "gutes Ende" überhaupt möglich?

19.2., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Wo andere wegsehen"

860.000 Menschen waren 2016 in Deutschland wohnungslos. Etwa 52.000 leben dauerhaft auf der Straße. Um ihre medizinische Versorgung kümmern sich engagierte Ärzte. Die Umstände sind oft schwierig, die Arbeit ist nicht lukrativ, aber trotzdem sehr erfüllend. Die Männer und Frauen haben ihre Entscheidung, Obdachlose medizinisch zu versorgen, sehr bewusst gefällt. Ihre Patienten haben in der Gesellschaft kaum Ansehen, sie sind in der Regel aus dem sozialen Netz gefallen, und ihre Behandlung ist finanziell nicht lukrativ. Viele tun sich schwer, eine Arztpraxis aufzusuchen; in den meisten Wartezimmern sind sie auch nicht gern gesehen. Um ihnen ärztliche Versorgung zu bieten, gibt es in deutschen Großstädten Praxen, die speziell für Obdachlose eingerichtet sind, aber auch Straßenambulanzen, in denen eine medizinische Versorgung vor Ort stattfinden kann. Anne Kauth hat für ihren Film drei dieser Ärzte begleitet. Thomas Beutner zum Beispiel arbeitet für die Münchener Straßenambulanz. Zu ihm kommen Menschen, die sonst nie medizinische Hilfe suchen würden. Viele sind vom Leben auf der Straße gezeichnet, haben offene Wunden, die bereits lange unversorgt sind, leiden unter Bluthochdruck oder Atemwegsinfektionen. Der Gang ins Arztmobil ist für sie ein erster Schritt, Vertrauen zu fassen und sich helfen zu lassen. An drei Abenden in der Woche ist die rollende Arztpraxis unterwegs. Oft haben die Patienten schlechte Erfahrungen in Krankenhäusern oder bei niedergelassenen Ärzten gemacht. Beutner hat viele Jahre in Krankenhäusern gearbeitet. Dort hat er erlebt, wie die medizinische Versorgung der Menschen immer stärker ökonomischen Zwängen unterworfen wird. Dabei ist er überzeugt: Der Kern einer jeden Behandlung ist der persönliche Kontakt. Seinen festen Arbeitsplatz hat er in der Praxis im Gebäude des Katholischen Männerfürsorgeheims in München. Hierher kommen diejenigen, deren Vertrauen er gewinnen konnte. Doch sein Hilfsangebot geht noch darüber hinaus: Oft begleitet er seine Patienten nach der Behandlung gleich noch in den ersten Stock des Hauses. Hier sitzen die Sozialarbeiter, die alle weiteren möglichen Probleme für die Menschen regeln. Engagement ohne Eigennutz ist auch die Maxime für Levke Sonntag. Zwei- bis dreimal im Monat fährt die Ärztin ehrenamtlich mit der mobilen Praxis durch Hamburg. Auch während der Woche kümmert sie sich um Menschen am Rande der Gesellschaft: Sie ist die leitende Ärztin im Flüchtlings-Erstaufnahmelager des Landes Schleswig-Holstein in Bostedt. Ähnlich wie Ursula Schürks würde sie sich vermutlich nie als "Gutmensch" bezeichnen. Die Essenerin ist Angestellte bei der Gesellschaft für Soziale Dienstleistung. Einfach anpacken und nicht viel drüber reden, das ist ihr Motto. Die ausgebildete Palliativmedizinerin und Anästhesistin fährt erst seit einem guten Jahr mit der rollenden Arztpraxis für Wohnungslose durch Essen. Das ist ein Arbeiten auf engstem Raum. Doch die Ärztin ist Schlimmeres gewohnt. Neben Medizin hat sie auch humanitäre Hilfe studiert und war in Peru, Tansania und Liberia tätig. Dort hat sie gelernt, unkompliziert und unbürokratisch jedem beizustehen, der um Hilfe bittet.

19.2., Arte, 19.40 Uhr: "Re: Zu jung zum Sterben"

Bei Marlene wurde der Tumor mit 17 diagnostiziert. Erik war 27. Jährlich erkranken 15.000 junge Erwachsene in Deutschland an Krebs. Sie sind voller Pläne: Abitur, Studium, Familie. Doch die Diagnose ist ein Einschnitt in die gesamte Lebens- und Zukunftsplanung. Viele junge Patienten suchen die Öffentlichkeit. Manche schreiben einen eigenen Blog, so wie Erik, dem die Ärzte nicht mehr helfen können und der dennoch anderen Betroffenen Mut machen möchte. Marlene steckte mitten im Abitur, als die Krankheit ausbrach. Sie war gerade ein Jahr mit ihrem Freund Daniel zusammen, da musste sie sich schnell vor der Chemotherapie Eizellen entnehmen und einfrieren lassen - um die Familienplanung nicht zu gefährden. Marlene postet Bilder von sich und ihren Freunden auf Instagram und erzählt einer großen Zahl von Followern, wie das Leben trotz Krebs weitergeht.

20.2., WDR, 22.55 Uhr: "Die Farbe der Sehnsucht"

Was ist die Sehnsucht, dieses viel beschworene, ungewisse und doch so präsente Gefühl? Wonach sehnen wir uns, was sind unsere Träume, unsere Vorstellungen von Glück und Erfüllung? Wie gehen wir mit inneren und äußeren Widerständen und Widrigkeiten um, die unsere Freiheit begrenzen? Mit der Welt, wie sie ist, und der Welt, wie wir sie vielleicht wollen? Was treibt uns an? Mit seinem Dokumentarfilm geht Grimme-Preisträger Thomas Riedelsheimer ("Sponsae Christi – die Bräute Christi") an fünf verschiedenen Orten der Welt dem Gefühl von Sehnsucht nach. Dabei lernt er die 40jährige Layla aus Katar kennen. Sie will endlich leben, will ihre Kleider wegwerfen, will fühlen, riechen, berühren, ihre Haare im Wind wehen und sich einen roten Schmetterling tätowieren lassen. Als muslimische Frau in einer schillernden, surrealen Stadt zwischen Wüste und Meer. Dona Mingas, 50, lebt in Kova da Moura, einem Einwandererviertel in Lissabon. Mit 19 hat sie die Kapverden verlassen. Ihre zwei Töchter, die jüngste gerade mal 9 Monate alt, blieben zurück. Dona ist zufrieden, aber insgeheim will sie eines Tages zurück. Tazy, der junge Graffiti-Sprayer, ist in diesem Viertel geboren. Er will bleiben, obwohl er als "Black" in Portugal kaum akzeptiert wird. Julius dagegen will unbedingt raus, raus in die Welt. Der frisch gebackene Abiturient aus München sehnt sich nach einem richtigen Abenteuer. Ihm fällt es schwer, sich mit der deutschen Gesellschaft zu identifizieren. In der Musik bringt er seine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck. Aber es gibt auch die Sehnsucht nach dem Tode, die zur Selbsttötung führen kann. Der pensionierte japanische Polizist Shige-San hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen davon abzuhalten, sich einfach von den Klippen ins Meer zu stürzen, wenn ihre Sehnsucht nach dem Nichts sie überwältigt. Er will nicht Zuschauer sein, wenn sich für sie der Abgrund verführerisch öffnet und ihre Sehnsucht sie in den Tod treibt.

21.2., Arte, 19.40 Uhr: "Re: Grundeinkommen bedingungslos"

Im Januar 2017 ging es los: Zwei Jahre lang zahlt der finnische Staat 2.000 ausgewählten arbeitslosen Bürgern 560 Euro im Monat aus. Zum ersten Mal ein offizielles bedingungsloses Grundeinkommen. Wie verändert es das Leben seiner Empfänger? Befördert ein bedingungsloses Grundeinkommen vollendetes Nichtstun - wie Kritiker meinen -, oder verursacht es nicht vielmehr die Freisetzung ungeahnter kreativer Kräfte, die letztlich die gesamte Volkswirtschaft stärken? Das finnische Projekt erregt europaweit große Aufmerksamkeit. Zwar hat sich die Schweiz im Juni 2016 zunächst gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens entschieden, aber in den Niederlanden, Schweden und in Deutschland gibt es eine große Zahl an Verfechtern des Modells und bereits ein paar kleinere Projekte. Finnland traut sich nun als erstes Land in Europa, die Auswirkungen des Grundeinkommens auf seine Bürger zu testen. "Re:" verfolgt das Experiment in Finnland über ein ganzes Jahr und begleitet zwei Empfänger des bedingungslosen Grundeinkommens. Juha Järvinen, 38 Jahre alt und sechsfacher Familienvater, erhofft sich mehr Freiheit durch die zusätzliche steuerfreie Einnahme. Er will sich als Filmemacher selbstständig machen. Rosa Kultalahti-Singh, 26 Jahre alt und zweifache Mutter, ist sich unsicher, ob sich in ihrem Leben überhaupt etwas ändern wird. 560 Euro sind nicht viel, schon gar nicht in Finnland. Was will die finnische Regierung mit der Auszahlung eines Grundeinkommens wirklich erreichen?
Der Film geht der Frage nach, ob das bisher einmalige finnische Experiment ein Modell der Zukunft sein kann.

Phoenix, 21.2., 21.00 Uhr: "Wie antisemitisch ist Deutschland?"

Es brennen wieder israelische Flaggen, Gedenksteine an den Holocaust werden geschändet, auf vielen Schulhöfen ist "Du Jude!" als Schimpfwort allgegenwärtig. Das deutsche Innenministerium verzeichnete für das Jahr 2017 1453 antisemitische Straftaten. Die Tendenz ist steigend. Wie antisemitisch ist Deutschland wirklich? Und wer sind die Täter? Wie drückt sich Antisemitismus im Alltag der jüdischen Bevölkerung in Deutschland aus? Sind radikale Muslime oder Rechtsextreme die größere Bedrohung? Wie tief ist Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft verwurzelt? Was kann man dagegen tun? Und wie kann man sich dagegen wehren? Autor Thorsten Berrar begleitet Barrie Kosky, den Intendanten der Komischen Oper Berlin, bei seiner Suche nach Antworten. Die beiden treffen auf Menschen, die unter antisemitischen Anfeindungen leiden und Antisemitismus bekämpfen, aber sprechen auch mit jenen, die ihn im Internet schüren. Dabei schreckt Kosky auch nicht vor Konfrontationen zurück. Er ist Jude, stammt aus Australien und hat vor circa einem Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Der gefeierte Opernregisseur betrachtet die aktuelle Situation deshalb mit den Augen eines Neubürgers.